08:50 20 Januar 2017
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    Finanzexperte: „Wir sind auf dem direkten Weg in einen gigantischen Crash“

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    Wirtschaft
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    Die Europäische Zentralbank kauft derzeit Anleihen im Wert von 80 Mrd. Euro im Monat. Die EZB wird somit zum Direktinvestor in Europas Wirtschaft, ohne dass das Geld den Umweg über das Bankensystem nehmen muss. Die Risiken der Aktion sind beträchtlich, der Nutzen zweifelhaft, meint der Finanzexperte Ernst Wolff, der vor dem totalen Crash warnt.

    Herr Wolff, die Europäische Zentralbank (EZB) erwirbt immer mehr faule Kredite und Anleihen und muss dafür wohl ihre eigenen Richtlinien ändern. Wie problematisch ist das?

    Das ist alles kein Problem für die EZB, weil die ganzen Richtlinien ja eh immer dann außer Kraft gesetzt, wenn Not am Mann ist. Wir leben in einem Zeitalter, wo die Finanzwelt völlig Kopf steht. Wer hätte vor zehn oder sogar vor drei Jahren jemals geglaubt, dass es mal Negativzinsen geben würde? Wer hätte geglaubt, dass die EZB jemals Ramschanleihen würde kaufen dürfen?

    Was sind denn Bereiche, wo die EZB in eine Grauzone gerät?

    Zum Beispiel bin ich sicher, dass die EZB ihre Finger mit im Spiel hat, die deutsche Bank zu stabilisieren. So etwas passiert hinter den Kulissen.

    Die EZB hat ja zum Beispiel auch VW in jüngerer Vergangenheit geholfen. VW saß auf faulen Autokrediten in Höhe von zwei  Milliarden. Die hat die EZB VW abgenommen. 

    Sollte die EZB nun ihre Regeln zum Wertpapierkauf aufweichen? Rechnen Sie mit politischem Gegenwind?  

    Damit sollte man eigentlich rechnen, weil die ÉZB ja eine Institution ist, die über den einzelnen Regierungen steht. Und die verschiedenen Regierungen haben ja unterschiedliche Interessenlagen. Man sieht das gerade in der Auseinandersetzung um die italienische Bankenkrise. Da brechen Konflikte auf zwischen Zahlern und Empfängern in der EU. Das bringt die EU langsam zum Zerbrechen.

    Sind solche Maßnahmen nicht eigentlich Beihilfe zur Konkursverschleppung? 

    Natürlich. Das ist die größte Konkursverschleppung in der Geschichte der Menschheit. Und die größte Vermögensumverteilung. Die EZB gibt ja mehrere Gründe dafür an, warum sie so viel Geld druckt und warum sie so niedrige Zinsen hat. Sie sagt, sie will die Wirtschaft damit ankurbeln. Das kann nicht stimmen, weil die Wirtschaft seit acht Jahren dadurch eben nicht angekurbelt wird. Im Gegenteil. Das ganze Geld fließt nicht in die Realwirtschaft, sondern einzig und allein in die Finanzmärkte, also in die Spekulation.

    Das zweite Ziel der EZB ist es, die Inflation anzuheizen. Das Ziel sind zwei Prozent. Das schaffen sie aber nicht. Trotz dieser unfassbaren Geldspritzen. Ganz einfach, weil die Realwirtschaft stagniert. Was sie tatsächlich tun, ist, Spekulanten immer mehr Geld zu immer besseren Bedingungen zur Verfügung zu stellen.

    Die Zentralbanken geben doch aber vor, mit ihrer Geldflutung das Platzen der Schuldenblase zu verhindern?

    Das ist genau so absurd, als wenn Sie einem Kind sagen würden, blas‘ mal die Seifenblase nur halb auf und lass‘ sie dann wieder kleiner werden. Das ist physikalisch nicht möglich. Die Blasen, die jetzt existieren, sind die Blasen an den Anleihenmärkten, an den Aktienmärkten und an den Immobilienmärkten. Und die kann  man nicht langsam zurückführen. Die haben sich selbstständig gemacht und werden weiter angetrieben. Sie werden also nur größer werden am Ende platzen. Wir sind auf dem direkten Weg in einen gigantischen Crash.

