13:03 28 Juli 2017
SNA Radio
    Gazprom

    Polen verzichtet auf russisches Gas – für Gazprom eine Überraschung

    © REUTERS/ Benoit Tessier
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    591431428249

    Ungeachtet des Wunsches von Polen, auf langfristige Lieferverträge für russisches Gas zu verzichten, wird der russische Energiekonzern Gazprom keine Schritte in dieser Frage unternehmen, sagte der Vize-Vorstandsvorsitzende von Gazprom, Alexander Medwedew, am Dienstag.

    „Offen gesagt bin ich davon etwas überrascht. Jedem steht es frei, zu wählen, wie er Gas einkauft und die Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft sichert. Ich will nur daran erinnern, dass die Liefermengen an Polen vor kurzem auf Bitte der polnischen Seite erhöht wurden. Wir werden keine Schritte unternehmen, wir haben einen laufenden Vertrag, die Lieferungen erfolgen dementsprechend“, so der Vize-Vorstandsvorsitzende.

    Russlands Premier Dmitri Medwedew äußerte ebenfalls Zweifel an Polens Suche nach einem alternativen Gaslieferanten. Das US-amerikanische Flüssigerdgas sei dabei kein Allheilmittel, zumal es derzeit dafür lukrativere Absatzregionen als Europa gebe. Zugleich betonte Medwedew, Russland und Polen würden den Verhandlungsprozess fortsetzen. Moskau werde versuchen, den Preisstreit mit dem polnischen Öl- und Gasunternehmen PGNiG außergerichtlich zu regeln. Polen hält die Preise für russisches Gas für zu hoch: 2015 forderte PGNiG von Gazprom, die Tarife zu reduzieren.

    Zuvor hatte Reuters unter Berufung auf einen Vertreter der polnischen Regierung berichtet, PGNiG werde den langfristigen Gasliefervertrag mit Gazprom nicht verlängern. Der Vertrag, der 1996 unterschrieben worden war, läuft 2022 aus. Gemäß dem Abkommen kauft Polen jährlich 10,2 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland. Dabei beträgt der Gasbedarf des Landes 15 Milliarden Kubikmeter.

    Um seine Anhängigkeit vom russischen Gas zu vermindern, hatte Polen 2015 sein erstes Flüssiggas-Terminal gebaut, das dem Land erlaubt, Brennstoff in jedem Land der Welt zu kaufen. Experten weisen allerdings auf die gestiegenen Kosten für Warschau hin: So koste das Erdgas aus dem Nahen Osten 2,5 Mal mehr als das russische.

    Zum Thema:

    Gazprom verklagt Naftogaz – Grund: Tarifbruch
    Gazprom: Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream-2 2019 realistisch
    Nordstream 2 spaltet Europa: Ukraine will Türkei und Bulgarien Reverse-Gas liefern
    Europa will weg von russischem Gas – hin zu Flüssiggas aus Russland?
    Tags:
    Lieferungen, Erdgas, Gazprom, Polen, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren