13:03 28 Juli 2017
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    Monsantos Roundup

    Bayers Angebot an Monsanto: Kommt es zu „Elefantenhochzeit von Giftmischern“?

    © REUTERS/ Denis Balibouse
    Wirtschaft
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    Umgerechnet 55 Milliarden Euro hat der deutsche Pharmakonzern Bayer für den US-Saatgutriesen Monsanto geboten. Das Angebot wurde zwar von dem US-Konzern abgelehnt, aber der Übernahme-Poker geht weiter. Was für Gründe hat Bayer, so groß in Saatgutgeschäft einzusteigen und könnte der schlechte Ruf von Monsanto auf Bayer abfärben?

    "Bayer ist weltweit bekannt für Aspirin und für große Erfolge in der Krebsbehandlung oder bei Diabetes. Die größten Umsätze, fast 50 Prozent, macht Bayer auch mit Pharmaprodukten und im Consumer-Health-Bereich“, meint Dirk Ulrich Gilbert, Professor für BWL an der Uni Hamburg, der auch als Experte für Unternehmensethik gilt. „In der Außendarstellung spielt der Bereich der Crop Science — wie Bayer sagt — und der Agrochemie eine untergeordnete Rolle, gleichwohl ist das Geschäft im Pharma-Bereich sehr risikobehaftet, glaube ich. Das könnte ein Motiv sein, dass das große Risiko im Pharmageschäft Bayer dazu treibt, vielleicht zu diversifizieren, das Risiko zu streuen und sich stärker im Agrarsektor aufzustellen“, so Prof. Gilbert im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke.

    Bayer-Logo
    © REUTERS/ Marco Bello/File Photo TPX IMAGES OF THE DAY

    „Ein zweites Thema ist sicherlich, dass manche Analysten große Chancen im Agrarsektor sehen. Denn wir haben wachsende Weltbevölkerung, wir werden bald mehrere Milliarden Menschen mehr auf dieser Erde haben und die Frage stellt sich, wie sollen die ernährt werden. Die Flächen, auf denen Landwirtschaft betrieben wird, werden nicht stark steigen, aber die Nachfrage wird steigen und eine Erklärung ist, dass die Agrochemie, die Saatguthersteller, die Schädlingsbekämpfungshersteller da eine wesentliche Rolle spielen und dass da große Marktpotentiale liegen.“

    "Immer wieder gibt es Übernahmefantasien in der Branche. Monsanto wollte auch selber letztes Jahr andere Firmen aus der Schweiz kaufen“, so der Experte. „Die Frage ist jetzt eben, wer kauft wen — ich habe das Gefühl, das ist manchmal so ein Spiel — und ein Motiv könnte sein, dass Bayer jetzt hier einen strategischen Zug machen möchte, um eine gewisse Größe zu erlangen, um selber besser gegen eine Übernahme geschützt zu sein — von zum Beispiel einem großen Pharmaunternehmen wie Pfizer."   

    Gilbert:

    Die Konzernübernahme von Monsanto durch Bayer sei unter kapitalistischer Logik vielleicht legitim, äußerte seinerseits Jürgen Maier im Interview mit Bolle Selke. Trotzdem spricht der Geschäftsführer des Forums Umwelt und Entwicklung von einem Unternehmens- und Landwirtschaftsmodell aus dem letzten Jahrhundert.

    Bayer AG
    © REUTERS/ Ina Fassbender/File Photo

    "Das ist ja so eine Art Elefantenhochzeit der Gifthersteller und sowas sehen wir natürlich kritisch, weil beide Konzerne bisher schon sehr viel politischen Einfluss ausgeübt haben und auch immer wieder dafür gesorgt haben, dass Gesetze in ihrem Sinne gemacht wurden“, betonte er. „Wenn aus zwei Elefanten jetzt ein Riesenelefant wird, wird diese politische Macht wahrscheinlich noch größer sein. Auf der anderen Seite, die Aktionäre von Bayer waren ja anhand des Börsenkurses zu beurteilen, nicht so begeistert von dieser Übernahme. Das ist auch, glaube ich, der Versuch, ein Geschäftsmodell zu retten, was auf Dauer gar keine Zukunft hat. Das haben wir ja öfter in der  Industrie gehabt, dass dann mit Fusionen versucht wird, da noch ein bisschen Zeit zu kaufen, am Ende wird das diese Sorte von Landwirtschaft, die mit Gift und mit Gentechnik arbeitet, auch nicht retten."

    "Die bäuerliche Landwirtschaft ist die Zukunft“, fügte Maier hinzu. „Sie kann die Welt ernähren. Die industrielle Landwirtschaft macht die Böden kaputt und führt nur zu einer Machtkonzentration und ist nicht die Zukunft. Auch die Verbraucher wenden sich davon immer mehr ab. Das ist ein Versuch, ein überholtes Modell noch einmal zu retten."

    Maier:

    Tags:
    Bayer, Monsanto, Bolle Selke, Deutschland
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