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11:09 18 Juli 2019
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    Botschafter: Türkei-Nische auf russischem Markt besetzt – Rückkehr fast unrealistisch

    © REUTERS / Murad Sezer
    Wirtschaft
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    Russische Einschränkungen für die Türkei (60)
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    Für das türkische Business wird die Rückkehr an den russischen Markt selbst nach einer möglichen Normalisierung der bilateralen Beziehungen nicht leicht, da andere Länder diese Nische bereits besetzt haben werden, wie der russische Botschafter in Ankara, Andrej Karlow, gegenüber der Agentur RIA Novosti erklärte.

    „Antalya und die benachbarten Provinzen werden durch den gegenwärtigen Zustand unserer Beziehungen die größten Verluste erleiden. Einerseits ist es das Tourismuszentrum, andererseits war diese Region der Hauptlieferant von Agrarprodukten nach Russland“, sagte der Botschafter. 

     „Wir kauften in der Türkei landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von etwa einer Milliarde Dollar und das diesbezügliche Handelsvolumen wuchs ständig. Jetzt sind diese türkischen Produkte unter die Sanktionsmaßnahmen gefallen. Für viele türkische Lieferanten wird es selbst im Fall einer Normalisierung unserer Beziehungen sehr schwer sein oder gar nie gelingen, auf den russischen Markt zurückzukehren. Ihren Platz haben ägyptische, israelische, aserbaidschanische oder iranische Lieferanten eingenommen. Es gibt bereits eine lange Warteschlange ausländischer Unternehmen, die diese Nische gern ausfüllen wollen“, sagte Karlow.

    Dem Botschafter zufolge sind die türkischen Geschäftsleute sehr klug: Sie sind sich darüber im Klaren, warum sie die Kontakte nach Russland und damit auch Milliarden Dollar verloren haben. 

     „Gleich nach der Flugzeug-Tragödie äußerten türkische Behörden optimistische Schätzungen, dass die Wirtschaft des Landes eine Milliarde Dollar oder vielleicht auch zwei bis drei Milliarden verlieren werde. Doch nach der jüngsten Studie der Türkischen Stiftung für Sozial-, Wirtschafts- und Politikforschung wird die Türkei bis zu elf Milliarden Dollar einbüßen. Man kann uns nicht vorwerfen, Russland übertreibe – es handelt sich hierbei um Angaben der türkischen Seite“, fügte Karlow hinzu.

    „Im Januar war der türkische Export nach Russland auf ein Drittel eingebrochen, aber es gibt da noch den ‚unsichtbaren Export‘  in den Branchen Bauwesen, Tourismus und Gütertransport. Dieser erreichte bis zu 15 Milliarden Dollar im Jahr, darunter entfallen allein 4,5 Milliarden Dollar auf den Tourismus. Diese Parameter werden ebenfalls stark sinken. Die Türkei wird die Millionen russischer Touristen vermissen“, sagte der Botschafter.

    Die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei stecken seit dem Abschuss eines russischen Bombers Su-24 durch einen türkischen Kampfjet  F-16 über syrischem Territorium am 24. November 2015 in der Krise. Der russische Präsident Wladimir Putin nannte den Vorfall einen „Stoß in den Rücken durch Helfershelfer der Terroristen“, infolge dessen Präsident Putin einen Erlass über zusätzliche Maßnahmen zur Gewährleistung der nationalen Sicherheit sowie ökonomische Sondermaßnahmen gegen die Türkei unterzeichnete.

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