04:36 18 Juni 2019
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    Ohne russisches Gas kommt Österreich nicht aus – Wirtschaftsexperte

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    Von der Pipeline Turkish Stream, die nach der Entschärfung in den Beziehungen zwischen Moskau und Ankara im Gespräch ist, profitiert Österreich nicht direkt, höchstens nur langfristig, so Markus Groll, Autor und Redakteur des Wiener Wirtschaftsmagazins „trend“.

    Dieses Projekt bilde aber eine Konkurrenz zu anderen Projekten, die die österreichische Firma OMV macht — die Nord Stream-2 oder auch eventuell die South Stream.

    Bei Turkish Stream gehe es zurzeit nur um eine Zuleitung zu dem türkischen Gasnetz mit zuerst 16 Milliarden Kubikmetern parallel zu der existierenden Blue-Stream-Pipeline, die das russische Gas mit dem türkischen Netz verbindet, sagte er im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Wenn dann die Türkei das Gas über die existierenden Leitungen weiter nach Österreich liefert, könnte dann auch Österreich profitieren. Es gibt auch noch die TANAP (Trans-Anatolian Natural Gas Pipeline) und TAP (Trans-Adria-Pipeline) — die türkischen Verbindungen Richtung Italien. Dann kommt das russische Gas über Italien nach Österreich, oder die geplante South-Stream-Pipeline — über Bulgarien und Rumänien.“ 

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    In diesem Fall kommt es direkt in die Europäische Union. Dann wäre die OMV auch beteiligt, betont der Experte, und das Gas wäre direkt an den Baumgarten-Hub — Gasspeicher in Österreich angebunden, der für Österreich und Europa wichtig sei.

    Der Bedarf Österreichs am russischen Erdgas sei hoch, urteilt Groll. „Das sind circa 60 Prozent, während der Rest aus Norwegen und Deutschland kommt, wobei ich nicht weiß, ob das deutsche Gas nicht auch indirekt aus Russland kommt. Und das sichern uns die langfristigen österreichischen Gazprom-Verträge. Zwar haben wir sehr viel Wasserkraft, Erdöl und erneuerbare Energie, Wind- und Fotovoltaik, ist der Energiemix am Endverbrauch bei fast 20 Prozent Erdgas. Davon sind 60 Prozent aus Russland. Wenn Österreich ohne russisches Gas auskommen möchte, wird es sehr teuer.“ 

    Zwar gebe es alternative Lieferanten, das russische Gas sei aber im Verhältnis zu allen anderen Einkaufsmöglichkeiten das günstigste, behauptet der Wirtschaftsexperte. Und Gazprom könne es immer noch billiger hergeben, wenn der Markt es verlangen würde.

    „Es ist nämlich so, dass der jetzige Preis vor fünf oder sechs Jahren in einem langfristigen Vertrag ausverhandelt wurde. Obwohl die Preise damals sehr hoch waren, wurde das bejubelt: Es war super, wir haben uns das Gas gesichert. Auch heute bleibt das Russen-Gas immer noch billig. Und daher ist es schwer, ohne das auszukommen.“

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    Selbst das billige USA-Schiefergas könne das russische Gas aus Europa nicht vertreiben, ist sich Groll sicher, obwohl der Preiswettkampf wegen dem Liquefied Natural Gas (LNG) komme. „Vor drei Monaten sind die ersten Lieferungen von Amerika nach Portugal gekommen. Es kann schon eine echte Konkurrenz werden, vor allem wenn bestimmte Preisspitzen angegriffen werden. Und wenn die Preisspitzen abgeflacht werden, sinkt das gesamte Niveau. Dann reichen relativ kleine Mengen, um das gesamte Preisgefüge zum Einsturz zu bringen.“

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    Nord Stream-2, South Stream, Nikolaj Jolkin, Österreich, USA, Russland