14:53 30 Oktober 2020
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    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
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    Der Energiepolitik-Experte Dr. Behrooz Abdolvand glaubt nicht an eine baldige Einigung zwischen den größten Ölproduzenten über ein Einfrieren der Fördermengen.

    In seiner Stellungnahme zu den jüngsten Kontakten zwischen den Großproduzenten Saudi-Arabien und Russland, bei denen es um eine solche Option ging, sagte er: "Zurzeit scheint mir, dass die Produzenten wie Saudi-Arabien und Irak mit intensiver Produktion versuchen, den Ölmarkt zu überschwemmen. Dafür hat jeder einen eigenen Grund. Das ist die Hauptursache für diese Situation jetzt. Saudi-Arabien hat eine ganze Menge Zusatzkosten wegen der Konflikte in der Region. Sie bezahlen Pakistan, sie bezahlen Ägypten, sie bezahlen pro Monat fast sechs Milliarden Dollar für den Krieg im Jemen, sie sind im Irak und in Syrien beschäftigt und als Koalitionspartner in der Türkei. Das kostet Saudi-Arabien sehr viel und deswegen produziert Saudi-Arabien auf Hochtouren.“

    „Wenn die Saudis sich dazu entscheiden, die Produktion zu reduzieren und sich dadurch der Ölpreis erhöhen würden, dann könnte Saudi Arabien seine Unkosten decken“, fügte der Experte in einem Sputniknews-Gespräch mit Bolle Selke hinzu. „Ich denke, das ist einer der Gründe, dass Saudi-Arabien sich nach sechs Monaten Überproduktion langsam für eine Drosselung der Produktion entscheidet. Ich schätze mal, wir gehen langsam in die Richtung, diese Überproduktionsgeschichte zu meistern."

    "Alle haben die Schmerzgrenze erreicht. Die Produktionskosten sind in einigen Ländern wie Russland, Kanada oder Aserbaidschan wirklich sehr hoch. In OPEC-Ländern sind die Kosten jedoch niedrig und darum kann man nicht erwarten, dass die OPEC-Länder ihre Produktion reduziert“, sagte Dr. Abdolvand. „Wenn OPEC das reduziert, werden die anderen Länder das sofort ersetzen. Es gibt dort einen Kampf um Marktanteile. Und aus der Perspektive denke ich, dass dann das Marktgleichgewicht wieder hergestellt wird. OPEC kann die Produktion also nicht reduzieren. Es ist also nicht möglich, sich auf eine Drosselung zu einigen, solange nicht alle Akteure sich dazu entscheiden, die Produktion zu reduzieren — USA, Kanada, Russland und OPEC. Wir haben zwei Millionen Barrel pro Tag Überproduktion und diese zwei Millionen Barrel können dann, wenn alle Akteure ihren Beitrag leisten unter Kontrolle gebracht werden."

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    Tags:
    Öl, Saudi-Arabien