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19:55 20 Juli 2019
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    Scott Kelly

    Tücken der Raumfahrt: Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper

    © NASA .
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    Nach 340 Tagen auf der Internationalen Raumstation ISS ist das NASA-Team auf die Erde zurückgekehrt, unter ihnen auch Scott Kelly. Von dem Astronauten versprechen sich NASA-Wissenschaftler nun Aufschlüsse über den Einfluss der Schwerelosigkeit auf das Erbgut des Menschen.

    Warum ausgerechnet Kelly hierbei helfen kann, wird schnell klar: Er hat einen Zwillingsbruder, Mark. Dieser ist auf der Erde geblieben und ließ zahlreiche Tests über sich ergehen, während sein Bruder Scott nahezu ein Jahr lang dem Einfluss der Schwerelosigkeit ausgesetzt war.

    Das Online-Magazin „Quartz“ hat die wichtigsten Folgen eines Lebens in der Schwerelosigkeit zusammengestellt. Hier die wichtigsten:

    Umverteilung von Körperflüssigkeiten

    Ohne Schwerkraft verschwindet die Körperflüssigkeit aus den Extremitäten und steigt im menschlichen Körper auf – das Gesicht schwillt an, das Herz wird stärker belastet.

    Schlechtes Sehen

    Die Sehkraft lässt nach. Verantwortlich dafür ist das ebenfalls nach oben steigende Blut. Dadurch erhöht sich der Druck in den Augengefäßen. In der Schwerelosigkeit wirkt sich der erhöhte Druck der Rückenmarkflüssigkeit auf die Augen aus. Darunter leidet das Sehvermögen.

    Muskel- und Knochenschwund

    In der Schwerelosigkeit schwindet der Tonus der menschlichen Muskeln und Knochen, weil die Schwerkraft fehlt, gegen die sie sonst ankämpfen müssen. Auf einer Erdumlaufbahn können die Raumfahrer monatlich bis zu ein Prozent der Dichte ihres Knochengewebes verlieren. Auf der Erde dauert dies ein ganzes Jahr. Deswegen muss die ISS-Besatzung täglich zwei Stunden mit Muskeltraining verbringen. Im vergangenen Jahr hatten japanische Wissenschaftler laut Quartz-Magazin eine Untersuchung veröffentlicht, wonach statt des Standard-Belastungstrainings auch ein hybrides Muskeltraining, ein Mix aus physischer Belastung und Elektrostimulation, effektiv ist.

    Nierenerkrankungen

    Geschwächte Knochen wirken sich auch auf die Nieren aus: Beim Knochenschwund in der Schwerelosigkeit wird Calcium frei, welches vom Blut aufgenommen wird und sich in den Nieren absetzen kann. Nierensteine sind eine mögliche Folge.

    Erhöhtes Krebsrisiko

    Die Astronauten haben anders als Erdbewohner keine Ozonschicht, die sie vor schädlicher UV-Strahlung schützt. Auf einer Erdumlaufbahn ist die Strahlung zehn Mal intensiver. Auch mit dem speziellen Schutzequipment der NASA ist kein hundertprozentiger Schutz garantiert.

    Immunschwäche

    Im Weltall ist der menschliche Organismus viel anfälliger für Infektionen. Bedingt wird dies zum einen durch die Lebens- und Arbeitsbedingungen auf der Internationalen Raumstation – eingeschränkte Bewegungsfreiheit, dosierte Medikamente und Mangel an frischer Luft. Zum anderen wirkt die fehlende Schwerkraft auf die Gene, die für das Immunsystem verantwortlich sind.

    Das einzige Organ, das die negativen Auswirkungen der Schwerelosigkeit direkt zu spüren bekommt, ist das Innenohr. Es im All nicht mehr ermitteln, wo oben, unten, rechts oder links ist bzw. welche Körperstellung für den Organismus richtig ist. Das verursacht Gleichgewichtsstörungen und Desorientierung.Balanceprobleme

    Diese Untersuchungsergebnisse gelten für zukünftige Missionen, darunter auch für die Arbeit an einem möglichen Flug zum Mars, als unverzichtbar. Die NASA plant bis zum Jahr 2030 einen zweieinhalb Jahre andauernden bemannten Mars-Flug. Nach der Ankunft der Raumfahrer auf dem roten Planeten würden ihnen die Regenerationsmöglichkeiten, die sie von der Erde her kennen, nicht mehr zur Verfügung stehen. Dafür erforschen NASA-Wissenschaftler nun so gründlich die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus.

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    Tags:
    Internationale Raumstation ISS, NASA, Scott Kelly, Weltraum