22:59 28 Juni 2017
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    Panama Papers: „USA wollen sich als neue größte Steueroase präsentieren“ - Experte

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    Auffällig für die „Panama Papers“, die gerade für enormen Medienwirbel sorgen, ist das Fehlen jeder Erwähnung von US-Firmen. Der Finanzexperte Ernst Wolff, Autor des Buches „Weltmacht IWF. Chronik eines Raubzugs“, glaubt eine Erklärung dafür zu kennen. Ein Interview.

    Herr Wolff, Gerade sind ja die sogenannten Panama Papers in aller Munde. Welche Rolle spielen Offshore-Briefkastenfirmen im weltweiten Finanzzirkus?

    Die spielen eine riesige Rolle. Es gibt kein großes Finanzunternehmen auf der Welt, was nicht irgendwo offshore gemeldet ist. Wenn Sie mal nachschauen, wieviel Steuern die großen Unternehmen der Welt bezahlen, dann sind das minimale Beträge. Jeder einfache Arbeiter zahlt das Zigfache von dem, was Großunternehmen in der Welt an Steuern bezahlen.

    Man darf nicht glauben, dass es irgendwie im Interesse von Regierungen oder den großen Medien, die alle von den großen Finanzkonzernen beherrscht werden, liegt, irgendwelche Schieflagen aufzudecken oder irgendwelche Steueroasen trocken zu legen. Was sich jetzt abspielt, ist nichts anderes, als dass die USA versuchen, bestimmte Steueroasen trocken zu legen, um sich selbst als neue und größte Steueroase der Welt zu präsentieren. Die Amerikaner haben über mehrere Jahre versucht, das Steuergeheimnis in der Schweiz aufzuweichen. Das ist ihnen auch gelungen. Die Schweiz ist heute verpflichtet, die Daten von amerikanischen Staatsbürgern gegenüber dem amerikanischen Staat offen zu legen. Das gleiche haben die Amerikaner auch gegenüber allen anderen Staaten der Welt gemacht, auch gegenüber diversen Steueroasen. Gleichzeitig haben sie aber selber in ihren Staaten ein uneingeschränktes Bankgeheimnis eingeführt.

    In Amerika sind die Staaten Nevada, South Dakota, Wyoming und Delaware heute absolute Steueroasen. In Bankerkreisen heißt es: Das ist die neue Schweiz. Diese Panama-Papers, das ist eine Aufdeckung nur um diese anderen Steueroasen trocken zu legen und gleichzeitig die ganzen Geldströme, die im Moment in der Welt kein direktes Ziel finden, alle in die amerikanischen Steueroasen zu lenken. Es wird geschätzt, dass ungefähr 30 bis 40 Billionen an nicht versteuertem Privatvermögen in diesen Steueroasen liegen und da haben die Amerikaner natürlich Interesse, das ins eigene Land zu lenken.  

    Rein vom journalistischen Standpunkt sind die Panama Papers schon sehr beeindruckend. Wie kommt man an solche Informationen? Arbeiten die Kollegen beim Geheimdienst?

    Ich bin ganz sicher, dass da die amerikanischen Geheimdienste auch dahinter stecken. Man muss sich ja immer fragen: Wem nützt etwas? Diese ganze Aktion nützt und passt nahtlos in die Politik der USA rein. Auf der einen Seite schadet sie gewissen Steueroasen, Privatleute und Konzerne werden ihr Geld da abziehen und werden ihr Geld nach Nevada oder South Dakota verlegen. Auf der anderen Seite: Auch der kleine Nebeneffekt der Sache, dass man dem russischen Präsidenten Putin da eins reinwürgen wollte —  was ja relativ lächerlich ist, denn ihm selbst konnte ja nichts nachgewiesen werden, sondern angeblich einigen Leuten aus seinen Kreisen – das zeigt auch wieder, dass da jemand Interesse hat, jemand anderes anzuschwärzen. 

    Der ukrainische Präsident Poroschenko scheint dagegen immer noch genug Zeit zu finden, sich um sein persönliches Business zu kümmern.

    Offensichtlich. Aber es ist ja bekannt, dass Politiker korrupt sind. Heute hält sich ja kein Politiker mehr an der Macht, der nicht das Geschäft der Finanzindustrie verrichtet. Aber natürlich sind das alles Haifische, die sich gegenseitig gerne mal aus dem Becken schmeißen. Da gibt es unterschiedliche Interessen, die gegeneinander stehen, und ab und zu muss man den Leuten ein Bauernopfer vor die Füße werfen.

    Man muss ja sehen, dass weltweit die soziale Ungleichheit derart explodiert ist, dass viele Leute heute auch am System selbst zweifeln. Und diesen Leuten werden jetzt die Panama Papers zum Fraß vorgeworfen. Und die Leute denken tatsächlich zum großen Teil: „Oh, da ist etwas veröffentlicht worden, das wirklich geheim ist und jetzt sehe ich auch, dass einige Leute bestraft werden.“

    Gestern gab es z.B. im Ersten Deutschen Fernsehen eine Talkshow, wo dann tatsächlich darüber geredet wurde, dass das ein ernsthafter Versuch sei, Steueroasen trocken zu legen. Das ist ganz großer Blödsinn. Solange es dieses System gibt, wird es Steueroasen geben. Es ist im Moment nur eine Verlagerung der Steueroasen hin zu denen, die die größten Schwierigkeiten haben, und das sind die USA.

    Interview: Armin Siebert

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