    Vor allem Italiens Banken scheinen auf einer Menge fauler Kredite zu sitzen. 

    Ja, die sitzen wohl auf faulen Krediten in Höhe von 360 Milliarden. Das große Problem ist, dass diese Kredite zum großen Teil bei deutschen, französischen und amerikanischen Banken rückversichert sind.

    Heutzutage werden alle großen Kredite, die vergeben werden, über Kreditausfallsversicherungen abgesichert. Um das kurz zu erklären: Wenn Sie einen Kredit von, sagen wir, einer Million vergeben und nicht sicher sind, ob Sie den Kredit zurückbekommen, dann gehen Sie zu einer anderen großen Bank und lassen das versichern. Dann kriegen sie Ihr Geld auf jeden Fall von dieser Bank zurück. 

    Im Zuge der Deregulierung ist allerdings erlaubt worden, dass jeder diese Kreditausfallsversicherungen abschließen kann. So können, sagen wir, 50 Banken solche Ausfallversicherungen auf ein und denselben Kredit abschließen. Das heißt, wenn ein Kredit nicht zurückgezahlt werden kann, ist nicht eine Million, sondern es sind  50 Millionen fällig. So ist das 2008 (dem amerikanischen Versicherer) AIG geschehen. Damals sind die Schulden aus den Kreditausfallsversicherungen von AIG auf faule Kredite explodiert. Das Gleiche gilt nun für die italienischen Banken. Das Problem sind also nicht die 360 Milliarden, die eigentlichen Kredite, sondern die Kreditausfallsversicherungen, die ein Vielfaches dieser Summe ausmachen. Und deswegen muss Italien unbedingt gerettet werden. Um jeden Preis.

    Die EU bringt wohl ein Defizitverfahren gegen Spanien und Portugal auf den Weg. Wie steht es um den EU-Stabilitätspakt? 

    Der wird auf jeden Fall auseinanderfliegen. Es kann nur noch keiner sagen, wann und wie. Gerade seit dem Brexit herrscht ja große Hektik. Der Brexit hat die nationalen Tendenzen, sich von der EU abzusondern, ganz dramatisch verstärkt. Da wird uns noch einiges bevorstehen. Allerdings ist das Finanzsystem so verzweigt, dass hier ein geordneter Rückzug für einzelne Länder nicht möglich sein wird. So wird es wohl in einem Crash enden.

    Sie geben diesem Finanzsystem also keine Zukunft?

    Da Sie mich das gerade heute fragen, gebe ich Ihnen ein exemplarisches Beispiel: Heute wurden zum ersten Mal in der Geschichte deutsche Staatsanleihen zum Negativzins verkauft. Wenn Sie das einem Ökonomen vor drei Jahren gesagt hätten, hätte er sich an den Kopf gefasst und gesagt, das wäre nie möglich. Der deutsche Staat nimmt jetzt Geld entgegen und muss dafür nichts zahlen, sondern bekommt dafür noch mehr Geld. Wenn so ein System nicht in den finanziellen Abgrund führen wird, dann weiß ich nicht, was noch.

    Interview: Armin Siebert

    Tags:
    Konkurs, Finanzsystem, Wertpapiere, Anleihen, Europäische Zentralbank (EZB), Ernst Wolff, Europäische Union, Portugal, Spanien, Italien
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    • Simultaner crash von VSA , China und Europa wird bald passieren , und Sosros ist dafür verantwortlich !
    • No Deal
      Die EZB kauft nicht, sie verkauft, sie Verkauft Staatseigentum, an
      Private Konzerne und Investoren, b.z.w bürdet ihrer Bürgen Schulden
      auf, die dann von denn Investoren mittels IWF-Krediten wieder
      eingetrieben werden sollen.

