09:18 10 Dezember 2019
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    Nordkorea

    Ereilt Nordkorea das gleiche Schicksal wie die DDR und Nordvietnam?

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    Wirtschaft
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    Nordkorea ähnele immer mehr Südkorea, schreibt der Korrespondent von Sputnik Andrej Iwanow, der vor kurzem aus Pjöngjang zurückgekehrt ist. Dank des allmählich wachsenden privaten Wirtschaftssektors sei das Problem des Lebensmittelmangels gelöst worden. Auch die Industrie entwickle sich Schritt für Schritt weiter.

    Flughafen in Nordkorea
    © REUTERS / KCNA
    Flughafen in Nordkorea

    Erste Anzeichen dafür kann man schon beim Anflug auf den Flughafen Pjöngjang sehen, und zwar bestellte Felder, auf denen hier und dort schöne, bunt bemalte Bauernhäuser stehen. Als ich vor 16 Jahren als Begleiter des damaligen Außenministers Russlands, Igor Iwanow, zum ersten Mal Nordkorea besuchte, schienen die Felder kaum bewirtschaftet zu sein, und statt der jetzigen Häuser standen unauffällige graue Hütten, wobei ich daran zweifelte, dass dort überhaupt jemand wohnte.

    Auf dem Weg vom Flughafen, der sich übrigens inzwischen in ein modernes Gebäude aus Beton und Glas mit einem Duty-Free-Shop verwandelt hat, sieht man, dass die Bauernhäuser, die aus der Luft zu sehen waren, keine Nebelbilder waren. Auf der Autobahn nach Pjöngjang sahen wir moderne Autos, und in den Dörfern gab es Fußgänger oder Fahrradfahrer, die zwar bescheiden, aber durchaus anständig angezogen waren.

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      Pjöngjnag
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    • U-Bahn-Netz von Pjöngjnag
      U-Bahn-Netz von Pjöngjnag
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    Pjöngjnag

    Auch Pjöngjang hat sich inzwischen  verändert. Dort gibt es sogar ganze Viertel aus 40- bzw. 50-stöckigen Wohnhäusern. Früher gab es an Bus- und Trolleybus-Haltestellen lange Menschenschlangen, wobei es aber kaum Busse bzw. Trolleybusse gab. Jetzt gibt es keine Menschenschlangen mehr, und die öffentlichen Verkehrsmittel bestehen überwiegend aus neuen nordkoreanischen Fahrzeugen.

    Pjöngjnag
    © Sputnik / Andrei Ivanov
    Pjöngjnag

    Auch an Lebensmitteln mangelt es offenbar nicht mehr. Unsere Begleiter führten das auf einen Aufschwung der Zahl der Bauernbetriebe in den letzten Jahren zurück, wo verschiedene Landwirtschaftsprodukte angebaut werden. Auch die Industrieproduktion wachse zunehmend.

    Pjöngjnag
    © Sputnik / Andrei Ivanov
    Pjöngjnag

    Noch in den späten 1990er- bzw. frühen 2000er-Jahren hatte die nordkoreanische

    Führung der Bevölkerung erlaubt, Genossenschaftsbetriebe zu gründen und zu entwickeln. Dadurch konnte ein Teil der Probleme gelöst werden, darunter mit der Lebensmittelversorgung der Einwohner. Vieles muss allerdings noch getan werden, was der Staatschef Kim Jong-un in seiner jüngsten Rede auf dem 7. Parteitag der Partei der Arbeit Koreas einräumte. Der wirtschaftliche Rückstand muss aufgeholt werden, darunter dank der weiteren Entwicklung des Genossenschaftssektors. Einige russische Experten vermuten, dass man in Pjöngjang die Reformerfahrungen von China, Vietnam und Russland analysiert.

    Pjöngjang
    © Sputnik / Andrei Ivanov
    Pjöngjang

    Ein offener Kim Jong-un
    © REUTERS / KCNA
    Eine andere Sache ist, dass Kim Jong-un offenbar nicht imstande ist, die Notwendigkeit der Reformen offen zuzugeben. Dabei geht es nicht einmal um einen Widerstand der „alten Garde“ der Generäle oder seiner konservativen Parteigenossen. Kim Jong-un hat offenbar seine Positionen im nordkoreanischen Establishment gefestigt und ist damit stark genug, um jeglichen Widerstand zu überwinden. Es geht aber auch um das Verhalten der breiten Volksmassen. Sie wurden jahrzehntelang im Sinne der Chuch’e-Ideologie von Kim Il-sung und Kim Jong-il erzogen, die Kim Jong-un wahrscheinlich nicht über Nacht ablehnen kann, ohne große Erschütterungen auszulösen. Und Kim Il-sung samt Kim Jong-il sind und bleiben nun einmal die Kolosse, auf die sich die ganze Son’gun-Politik Pjöngjangs, die die höchste Priorität der Armee als Garant der nationalen Sicherheit und Unabhängigkeit vorsieht, stützt. Das ist ausgerechnet jetzt besonders wichtig, da die USA und Südkorea keine Verhandlungen mit Pjöngjang unter vernünftigen Bedingungen akzeptieren.

    Pjöngjang
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    Pjöngjang

    Die jüngste Verschärfung der von Washington gegen Pjöngjang verhängten Sanktionen, die auch Seoul unterstützt, beweist, dass die beiden ihren Kurs zum wirtschaftlichen „Erwürgen“ Nordkoreas nicht aufgeben wollen. Sie hoffen offenbar, dass sie das Regime in Pjöngjang doch schwächen können, so dass Korea unter Seouls Führung nach dem deutschen Szenario wiedervereinigt werden könnte. Die einzige Möglichkeit für Nordkorea, nicht vom südlichen Nachbarn „geschluckt” zu werden, ist das Wirtschaftswachstum samt des Ausbaus seiner militärischen Möglichkeiten. Und das ist unmöglich, wenn es im Land keine realen Reformen gibt.

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    Pjöngjang, Nordkorea