18:58 22 November 2019
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    Russischer Öltanker

    Neues Öl-Transportprojekt: „Russische Interessen in Arktis technisch bekräftigt“

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    Russland erschließt Arktis (171)
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    Ein neues Terminal ermöglicht Russland, sibirisches Erdöl rund ums Jahr mit Tankern nach Europa zu liefern. Russische Vorkommen hinter dem Polarkreis werden stärker ins Visier genommen, Schiffstransporte entlang der arktischen Küste intensiviert.

    Im Obbusen, dem Ästuar des Flusses Ob, ist ein neues Terminal mit  dem symbolischen Namen „Tor der Arktis“ in Betrieb gegangen. Den Startschuss gab Präsident Wladimir Putin in der laufenden Woche bei einer Videokonferenz. Das Projekt soll ermöglichen, Erdöl des Vorkommens Novy Port, das sich auf der nordsibirischen Halbinsel Jamal befindet, rund ums Jahr mit Tankern zu transportieren.

    „Mit der Einrichtung des Terminals macht Russland zweifelsohne einen ernsthaften Schritt zur weiteren Erschließung der äußerst reichen Öl- und Gasressourcen im Hohen Norden sowie zum Ausbau des Nördlichen Seewegs“, sagte Alexej Miller, Chef des russischen Energieriesen Gazprom.

    Das im Vorkommen geförderte Öl hat eine höhere Qualität im Vergleich zur russischen Sorte Urals. Damit erhofft sich Russland zusätzlich Vorteile am Weltmarkt. Die förderbaren Vorräte des Vorkommens werden auf insgesamt mehr als 250 Millionen Tonnen Öl und Kondensat geschätzt. Das neue Terminal ist in der Lage, Transporte von 8,5 Millionen Tonnen Öl jährlich abzufertigen. 

    Die Tanker sollen entlang der russischen Arktis-Küste kursieren und von Eisbrecher begleitet werden. Im kommenden Jahr sollen zwei Eisbrecher im Auftrag des Konzerns Gazprom neft für diese Zwecke gebaut werden – zuständig dafür ist die Werft im russischen Wyborg.

    Iwan Andrijewski, Aufsichtsratschef der russischen Engineering Company 2K, kommentierte für die Onlinezeitung vz.ru: „Da Erdöl nun rund ums Jahr von Jamal aus nach Europa geliefert werden soll, zählt diese Route zu einer der ersten ständig befahrenen Strecken des Nördlichen Seewegs. Es wird einen bestimmten Transportplan für diese Strecke geben. Damit wird der Nördliche Seeweg bequemer und zugänglicher für Frachtversender. Für das Vorkommen auf Jamal ist es unterdessen am wichtigsten, sich einen Geld-Zustrom zu sichern, damit sich die Investitionen rentieren. Ein Rund-ums-Jahr-Export kommt da sehr zupass.“

    Dmitri Kipa, Chef der Investment- und Bank-Abteilung von QBF, kommentierte: „Die Einrichtung eines ständig funktionierenden spezialisierten Großhafens hinter dem Polarkreis ist ein weiterer Beleg dafür, dass die russischen Interessen in der Arktis auch durch technische Möglichkeiten bekräftigt sind.“

    Kipa sagte weiter, die Nutzung von Pipelines sei zwar generell günstiger, denn sie setze keine zusätzlichen Ausgaben für Schiffe voraus, doch in der aktuellen geopolitischen Situation brauche Russland auch Alternativen. In diesem Sinne sei die Möglichkeit, Erdöl auf dem Seeweg zu liefern, zweifelsohne ein Vorteil.

    Europa kauft nach wie vor aktiv russische Rohstoffe. Kirill Jakowenko von Alor Broker prognostizierte: „Ein Rückgang der Nachfrage nach russischem Erdöl ist kaum zu erwarten. Öllieferungen von Jamal aus sind bereits für Jahre mit Verträgen abgedeckt. Und bei einer geografischen Ausweitung von Transporten werden sie natürlich nur zunehmen.“

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