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    Neue Hiobsbotschaften aus Asien – Automobilexperte warnt VW-Vorstand

    © REUTERS / Kai Pfaffenbach
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    Abgas-Affäre bei Volkswagen (36)
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    Gleich zwei Meldungen haben heute erneut den Autobauer VW erschüttert: Einerseits will das Bundesland Bayern den Konzern auf Schadensersatz verklagen, außerdem hat Südkorea nahezu alle VW-Modelle vom Markt genommen. Der Automobilexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer sagt, VW werde auch diese Krise meistern.

    Südkorea hat am Dienstag den Verkauf von 80 Modellen der Automarken Volkswagen und Audi verboten. Der VW-Konzern soll auch hier Abgas-Angaben gefälscht haben. Der Automobilexperte von der Universität Duisburg-Essen Professor Ferdinand Dudenhöffer bezweifelt jedoch die Souveränität und Fairness dieser Entscheidung:

    The logo of German carmaker Volkswagen is seen at the Volkswagen (VW) automobile manufacturing plant in Puebla near Mexico City September 23, 2015
    © REUTERS / Imelda Medina

    "VW hatte den Verkauf seiner Diesel-Modelle in Südkorea bereits vor längerer Zeit eingestellt. Jetzt werden wohl alle Fahrzeugmodelle, selbst Bentleys, die in Südkorea verkauft werden, unter Verkaufsstopp gestellt. Das sieht eher so aus, als wäre das eine Maßnahme, um sich vor ausländischen Fahrzeugherstellern zu schützen. Also Produktion, statt wirklich sachlich Aufklärung im VW-Fall."

    Trotzdem erklärt der Direktor des CAR (Center Automotive Research) Prof. Dudenhöffer, dass Südkorea VW nicht besonders wehtäte:

    "In Südkorea werden jährlich 1,6 Millionen Fahrzeuge verkauft, überwiegen Hyundai Kia Modelle. Daher ist Südkorea wirklich ein Nischenmarkt für VW. Viel wichtiger sind die Märkte um Südkorea, also China. Da geht das Geschäft ab und dort ist VW nach wie vor hocherfolgreich, da kann man Südkorea wirklich wegstecken."

    Viel wichtiger sei der chinesische Markt. China ist der größte Markt der Welt. Laut Dudenhöffer ist VW aber in China gut fundiert und ist dort gut unterwegs.

    Als erstes Bundesland hat Bayern nun angekündigt VW zu verklagen. Für diese Klagen sieht Prof. Dudenhöffer allerdings den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch verantwortlich:

    „Einige Aktionärsvertreter haben Klagen gesammelt. Die amerikanischen Aktionärsvertreter klagen. Wie groß jetzt diese Belastungen sind, ist schwer abzuschätzen. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass auch da zweistellige Milliardenbeträge an Schadensersatzklagen auf VW zukommen könnten, wenn diesen Klagen entsprochen wird. Aus heutiger Sicht spricht vieles dafür, dass der heutige Aufsichtsratsvorsitzende — der nach meiner Einschätzung auch nicht länger tragbar ist, gerade wenn diese Klagen jetzt laufen — durch zu späte Mitteilung an den Börsen, bei den Aktionären mit dafür verantwortlich ist, dass VW jetzt diese große Klagewelle droht."

    Trotz alledem steuert VW laut dem Automobilexperten nicht auf seinen Bankrott zu:

    „Das Hauptargument war die ganze Zeit die große Belastung in den USA. USA hat man nun bis auf die Aktionärsklagen geklärt. Das Gleiche gilt überwiegend für Europa. Die Fahrzeuge werden derzeit nachgerüstet. Es ist eine schwierige Zeit für VW, aber VW bewegt sich Stück für Stück nach vorne. Das Problem bleiben die Aktionärsklagen. Wie die aussehen, wissen wir heute noch nicht endgültig. Aber auch dies wird für den VW Konzern zu bewältigen sein." 

    Volkswagen hatte im September nach US-Ermittlungen eingeräumt, bei Umwelttests von Dieselfahrzeugen die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die verbotene Software bewirkt, dass bei Tests ein niedrigerer Schadstoffausstoß gemessen wird, als er im Normalbetrieb entsteht. Wegen des Skandals erlitt VW im vergangenen Jahr den größten Verlust seiner Geschichte. Gegen Volkswagen laufen bereits zahlreiche Klagen von Anteilseignern und Autobesitzern. Volkswagen soll die Manipulations-Software in insgesamt elf Millionen Fahrzeugen eingebaut haben.

    Interview: Bolle Selke

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    Volkswagen AG, Südkorea, China