02:44 03 April 2020
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    Brüssel hofft, dass die Transadriatische Gasleitung, die Erdgas aus Aserbaidschan nach Südosteuropa bringen soll, die Abhängigkeit der EU vom Import russischer Energieträger verringern wird, schreibt die “Washington Times”.

    Dabei bezweifeln viele Experten, so die Zeitung, dass dieses Projekt der physischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Belastung, welcher es in einem solchen Fall ausgesetzt wird, standhalten kann.

    Nach dem Plan soll die Transadriatische Pipeline (TAP), deren Baukosten auf fünf Milliarden US-Dollar geschätzt werden, im Jahr 2020 in Betrieb genommen werden. TAP ist eines der 195 in Entwicklung befindlichen Projekte zur Einbeziehung neuer Energiequellen und zum Ausbau der Infrastruktur der EU.  Daran sind Unternehmen aus Großbritannien, Spanien, der Schweiz, aus Italien und Aserbaidschan beteiligt.

    Die Pipeline soll laut dem Plan sieben Millionen Haushalte im Südosten Europas mit Gas versorgen. Es wird auch nicht ausgeschlossen, dass die Rohrleitung mit dem Gasversorgungsnetz Westeuropas vereint wird.

    Laut der Zeitung ist der russische Präsident Wladimir Putin mit der Idee der neuen Gasleitung unzufrieden. Es wird erwartet, dass die Energiefrage im Zentrum des bevorstehenden Besuchs des russischen Staatschefs in Griechenland stehen wird. Das Blatt verweist darauf, dass Moskau bereits früher den Bau einer Pipeline geplant hatte, die über die Türkei oder Bulgarien nach Griechenland und Italien führen sollte. Diese Pläne wurden jedoch wegen angespannter Beziehungen mit Ankara und der von der EU blockierten Arbeiten am bulgarischen Abschnitt der Gasleitung aufgegeben.

    Wenn alle Hoffnungen der Sponsoren in Erfüllung gehen, wird TAP die „ängstliche Abhängigkeit des Kontinents von Russland“ mindern, unterstreicht die „Washington Times“. Viele äußern jedoch Bedenken, dass die Gasleitung der physischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Belastung, welcher sie in einem solchen Fall ausgesetzt wird, standhalten kann, so die Zeitung.

    Manchen Analytikern zufolge kann die Energieunabhängigkeit, die die neue Pipeline sichern soll, nicht erzielt werden. „Ob das Projekt…den Einfluss Russlands auf die EU verringern wird? Die Antwort ist einfach: Nein. Eine solche Entwicklung scheint in naher Zukunft unwahrscheinlich zu sein“, sagt Vasileios Karakasis, Experte für internationale Beziehungen von der Universität Leiden.  „Die geplanten Gasmengen, die Aserbaidschan nach Europa zu liefern beabsichtigt, sind mit den Liefermengen aus Russland nicht zu vergleichen“, so Karakasis.

    Zudem sind manche Einwohner von Südosteuropa über einen möglichen negativen Einfluss des Projektes auf ihr gewohntes Leben besorgt. „Die Rohrleitung würde zweifellos die Wirtschaft der Region verändern, durch die TAP verlaufen würde“, sagte Prof. Dr. Spyros Sofos von der Universität Lund. Seiner Meinung nach wird in diesem Fall ein bedeutender Teil des Territoriums der Region für Farmerwirtschaften nicht mehr geeignet sein.

    Indes begrüßt der US-Außenminister das Pipeline-Projekt, das es ermöglichen werde, amerikanisches und israelisches Gas durch eine im Nordosten Griechenlands gelegene Kompressorstation zu transportieren, die mit der neuen Gasleitung verbunden werden solle.

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    Tags:
    Gaspipeline, EU, Wladimir Putin, Europa, Aserbaidschan