10:16 06 Dezember 2019
SNA Radio
    Zigaretten

    Zigarettenschmuggel nach Libyen: Montenegro unterstützt islamistische Terroristen

    © Flickr / Luciano Belviso
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    1226
    Abonnieren

    Eine internationale Journalistengruppe aus Balkanländern hat kürzlich eine Recherche veröffentlicht, die sich mit dem Schmuggel von Zigaretten aus Montenegro in die von Terroristen kontrollierten Gebiete in Nordafrika befasst. Die Ergebnisse ihrer Ermittlung kommentierten die Autoren in einem Interview mit Sputnik.

    Die Recherche unter dem Titel „Dossier Rauch"  wurde von den Journalisten Vladimir Otašević, Marko Vešović  und Hassan Haidar Diab vorgenommen. Demnach sollen in den Jahren 2013 bis 2015 3,5 Millionen Kilogramm Zigaretten des Tabak-Kombinates Podgorica (TKP) über den montenegrinischen Hafen Bar in libysche Häfen geschmuggelt worden sein, die von den Al-Kaida- und Daesh-nahen Kräften kontrolliert wurden.  Bis Februar 2016 war das TKP im staatlichen Besitz, seit Februar gehört es einem arabischen Investor.

    Als Absender der Fracht fungierte dabei die Firma „Liberty Fze" aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die lange Zeit mit der montenegrinischer Tabakfabrik zusammenarbeitete.  

    Wie Vešović im Interview mit Sputnik sagte,  erinnert die heutige Situation mit dem Zigarettenschmuggel an die Ereignisse um die Jahrhundertwende, als die engen Beziehungen des damaligen Staatspräsidenten Montenegros, Milo Đukanović, mit der „Tabakmafia" an den Tag kamen. Die Hintergründe dieser Geschichte wurden in der kroatischen  Zeitung „Nacional" 2001 veröffentlicht.

    „Jetzt scheint die Geschichte sich zu wiederholen. Dieselbe Führungsspitze Montenegros ist in ein  komplexes System der organisierten Kriminalität verwickelt, die auf dem Zigarettenschmuggel nach Nordafrika beruht. In den 90er Jahren gingen die  geschmuggelten Waren nach Italien, dann wurde diese Route wegen des Drucks auf das montenegrinische Regime geschlossen. Dennoch wurde ein neuer Markt erschlossen, wie wir sehen können ", sagt Vešović. „Es ist verblüffend, dass  kein anderes Land  ein solches Volumen an Zigaretten aus Montenegro bekommen hat, wie es für Libyen der Fall war. Warum gerade Libyen, kann man nur raten."

    Ein Teil der aus dem Hafen Bar gelieferten Zigaretten sei in Gebieten „gelandet", die von Al-Qaida- und  Daesh-nahen Terroristen kontrolliert wurden. Mit solchem „Transport"  sei der Terrorismus im Nahen Osten finanziert worden, so Vešović.

    Dabei reagiere die Staatsführung Montenegros nicht auf  die entlarvenden Publikationen, betonte Vešović. Die Behörden  würden wahrscheinlich  behaupten, alle Gesetze und Zollverfahren wären eingehalten worden, nimmt  Vešović  an. Die Hauptsache aber sei, dass die Aufsichtsbehörden nicht kontrolliert hätten, wer der  Endabnehmer der Ware sei. „Wenn sie das überprüft hätten, hätte sich herausgestellt, dass die Ware in von Islamisten  kontrollierte Gebiete geht", sagte Vešović nachdrücklich.

    Seit Jahresbeginn hatten die Autoren der Recherche die Zolldokumentation studiert, weil sie inoffizielle  Informationen über fragwürdige Lieferungen bekommen hatten.  Laut Otašević wurden in der Liste der Exporteure, die die Journalisten im Zollamt bekommen hatten, ausschließlich Tarnfirmen angegeben.

    Die Daten seien sorgfältig von den Journalisten  „ausgesiebt" worden, so Vešović. Das Zollamt sei sich völlig im Klaren, wer die Ware exportiert habe und wer Endabnehmer in Nordafrika sei, es unternehme aber nichts, um die Finanzierung von terroristischen und  kriminellen Gruppen zu verhindern. „Wenn die Oberste Staatsanwaltschaft tatsächlich unabhängig gewesen wäre, hätte jemand das verantworten müssen. Ich bin durchaus überzeugt: Der Ministerpräsident Montenegros, Milo Đukanović, ist dafür persönlich verantwortlich", so Vešović weiter.

    Ihre nächste  Publikation wollen die Journalisten den Firmen außerhalb Montenegros widmen, die  Zigaretten über den montenegrinischen Hafen Bar nach Bengasi schickten, das bis Februar unter der Kontrolle von Al-Qaida-nahen Terroristen stand.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    IS nach Libyen: Schläge von USA und Russland verdrängen Terroristen nach Nordafrika
    Libyens Oberbefehlshaber zu Gesprächen in Moskau eingetroffen
    Handelsblatt: „Trump sollte Russland in die Nato einladen“
    Israel testet neues Raketentriebwerk
    Tags:
    Terroristen, Schmuggel, Zigarette, Terrormiliz Daesh, Al-Kaida, Milo Ðukanović, Italien, Libyen, Nordafrika, Montenegro