03:21 03 Juni 2020
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    Russland will sich in diesem Jahr auf Außenmärkten drei Milliarden US-Dollar in einer Tranche leihen, hieße in der vorigen Woche aus Moskau. Das Finanzministerium betonte, dass die Ausgabe von Eurobonds selbst dann stattfindet, wenn die US-Banken auf ihre Teilnahme am Bieterwettbewerb verzichten (was auch der Fall ist).

    Laut „The Economist“ stehen hinter dem Beschluss über die Platzierung der Bonds nicht die Gründe, die als offensichtlich erscheinen.

    Russland hat seit 2013 keine Dollar-Obligationen herausgegeben. Wozu wird das jetzt gemacht? Einer der Gründe – der Bedarf Russlands an ausländischer Währung – die Dollar können für Unternehmen eingesetzt werden, die für die Wirtschaft wichtig sind, um den Druck abzubauen, der wegen der Schwierigkeiten bei der Bedienung der Kredite in ausländischen Banken nach der Rubel-Abschwächung zu erkennen ist. Zudem könnte die Regierung dieses Geld selbst nutzen – Brent-Öl kostet 36 US-Dollar je Barrel, bei solch einem Preis ist ein Haushaltsdefizit von vier Prozent des BIP zu erwarten.  

    Nach „Economist“-Angaben befindet sich der russische Privatsektor nicht in einer miserablen Lage; in den vergangenen zwei Jahren wurden die Außenschulden um ein Drittel abgebaut, in der nächsten Zeit sind auch keine großen Zahlungen zu erwarten. Dasselbe betrifft die russische Regierung – der Staat verfügt nach wie vor über große internationale Reserven. Das Finanzministerium bereitet einen neuen Haushaltsentwurf vor, in dem das Defizit durch die Senkung der Ausgaben und die Erhöhung der Steuereinnahmen verkleinert werden soll. Zudem kann die Regierung Kredite in Rubel aufnehmen – das ist einfacher und die Zinssätze sind niedriger.

    Warum kündigte dann Moskau die Ausgabe von Eurobonds an? Hinter diesem Beschluss können keine Finanzbedürfnisse, sondern vor allem strategische Ziele stehen, so „The Economist“. Laut Lisa Jermolenko von Capital Economics kann es sich dabei um einen langfristigen Schritt handeln, der zeigen soll, dass sich Russland trotz der Sanktionen und Rezession notfalls Geld holen kann, darunter auf ausländischen Märkten. Angesichts des Risikos, dass die russischen Reservefonds zur Neige gehen, falls der Ölpreis einige Jahre lang auf einem niedrigen Niveau bleiben sollte, wird die Fähigkeit, Kredite aufzunehmen, für den Kreml eine Art Beruhigungsmittel sein. Laut „The Economist“ will Moskau in Zukunft noch mehr Geld heranziehen – zwischen sechs und acht Milliarden US-Dollar im nächsten Jahr.

    Eine erfolgreiche Platzierung der souveränen Obligationen würde für Russland ein guter PR-Trick sein. Sollten die US-Behörden es Großbanken tatsächlich empfohlen haben, sich des Kaufs russischer Bonds zu enthalten, wird es Moskau schwerer fallen, Partner zu finden. Doch alles deutet darauf hin, dass Moskau sie jedoch finden wird, so „The Economist“.

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    Tags:
    Eurobond, Öl, BIP, Geld, The Economist, Russland