SNA Radio
    Ölgewinnung in Iran

    Öl-Poker um Iran: „Die Saudis können diese Spiele nicht lange spielen“

    © REUTERS / Raheb Homavandi
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
    121356

    Der Iran will nicht seine Ölförderung bremsen – und andere Exporteure sind nach Ansicht russischer Experten kaum in der Lage, seine Entscheidung zu beeinflussen. Den Iranern mangelt es allerdings an technischen Optionen, um den Export schnell zu erhöhen. Das Land braucht neue Tanker und Geld für die Modernisierung seiner Ölbranche.

    Öl
    © REUTERS / Shamil Zhumatov
    Im Hinblick auf das für den 17. April angesetzte Treffen ölfördernder Länder in Doha sagte der russische Analyst Witali Krjukow, Chef von Small Letters, am Dienstag im Radiosender Kommersant FM, es sei jedenfalls wichtig, sich an den Verhandlungstisch zu setzen: „Zwar ist es schon klar, dass sie keine Einigung finden werden, doch sie könnten Orientierungspunkte in Bezug auf Fördermengen und Fristen skizzieren. Dies wäre für den Markt nützlich, um die Aussichten auf eine Änderung der vorhandenen Ölmengen zu klären.“

    Wjatscheslaw Mischtschenko, Vizepräsident von Argus Media, meinte, Russland werde offenbar Gespräche einzeln mit den Iranern und den Saudis brauchen, um als Vermittler zu agieren. Für Russland selbst sei es kein Problem, seine Ölförderung auf dem aktuellen Stand einzufrieren, denn sie habe ausgerechnet jetzt ihren historischen Höhepunkt erreicht.

    Der iranische Ölminister Bijan Zangeneh hatte am Montag angekündigt, das Land wolle seinen Ölexport steigern, um seinen wegen der Sanktionen eingebüßten Marktanteil zurückzugewinnen. Den Vorschlag mehrerer Exporteure, die Ölförderung auf dem Januar-Stand einzufrieren, bezeichnete der Minister als lustigen Witz. 

    Wladimir Issajew, Experte des Orientalistik-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte der Tageszeitung „Iswestija“, die Ölförderer seien kaum in der Lage, Teherans Entscheidung zu beeinflussen: „Die einzige Möglichkeit dazu wäre, den Markt zum Sturz zu bringen, doch niemand wäre dazu bereit. Die Saudis haben beispielsweise ein Etatdefizit von 100 Milliarden US-Dollar, ihre wirtschaftliche Situation ist nicht gerade die beste. Sie können diese Spiele nicht lange spielen. Andere Länder haben unterdessen große Meinungsverschiedenheiten, darunter in Bezug auf die Förderquoten.“ 

    Issajew wies darauf hin, dass auch Russlands Vorgehen am Ölmarkt von anderen Exporteuren kritisiert wird: „In Sachen Ölförderung demonstriert Russland Rekordmengen und hat Saudi-Arabien inzwischen abgehängt. Nicht nur der Iran erhöht also die Ölförderung.“ 

    Die Iraner sind laut Issajew allerdings nicht in der Lage, ihren Export schnell zu intensivieren: „Sie haben keine Tanker, um das geförderte Erdöl auszuführen. Dabei braucht der Iran nicht bloß Tanker, sondern Supertanker, von denen derzeit keiner frei ist. Man muss also warten, bis diese Schiffe gebaut werden. Auch für die Modernisierung der Ölindustrie braucht man Geld, und zwar rund 80 Milliarden US-Dollar. Weder die Amerikaner noch die Europäer sind vorerst bereit, solche Summen zu investieren. Es wird dem Iran also nicht gelingen, seine Ölförderung auf vier Millionen Barrel täglich schnell zu erhöhen.“

    Am Sonntag hatte Ölminister Zangeneh mitgeteilt, der Iran exportierte mittlerweile mehr als zwei Millionen Barrel Öl täglich. Die Ölförderung hat nach Angaben des Ministers 3,2 Millionen Barrel täglich erreicht.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Rettungsanker in der Ölkrise (90)

    Zum Thema:

    Iran plant Ölgeschäfte für bis zu 15 Milliarden Dollar bis März 2017
    Venezuela, Iran und Irak planen Treffen zu Öl-Fragen in Teheran
    Keine Ölgeschäfte in Dollar: Iran will weniger Einfluss von US-Währung auf Wirtschaft
    Saudis wollen Iran mit Geheimkrieg der Ölpreissenkung „ersticken“ – Politologe
    Tags:
    Öl, Witali Krjukow, Wladimir Issajew, Russland, Saudi-Arabien, Iran