14:12 10 Dezember 2019
SNA Radio
    Weinendes Mädchen bei einer Protestkundgebung in Venezuela am 11. Mai 2016 (Archivfoto)

    Caracas: „Wir sind hungrig und müde!“ – Leere Geschäfte lösen heftige Proteste aus

    © REUTERS / Marco Bello
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    29862
    Abonnieren

    In Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, sind am Donnerstag die Bürger wegen kritischen Mangels an Lebensmitteln, Alltagsgütern und sogar Dienstleistungen auf die Straße gegangen. Ausgelöst hatte die Unruhen die Nationalgarde des Landes, als diese in mehreren Geschäften Waren konfiszierte, wie der TV-Sender NTN24 berichtet.

    Im Stadtteil San Martin hatten die Sicherheitskräfte die Lebensmittel konfisziert, um sie später über sogenannte Versorgungspunkte an die Bevölkerung zu verteilen. Die Menschen hätten, so der NTN24-Bericht, aktiv versucht, die Beamten daran zu hindern. Dies habe dann stadtweite Proteste ausgelöst.

    “Ich bin hier seit 8 Uhr morgens”, erzählte eine aufgebrachte Demonstrantin laut Reuters gegenüber dem oppositionellen Portal Vivoplay. „Es gibt kein Essen mehr in den Läden und Supermärkten. Wir sind hungrig und müde.“

    Laut dem Portal El Nacional hat die Nationalgarde bei Zusammenstößen mit den Bürgern im Zentrum Caracas‘ Tränengas eingesetzt. Sechs Personen seien festgenommen worden. In anderen Teilen der Stadt demonstrierten die Bürger gegen die dauerhaft ausgesetzte Wasserversorgung sowie die ständigen Stromausfälle. Die Staatsanwaltschaft soll außerdem Überfälle auf Medienmitarbeiter gemeldet haben, auf Journalisten sei eingeschlagen worden, teure Technik sei dabei entwendet worden. 

    Eine starke Dürre hat Venezuela im Zusammenhang mit unzureichenden Investitionen in Infrastruktur und technische Bedienung, welches zu 60 Prozent von der Wasserenergie abhängt, in eine schwere Krise gestürzt.

    Wirtschaftsminister Miguel Perez versucht derweil, die Bürger zu beruhigen: „Wir wissen, dass es diesen Monat wirklich kritisch ist. Es ist der Monat mit den niedrigsten Lebensmittelvorräten. Darum sind die Familien aufgebracht“, soll Perez laut Reuters gegenüber einem örtlichen Radiosender gesagt haben. „Wir garantieren, dass sich die Dinge in den nächsten Wochen verbessern werden.“ 

    Mit dem Ziel des Energiesparens hatte Präsident Nikolas Maduro bereits Mitte März die gesamte Woche vor Ostern für Beamte und Bildungseinrichtungen für arbeitsfrei erklärt. Der Präsident verlangte zudem von einigen Einkaufszentren, eigene Energie zu generieren und die verkürzte Arbeitswoche einzuführen.

    Im April war erst das Wochenende um den Freitag verlängert worden, später gar eine reine Zwei-Tage-Arbeitswoche eingeführt, um Energie zu sparen. Zuletzt hat Maduro gar die Zeitzone wechseln wollen. 

    „Der beste Weg zur Überwindung der Krise ist für Maduro die Verringerung der Produktivität des Landes“, kritisierte allerdings der Ratsvorsitzende des Stadt Caracas, Jesus Armas. 

     

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    US-Geheimdienst: Venezuela steht kurz vor Putsch
    Venezuela: USA sehen „imperialistische Interessen“ durch Doha-Gipfel bedroht
    Maduros nächster Schritt im Kampf gegen Energiekrise: Venezuela wechselt Zeitzone
    Stromkrise: Frauen in Venezuela sollen auf das Föhnen verzichten
    Tags:
    Proteste, Lebensmittel, Nicolas Maduro, Caracas, Venezuela