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    Moskau sucht Einigung mit OPEC-Staaten: „Iran hält sich abseits“

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    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
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    Nachdem Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela nach einem Ministertreffen in Doha sich bereit erklärt haben, ihre Ölförderung auf dem Januar-Stand einzufrieren, beschäftigen sich russische Experten mit der Frage, ob der Ölpreis nun wirklich steigen könnte. Das Problem besteht darin, dass der Iran seine Exporte deutlich erhöhen will.

    „Es wäre für Russland sehr vorteilhaft, seine Ölförderung auf dem Januar-Stand zu fixieren“, sagte Anna Kokorewa, Analystin von Alpari, wie die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch berichtet.

    Tatsächlich haben die russischen Fördermengen ausgerechnet jetzt einen Höhepunkt erreicht. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur betrugen sie im Januar 10,9 Millionen Barrel pro Tag. Für die postsowjetische Ära ist das ein Rekord. Damit hängte Russland auch Saudi-Arabien ab, den größten Ölproduzenten der OPEC. Die Saudis förderten im Januar 10,2 Millionen Barrel täglich.

    Es gibt aber eine Bedingung, damit die Einfrierung der Fördermenge wirklich zustande kommt. „Die Entscheidung wird fallen, wenn die anderen Ölproduzenten dieser Initiative zustimmen“, so der russische Energieminister Alexander Nowak. Der russische Botschafter bei der OPEC, Wladimir Woronkow, erklärte, Moskau hoffe darauf, dass alle Mitglieder des Kartells mitmachen.

    Eldar Kassajew, Experte des russischen Gas- und Ölindustriellenverbandes, sagte dem Blatt: „Die meisten OPEC-Akteure werden offenbar lebhaft auf die erzielten Vereinbarungen reagieren, denn sie sind müde von niedrigen Ölpreisen. Der Iran hält sich jedoch abseits.“

    Der iranische Ölminister Bijan Zangeneh reagierte auf das Doha-Treffen mit der Erklärung, das Land wolle seinen Marktanteil nicht verlieren. Und Vizepräsident Eshagh Dschahangiri hatte noch am Samstag mitgeteilt, der Iran wolle gegen Ende März seinen Ölexport um rund ein Drittel auf zwei Millionen Barrel täglich erhöhen. Nach Informationen von Reuters könnten dem Iran allerdings gewisse „Sonderbedingungen“ im Rahmen des Plans zur Einfrierung der Preise angeboten werden. 

    Kassajew erläuterte: „Die Iraner, die soeben mit Öllieferungen nach Europa begonnen haben, rechnen nun im Ernst damit, ihre einst verlorenen Positionen auf dem europäischen Markt zurückzuerobern. Die Iraner sind bereit, ihre Konkurrenten abzudrängen – sowohl Russland als auch OPEC-Mitglieder wie Saudi-Arabien, Katar, Algerien, Nigeria und Venezuela.“

    Maxim Moschkow, Chefanalyst von UBS ist ebenfalls der Meinung, dass die in Doha erzielte Verständigung noch nicht ausreicht, um einen stabilen Preisanstieg zu bewirken. Die Zeitung „RBC Daily“ zitiert ihn am Mittwoch mit den Worten: „Das Treffen in Doha war eine Überraschung, deshalb ist der Ölpreis in Erwartung realer Entscheidungen etwas angestiegen. Dann ging er jedoch wieder zurück, denn solche Entscheidungen blieben aus.“

    Sergej Pikin, Chef der russischen Denkfabrik Energy Development Fund, sagte im Radiosender Kommersant FM: „Zwar ist es positiv, dass die Länder versuchen, sich zu verständigen. Doch im Hinblick auf die aktuelle Marktsituation bleiben die bisherigen negativen Faktoren bestehen. Eine Öl-Überproduktion ist vorhanden, die Öllager sind voll. Auch die Situation mit der Nachfrage sieht vorerst nicht allzu positiv aus. Alle warten auf die neuen Angaben zu den US-Märkten, zu den dortigen Ölvorräten und Fördermengen. Von diesem Faktor hängt ab, ob der Ölpreis nach oben klettern oder erneut etwas sinken wird.“

    Die Vereinbarungen von Doha werden laut Pikin nur Wirkung zeigen, wenn die ganze OPEC ihnen zustimmt: „Eine planmäßige OPEC-Vollsitzung soll im Sommer stattfinden. Falls eine außerordentliche Sitzung angekündigt wird, wird man davon sprechen können, dass die Länder wirklich versuchen, diese Fragen auf eine neue Weise zu klären.“

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