20:46 05 Dezember 2019
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    Trug- statt Hilfskredite: Griechenland-Pakete retteten Banken, nicht Bürger – Studie

    © AP Photo / Petros Giannakouris
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    Mit den milliardenschweren Hilfspaketen an Griechenland sind vor allem europäische Banken gerettet worden: Weniger als fünf Prozent aller Kredite sind tatsächlich im Haushalt des Landes angekommen, wie Spiegel Online am Mittwoch unter Berufung auf eine Studie der European School of Management and Technology (ESMT) schreibt.

    Trotz der Kredite von mehr als 220 Milliarden Euro und harten Sparprogrammen komme Griechenland seit sechs Jahren nicht aus der Krise heraus. Das liege jedoch weniger an der Regierung selbst, sondern vor allem an einem Konzeptionsfehler: Der Studie zufolge haben Europa und der Internationale Währungsfonds (IWF) in den vergangenen Jahren vor allem Banken und private Gläubiger gerettet.

    In dem 24-seitigen Bericht lieferten Ökonomen eine detaillierte Berechnung: Sie haben sich jede einzelne Kredittranche angeschaut und über Wochen geprüft, an wen die 216 Milliarden Euro geflossen sind. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur 9,7 Milliarden Euro und damit weniger als fünf Prozent landeten wirklich im griechischen Haushalt – und nur diese seien den Bürgern direkt zugutegekommen, so Spiegel Online. Der große Rest sei für die Bedienung alter Schulden und Zinszahlungen genutzt worden.

    „Mit den Hilfspaketen wurden vor allem europäische Banken gerettet", sagt ESMT-Präsident Jörg Rocholl gegenüber dem Handelsblatt. Mit etwa 86,9 Milliarden Euro sollten alte Schulden beglichen werden, weitere 52,3 Milliarden sind laut der Studie für Zinszahlungen und 37,3 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der griechischen Banken genutzt worden.

    Der griechische Premierminister Alexis Tsipras
    © REUTERS / Alkis Konstantinidis
    Diese Daten ließen nun starke Zweifel aufkommen, ob die Hilfsprogramme überhaupt angemessen konstruiert wurden. Denn mit den Rettungskrediten seien in den vergangenen Jahren Schulden bedient worden, obwohl Griechenland de facto seit 2010 pleite sei. „Die europäischen Steuerzahler haben die privaten Investoren herausgekauft", sagte Rocholl dem Blatt. Doch die Rettung der griechischen Banken habe den Steuerzahlern nicht nur viel Geld gekostet, sie war auch völlig nutzlos: Die Institute hätten seit ihrer Rekapitalisierung 2013 rund 98 Prozent ihres Börsenwertes verloren, damit hätten sich die Bankhilfen inzwischen fast vollständig aufgelöst.

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    Tags:
    Banken, Kredit, Hilfe, Milliarden, IWF, Europa, Griechenland