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    G20-Gipfel in Hangzhou

    Keine Isolation für Russland: „Eher sahen EU-Vertreter bei G20 wie Entfremdete aus“

    © Foto : Russian Presidential Press Office
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    G20-Gipfel in China (37)
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    US-Präsident Barack Obama, der Russland isolieren wollte, ist im Gegensatz zum russischen Präsidenten Wladimir Putin beim G20-Gipfel in China auf einen äußerst kühlen Empfang gestoßen. Laut Konstantin Kossatschow, Chef des auswärtigen Ausschusses im Föderationsrat, gelingt es dem Westen nicht mehr, die globale Agenda im Alleingang zu bestimmen.

    In einem am Dienstag veröffentlichten Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ schreibt Kossatschow, der G20-Gipfel in Hangzhou habe bestätigt, dass die Isolierungs-Politik gegen Russland gescheitert sei.

    „Mit Problemen werden nun die ‚Isolatoren‘ selbst konfrontiert. Es geht dabei nicht nur um den betont kühlen Empfang für den US-Präsidenten in China – im Vergleich zu der Gastfreundschaft gegenüber Russland. Gerade in Hangzhou fiel es immer mehr auf, dass die globale Agenda nicht mehr in den USA bestimmt wird und erst recht nicht in Europa. Jedenfalls nicht nur und nicht mehr hauptsächlich dort“, so Kossatschow.  

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    Präsidenten Russlands und der USA beim G20-Gipfel in China
    © Sputnik / Alexej Drushinin
    Im Hinblick auf die einstige Äußerung von Barack Obama, der den Terrorismus, Russland und das Ebola-Virus als die drei akuten globalen Bedrohungen eingestuft hatte, kommentiert Kossatschow: „Nun weiß jeder weltweit, dass gerade die ‚Bedrohung Nr. 2‘ (Russland) am effizientesten und am konsequentesten gegen die wirklich reale und globale ‚Bedrohung Nr. 1‘, den Terrorismus, vorgeht (…) Das Problem besteht eben darin, dass die USA in Syrien ihre ‚moderaten‘ Kämpfer nicht von den offensichtlichen trennen können.“

    „In einer noch unbequemeren Lage steckt nun die Europäische Union. Sie ist in ihre inneren Probleme verwickelt, wobei die Hälfe davon von ihr selbst erfunden ist. Die Europäer gerieten in die Falle des künstlich geschürten Konflikts mit Russland, versteiften sich auf die antirussischen Sanktionen und die albernen, dafür aber lauten Vorbereitungen auf die Abwehr einer ‚russischen Aggression’ – und strichen damit sich selbst aus der Liste der weltweiten Tonangeber. Man wollte Russland als ‚Paria‘ für alle Spitzenpolitiker der Welt hinstellen, doch stattdessen sahen eher die EU-Vertreter selbst wie Entfremdete beim G20-Gipfel aus“, so der Kommentar.

    Die Europäer mit ihren „rudimentären Ängsten und euroatlantischen Institutionen“ seien im 20. Jahrhundert stecken geblieben, während die Welt inzwischen weiter gekommen sei. Das Treffen in Hangzhou habe dies bestätigt, hieß es.

    „Kennzeichnend ist auch das Thema einer möglichen Rückkehr Russlands in die G8-Gruppe, das der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier in gutem Glauben angesprochen hat. Was einst als großer Vorteil erschien, als Einladung in den ‚Klub der Auserwählten‘, sieht inzwischen jedoch nicht mehr als aktuelle Aufgabe für Russland an. Eine ehrliche Antwort auf die Frage, wer wen mehr braucht, wird aus meiner Sicht den G7-Mitgliedern selbst Schwierigkeiten bereiten, obwohl sie das lieber nicht offen gestehen würden. Die unipolare Institution G7 verliert derzeit offensichtlich Positionen – zugunsten der multipolaren Institution G20. Beim Gipfeltreffen in Hangzhou war das besonders deutlich zu sehen“, postuliert der russische Politiker. 

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    „Die Chinesen setzten bewusst auf eine Entpolitisierung der weltweiten Agenda und gaben den wirtschaftlichen Themen den Vorrang. Dies wurde von Russland aktiv unterstützt (…) Diese Tagesordnung lässt sich aber in die traditionelle Weltanschauung des Westens nicht besonders einbetten. In seinem Weltbild ist die Wirtschaft ein Privileg des Westens selbst, während die restliche Welt nach politischen Kriterien in Bezug darauf bewertet wird, ob sie gewissen Standards und Interessen entspricht“, so Kossatschow weiter. 

    Er schreibt zum Schluss: „Wenn die USA und ihre Verbündeten ihre Führungsrollen in der Welt zurück bekommen wollen, müssen sie an ihren eigenen Ideen für den Planeten hart arbeiten. ‚Was für Amerika gut ist, ist auch für die Welt gut‘ – diese Logik überzeugt niemanden. Das ist ein Weg zu einer Selbstisolation – nicht zu einer globalen Führung.“

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    G20-Gipfel in Hangzhou, Wladimir Putin, Barack Obama, Russland, USA