06:11 26 September 2020
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    G20-Gipfel in China (37)
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    In wenigen Tagen steht der G20-Gipfel in China bevor. Wirtschaftsmächte und Entwicklungsländer treffen sich, um gemeinsam das Wachstum der globalen Wirtschaft zu beschleunigen. Wjatscheslaw Cholodkow vom Russischen Institut für strategische Studien geht im Sputnik-Interview auf die Gipfel-Ziele ein.

    Die Themen des bevorstehenden G20-Gipfels am 4. und 5. September in der ostchinesischen Metropole Hangzhou werden gegenwärtig weltweit aktiv von Experten erörtert. Es wird erwartet, dass mehr als 30 neue Vereinbarungen zur Koordinierung der makroökonomischen Politik, zur Energiewirtschaft, Beschäftigungspolitik sowie zum Kampf gegen den Klimawandel unterzeichnet werden. Ein wichtiger Teil der Agenda werden Innovationen sein, die bei der Entwicklung der Weltwirtschaft helfen sollen.

    Wie chinesische Medien beteuern, soll das Gipfeltreffen der Weltwirtschaft erstmals seit acht Jahren neue Kraft verleihen. Seit dem ersten G20-Gipfel im Jahr 2008 habe sie kein Wachstum demonstrieren können. Das Hauptthema des jetzigen Gipfels sei deshalb das Wachstumstempo der Weltwirtschaft, sagte der Weltwirtschaftsexperte Wjatscheslaw Cholodkow vom Russischen Institut für strategische Studien im Sputnik-Interview.

    Krisenzeiten überwinden

    „Das Wachstumstempo der Weltwirtschaft nimmt ab. Viele Ökonomen, darunter auch Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, sprechen von einer neuen Krise, die in der Finanzsphäre ausbrechen und auf die übrigen Segmente der Weltwirtschaft übergreifen könne. Diese Krise zu verhindern und weltweit ein stabiles Wachstumstempo des Bruttoinlandsprodukts gewährleisten, ist die Hauptaufgabe des G20-Gipfels“, erläuterte Cholodkow.

    Laut dem Experten sind im Welthandel akute Probleme herangereift: Im vergangenen Jahr wurde eine beispiellose Verringerung des Handelsvolumens (in US-Dollar) um 13 Prozent fixiert. Viele würden bereits ein Ende der Globalisierung voraussagen: Der Welthandel sei nicht mehr die Haupttriebkraft des Wirtschaftswachstums in aller Welt, im Grunde genommen bremse er bereits das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts der Welt aus. Die G20 müsse einen Ausweg aus dieser Situation suchen.

    „China, welches in diesem Jahr den Vorsitz in der G20 innehat, steht nicht nur vor der Aufgabe, die erforderlichen Dokumente zu verabschieden. Im letzten Jahr wurden in der Welthandelssphäre 150 einschränkende Maßnahmen beschlossen, 40 Prozent dieser Maßnahmen entfallen auf die USA. Das Hauptproblem wird für die G20 demnach die Umsetzung ihrer eigenen Beschlüsse“, schätzt Cholodkow weiter ein.

    Anerkennung halten

    Bis zur globalen Krise von 2008 und 2009 hatte demnach noch die G7 die wichtigsten Entwicklungsrichtungen der Weltwirtschaft vorgegeben. Die Krise, die in den USA im System der Hypotheken-Kreditvergabe begonnen hatte, zeigte später, dass die westlichen Länder im Alleingang nicht mehr fähig sind, die globale ökonomische Probleme zu meistern. Unbedingt sei dafür auch eine Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern erforderlich.

    „Die Zustimmung des Westens zu dem neuen internationalen Format der G20 führte zur Anerkennung der wachsenden Wirtschaftsmacht der Entwicklungsländer“, führt der Experte weiter aus. „In letzter Zeit verlieren die USA jedoch das Interesse an der G20 als internationaler Organisation, in der sie ihre Position nicht durchdrücken können. Die Amerikaner versuchen, andere Strukturen zu schaffen, wo das leichter zu bewerkstelligen ist: zwei gigantische Wirtschaftsblöcke – die transatlantische und die transpazifische Partnerschaft.“

    Breite enge Partnerschaften

    Als Antwort Russlands und Chinas darauf kann die Idee einer breiten Wirtschaftspartnerschaft gewertet werden, die Präsident Putin beim vergangenen Petersburger Wirtschaftsforum verkündete. In diesem Sinne sei ein erneutes Treffen der Staatschefs beider Länder sehr wichtig, betonte der Experte.

    „Das Hauptthema des Treffens wird die Erfüllung der gemeinsamen Vereinbarungen vom 8. Mai 2015 zwischen dem Präsidenten Putin und dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China, Xi Jinping, über die Koppelung der Eurasischen Wirtschaftsunion mit dem Wirtschaftsgürtel entlang der Seidenstraße sein. An dem Projekt sollen die Eurasische Wirtschaftsunion, die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit, die ASEAN und eventuell der Iran teilnehmen. Die Idee, eine solche große Wirtschaftsvereinigung im eurasischen Raum zu schaffen, soll das zentrale Thema beim G20-Gipfel werden.“

    Persönliche Verabredungen

    Russlands Präsident Wladimir Putin und sein US-Amtskollege Barack Obama
    © Sputnik / Aleksey Nikolskyi

    Am Rande des G20-Gipfels ist auch ein Treffen Putins mit Obama vorgesehen. Wie aus dem Weißen Haus verlautete, hoffe der Präsident der USA, verschiedenste Probleme zu erörtern. Ein Thema könnte die Syrien-Krise werden. Auch mit dem türkischen Präsidenten Erdogan sei eine Unterredung vorgesehen. Zudem werde es Gespräche über die Situation in der Ukraine mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten François Hollande geben.

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    Wirtschaft, G20-Gipfel in Hangzhou, Wjatscheslaw Cholodkow, Joseph Stiglitz, China