15:15 04 April 2020
SNA Radio
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    1350
    Abonnieren

    Der russische Energiekonzern Gazprom hat die Preisformel seiner langfristigen europäischen Verträge, nach denen der Preis an den der Ölprodukte gebunden ist,geändert und geht zu einer Preisbildung über, die sich an den Gas-Spotpreisen in Europa orientiert, wie am Donnerstag die Zeitung Kommersant schreibt.

    Gazprom traf sich zuletzt mit zwei am Nord-Stream-2-Projekt beteiligten Unternehmen – der deutschen E.On sowie der französischen Engie. Dabei konnte sich auf die Einstellung der Arbitrageverhandlungen zu den Gasverträgen geeinigt werden. Im Unterschied zu früheren Streitfällen, in denen Gazprom seinen Kunden oft Entschädigungen zahlen musste, muss im aktuellen Fall E.On retroaktive Zahlungen in Höhe von 800 Millionen Euro an Gazprom tätigen.

    Beide Unternehmen gaben dann Ende März die Revision der langfristigen vertraglichen Preisbedingung bekannt. Die 2014 beim Schiedsgericht vorgebrachten gegenseitigen Klagen wurden daraufhin zurückgezogen.

    Die E.On-Zahlung deckt laut Kommersant den Zeitraum zwischen 2013 und 2015 ab. Sie beruht auf Gas-Spotpreisen, nach denen das deutsche Unternehmen seit  2012 einen Teil des Gasvolumens bei Gazprom einkaufen durfte. Diese hätten jedoch zeitweise höher gelegen als der im Vertrag fixierte Preis mit Ölpreisbindung.
    Mit der französischen Engie habe Gazprom in der letzten Woche einen ähnlichen Streitfall regeln können. Laut Kommersant sind hier jedoch keine retroaktiven Zahlungen erforderlich.

    In beiden Fällen seien die neuen Vereinbarungen für die nächsten drei Jahre getroffen worden.

    Bisher besaß der Gaspreis in allen langfristigen Verträgen auf dem europäischen Markt eine Ölpreisbindung. Nach der Krise 2009 ließ die Gasnachfrage in Europa nach und entsprach nicht mehr dem vertraglich festgelegten Liefervolumen. Auf Bestehen der EU-Regulatoren wuchs dabei der Umfang des Spot-Gashandels beträchtlich an. Die europäischen Gazprom-Kunden wurden dadurch genötigt, das Gas zum vertraglichen Preis mit Ölpreisbindung zu kaufen, konnten es aber nur zu niedrigeren Spotpreisen verkaufen. Sie mussten Einbußen hinnehmen und verlangten deshalb von dem russischen Lieferanten Preisnachlass und einen Übergang zur Bindung an die Spotpreise.

    Wie die Zeitung weiter anmerkt, hat dieser Übergang der E.On offenbar erneut Verluste beschert.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Gazprom steigert Gaslieferungen an Italien um 12,6 Prozent
    Gazprom rechnet mit Exportrekorden
    Gazprom steigert Gasexporte nach Westeuropa um 43,7 Prozent
    Monopol-Verfahren: EU-Kommission und Gazprom erörtern Vorwürfe im März
    Tags:
    Erdgas, E.ON, Gazprom, Europäische Union, Russland