19:17 24 Juni 2019
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    Neues Geldinstitut ist „halal“: „Zinsen sind im Islam verboten“

    © Flickr/ Anthony Easton
    Wirtschaft
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    Als eines der ersten Geldinstitute überhaupt hat sich „My Islamic Finance“ aus Dortmund Koran-konform zertifizieren lassen. Das bedeutet zum Beispiel, dass das Unternehmen komplett auf Zinsen verzichtet. Wie das funktioniert und was hinter der Idee steckt, darüber hat Sputnik mit dem Gründer und Eigentümer Dahoud Kremer besprochen.

    Herr Kremer, Sie haben sich Ihr Institut als „halal“ zertifizieren lassen. Was bedeutet eigentlich „halal“? 

    „Halal“ ist mit „erlaubt“ zu übersetzen. Innerhalb der islamischen Wirtschaft gibt es einen Rahmen, in dem man sich bewegt. Es gibt gewisse Verbote, Zinsen zum Beispiel sind verboten, aber auch gewisse Gebote, wie man als Individuum und als Gesellschaft handeln soll. Wenn diese eingehalten beziehungsweise nicht gebrochen werden, dann ist ein Produkt „halal“.

    Wenn ich ein Produkt kreiere, wie sieht es aus? Wenn ich oben einen Euro reinwerfe und am Ende zwei Euro rauskommen — welche Wege sind durchlaufen worden, sind sie islamkonform oder nicht?

    Sie haben also ein Finanzinstitut, das keine Zinsen nimmt. Sie bieten Produkte an wie Altersvorsorge und Baufinanzierung — wie funktioniert das ohne Zinsen? 

    Das ist eigentlich ganz einfach: Wir berufen uns auf den Koran, wo es heißt, dass der Zins verboten ist und der Handel erlaubt. Das heißt, ich kann überall, wo ich einen realen Gegenwert habe, Vermietungen etwa, Geld machen. Ein Beispiel: Wenn ich ihnen zwei Euro leihe und von ihnen fünf Euro zurückbekomme, dann habe ich drei Euro Gewinn gemacht. Das ist ein Geld-gegen-Geld-Geschäft und im Islam verboten. Wenn ich aber für zwei Euro günstig einen Stift kaufe und ihn für fünf Euro verkaufe, dann habe ich ebenfalls Gewinn gemacht, aber über ein klassisches Handelsgeschäft.

    Wenn ich zum Beispiel ein Haus kaufen möchte – wie läuft das ab – ohne Zinsen?

    Immobilienfinanzierung bieten wir zwar nicht an, aber es ginge so: Es gibt zwei Möglichkeiten: Bei der ersten kauft die Bank für sie das Haus – geht also ins Risiko. Dann verkauft es das Haus mit einem vorher mit Ihnen vereinbarten Aufschlag an sie. Dieser Preis ist für sie aber fix. Es gibt keine Zehn-Jahres-Regel, keine Zinsbindung, den Preis können Sie in vereinbarten Raten abbezahlen. 

    Dann gibt es eine zweite Regel: Der Kunde und die Bank legen ihr Geld zusammen. Der Kunde zahlt beispielsweise 30 Prozent und die Bank 70. Es gehört dann beiden. Die Bank will aber natürlich nicht darin wohnen, sondern überlässt ihnen das Ganze Haus. Für die 70 Prozent erhebt sie eine Miete. Gleichzeitig haben sie das recht, die Anteile der Bak zu kaufen, wie bei einer Tilgung. Gleichzeitig verringert sich ihre Miete, weil die Anteile der Bank am Haus geringer werden.

    Das hat außerdem einen Vorteil: Wenn es bei ihnen nicht gut läuft und sie nicht mehr zahlen können, dann hat das nicht so fatale Folgen wie bei einem Geld-gegen-Geld-Geschäft. Angenommen, sie müssten verkaufen, hätten aber inzwischen schon ihren Anteil am Gebäude auf 60 Prozent erhöht, dann erhalten sie beim Verkauf des Hauses auch diese 60 Prozent. Sie haben dann die Tilgung wieder bekommen. Die Gefahr, dass sie nach dem Verkauf auf Schulden sitzenbleiben die gibt es nicht, weil im Grunde kein Schuldgeschäft eingegangen wurde.

    Das komplette Interview hören Sie hier:

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    Tags:
    Euro, Islam