      Löhne Runter, Preis egal für welche Produkte rauf und das
      Soziale-System, wird für die Motivation des Human-kapitals
      Stückchenweise Eliminiert. Alles im Sinne der Gewinnerwartungen
      und Proft-Maximierung, der Internationalen Konzerne.
    • Dieser große Crash steht aber schon seit Jahren aus. Zumind. wenn man den Crash-Propheten glaubt. Gleiches gilt für den Goldpreis von + 5.000 $.
    • RUSSIA
      Ich glaube, dass schon bald ein Finanzcrash kommen wird. So kann es auf Dauer nicht weitergehen.
    • hihardt
      Wer jetzt noch nicht begriffen hat, was seit langer Zeit und von wem geplant wurde, dem ist nicht mehr zu helfen.
    • baijardo
      Gemeint ist damit Russland. Da scheint nichts mehr zu gehen außer der Propaganda.
    • Marek2015
      Interessanter Fakt: Als Russland sanktioniert wurde, hat Russland den Leitzins auf 17% schlagartig erhöht. Warum? Weil die das Problem nicht mit Gelddrucken lösen wollten und somit sich ein Problem für die Zukunft gebildet hätte. Nein der Staat hat in Russland massiv investiert, die Jobs blieben bestehen und gleichzeitig wurden Gegensanktionen gestartet nicht aus Bosheit sondern um die Handelsbilanz in Balance zu erhalten und somit zahlungsfähig zu bleiben.
    • sophie.ostermann
      In der Kurz-Form sind wir schon mitten drin. Der Pleitegeier schwebt schon lange über uns und die meisten Bürger haben es noch nicht bemerkt
    • rex2zwei
      Heute muss man ja kein Experte sein, um einen Crash in der Finanzwelt vorauszusagen. Aber ich will einmal ein anderes Szenario skizzieren. Was verstehen die Leute denn unter einem Crash? Wahrscheinlich eine plötzliche Entwertung von Vermögen (Wertpapiere auf der Börse, Immobilien ... ) oder Geld (Hyperinflation, Wechselkursabwertung ...). Aber genau diese plötzlichen Entwertungen werden doch durch eine Politik wie Quantitative Easing oder Stützungskäufe von Währungen verhindert. Also auch kein Crash, sonder nur die Abschaffung der Marktwirtschaft. Das ganze ist derzeit für die EZB und andere Institutionen ein rein buchungstechnisch zu lösendes Problem. Sollte ein Crash kommen, dann ist er bewusst zugelassen. Es wird eine Nutzen-Kosten-Überlegung sein, ob wir mit einem Crash auf gewissen Märkten oder Geldentwertung von unseren Führungen beglückt werden. Die wirklich große Gefahr für die Elite unseres System ist die Realwirtschaft, wenn sie nicht mehr die Leistung bringt. Und das auch nur, weil es Konkurrenz gibt (Russland, China). Sonst würde die Elite sich auch noch sehr wohl fühlen, wenn wir einfachen Leute wie im Mittelalter leben würden. Ein beliebter Hintergrund in Science Fiction-Filmen.
    • Grille Grilli
      Da sieht man doch deutlich, dass es ein grosser Fehler war eine Währungsunion und Finanzunion mit deutschen Betrügern einzugehen!! Jedes Land in Europa muss seine Finanzen selbständig verwalten können!!
    • Gameas
      Nach dem gigantischen FinanzCrash kommt der 3e-WeltKrieg, Nach dem 3en-WeltKrieg kommt auf der Erde Sisyphus und statt Arbeit findet er Stille und endlich seine Ruhe.
    • W.AderLTB
      "Wir sind auf dem direkten Weg in einen gigantischen Crash"....
      Nicht schlimm... wir habe Sicherheitsgurte, Airbags und Schleudersitze.
      Wenn das nichts nutzt, dann gibt es ja noch Versicherungen.
      "Die Deutschen Sparguthaben sind sicher", versicherte Frau Merkel noch vor einigen Jahren. Ich glaube Sie bürgt persönlich.... Ach ja, und wir haben noch den Glauben, daß alles gut wird.
      "Wir schaffen das."
    • joergAntwort anMarek2015(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Marek2015, Sie haben das nicht verstanden? Solche "Finanzexperten" wollen immer nur den Markt in die richtige Richung lenken, damit Sie daraus Profit schlagen. Über Hedgefonds investiert man irre Summen und kann so einen Staat zerschlagen. Auch Russland ist von diesem System nicht unabhängig und man konnte nur den Leitzins erhöhen oder den Markt mit billigen Geld überschwemmen. Das hätte aber vermutlich die Inflation noch mehr angeheizt. Die Handelsbilanz ist nur wegen den Sanktionen so , der Rubel ist nichts mehr wert und Russland müsste für jeden Import richtig zahlen.
    • sachsenhammer1
      Die Fantasie aller Experten reicht auch nur bis zur Prognose, daß ein Crash
      bevorsteht.
      Keiner äußert sich auch nur annähernd über den eigentlichen Crash, was geschieht
      da, wer wird geschädigt oder wer profitiert davon, alles Fragen, denen diese
      Propheten geflissentlich aus dem Wege gehen, sie könnten ja widerlegt werden.
    • redstar59
      Die EU ist noch nicht einmal ein Tankstelle. Sie ein Raum mit Schulden gefüllt.
    • boroser1502
      Finanzexperte: Gigantischer Crash:

