20:45 20 Oktober 2020
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    Daimler will sein erstes Autowerk in Russland bauen. Der deutsche Konzern trotzt damit dem Negativtrend des russischen Automarktes: Die Verkäufe von Autos sind in Russland stark gesunken, andere Konzerne fahren ihre Investitionen zurück.

    Die Firmentochter Mercedes ist laut einer Sprecherin von Daimler derzeit im Gespräch mit den russischen Behörden, um zu prüfen, ob die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine lokale Pkw-Produktion gegeben sind, berichtet „Handelsblatt“.

    Damit wolle Daimler vor allem die Einfuhrzölle umgehen und bessere Verträge mit staatlichen Großkunden abschließen können. Alle Kleinwagen von Mercedes, die in Russland verkauft werden, werden importiert. Einheimische Werke erhalten Aufträge ausschließlich für den Kleintransporter Mercedes-Benz Sprinter.

    Geplant ist nach Zeitungsangaben die Fertigung von Geländewagen. Das neue Werk bei Moskau soll den russischen Markt mit 30.000 Autos beliefern. Es gehe lediglich noch um Detailfragen für ein Investitionsabkommen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf russische Industriekreise.

    Daimler plant den Bau seines Werks vor dem Hintergrund eines Einbruchs auf dem russischen Automarkt, wie die RBC Daily schreibt. Der Automarkt hat sich seit 2013 nahezu halbiert. Allein 2015 ging der Verkauf von LKW und Kleintransportern um 36 Prozent zurück, vom Januar bis Mai 2016 um weitere 14 Prozent. Der Absatz von Mercedes-Wagen sank im gleichen Zeitraum jeweils um 15 und 17 Prozent.

    Allerdings sinken die Verkäufe von Mercedes aus Sicht des Analytikers von VTB Capital, Wladimir Bespalow, nicht im gleichen Tempo wie der Rest des Marktes. „Ein eigenes Montagewerk soll für Daimler die Kosten vermindern und die Gewinnspanne erhöhen“, zitiert die Zeitung „RBC Daily“ Bespalow. Zudem werde die lokale Produktion dem deutschen Konzern ermöglichen, Verträge mit staatlichen Großkunden zu bekommen: Derzeit dürfen russische Beamte ja keine Autos anschaffen, die außerhalb Russlands hergestellt wurden, sagte der Direktor von „Avtostat“, Sergej Udalow.

    Trotz der Krise auf dem Automarkt seien Luxusautos in Russland weiterhin gefragt. Und Daimler kann sich laut „Handelsblatt“ mit seinen Geländewagen dem Negativtrend der gesunkenen Nachfrage auf dem russischen Automarkt durchaus entziehen: Schließlich sei der Verkauf von teureren Autos von Wirtschaftskrisen traditionell weniger betroffen.

    Daimler hat im Gegensatz zu seinem Rivalen BMW noch keine eigene Autoproduktion in Russland: BMW ist seit 1999 in Kaliningrad mit dem lokalen Auftragsfertiger Avtotor vertreten. Auch Volkswagen ist in dem Land seit längerem präsent und hat zwei Werke in Kaluga und Nischni Nowgorod. In dem Werk in Kaluga im Südwesten von Moskau kam VW im Jahr 2015 nach eigenen Angaben auf eine Produktion von knapp 100.000 Autos, hauptsächlich Kleinwagen.

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    Tags:
    Mercedes, BMW, Daimler AG, Volkswagen AG, Deutschland, Russland