      Das würde niemanden wundern. Viele Menschen spüren längst, dass

      etwas nicht stimmt. Schuldenberge, immer neue umgedrehte

      bzw. manipulierte "Wahrheiten"/ neue Lügen, neue Rettungs-

      massnahmen/ Rettungsschirme, immer weniger Zinsen für

      Sparer, immer mehr Steuerzahlungen, immer mehr Belastungen,

      immer weniger Sozialleistungen, immer mehr Harz-4- Empfänger,

      immer mehr Tafel- Läden und Tafellladen- Berechtigte usw., usw.

      Die Wirtschaft soll dann auch noch wachsen- wachsen, auch wenn

      immer mehr Leute immer weniger Geld zum Ausgeben haben.

      Dann eben mit neuen Konsumkrediten, neuen Kreditkarten usw.

      Hallo Leute, das ganze kann doch auf Dauer nicht gutgehen- oder?
    • baijardo
      konstantin, danke
    • Hagbard Celine
      Will ich auch schwer hoffen, sonst haette ich umsonst in Edelmetalle umgeschichtet.

      Trump wird Praesident werden und und in den Kapitalmaerkten der Godzilla machen. Das koennte gut der Detonator werden der den Rand der EU wegsprengt.

      Mann, das gibt wieder tolle Kaufkurse an den Boersen, besser als Maerz 2009.

      Kanns kaum erwrten.
    • boroser1502
      Gigantischer Finanz- Crash ist nur eine Frage der Zeit:

      Unüberschaubare Schuldenberge, Unwahrheiten,

      Tricksereien, Lügen.

      Intelligenz wurde mit Lüge gemixt -

      immer mehr Schulden wurden gemixt mit immer

      mehr Lügen und Manipulation.

      Wie kann da was gutes und stabiles rauskommen?

      Gigantischer Finanz- Crash kann niemanden überraschen!

      Das Lügen- Gebilde ist sehr morsch: Vorsicht, Einsturzgefahr!
    • moessingenAntwort anGrille Grilli(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Grille Grilli,
      Nee! Die Deutschen wurden eingebunden, um ihre Finanzen zu zerrütten und sie nach der Vereinigung nicht zu stark werden zu lassen (Check and balance heißt das Spiel) Unter Merkel wurde die Rolle dann noch weitergehend definiert: Zerstört euch selbst und reißt ganz Europa mit euch mit!
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