15:54 16 Dezember 2017
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    US-Präsident Barack Obama in Hangzhou

    „Schnöder Undank“ für die Hilfe: Warum die USA die G20-Gruppe nicht mehr brauchen

    © REUTERS/ Jonathan Ernst
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    Einst hat die G20 die USA faktisch gerettet – nun bekommt sie Sanktionen und Vorwürfe als Gegenleistung. Die Vereinigten Staaten verstoßen gegen die WTO-Regeln und suchen äußere Lösungen für ihre inneren Probleme. Darauf weist der russische Wirtschaftsexperte Wassili Koltaschow in einem Kommentar hin.

    Im Hinblick auf die Finanzgipfel der G20 in den Jahren 2008 und 2009 schreibt Koltaschow in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“: „Für die USA waren jene Treffen eine Rettung. Im Weißen Haus fiel es damals niemandem ein, mit den Mitgliedstaaten des neuen Eliteklubs zu zanken. Amerika brauchte ihre Hilfe und bekam sie auch. Nun bezahlen Barack Obama und weitere ‚Tauben‘ der US-Politik für jene Hilfe mit schnödem Undank.“

    Der Analyst erläutert, worin jene G20-Hilfe bestand: „Die BRICS-Wirtschaften zeigten damals eine große Nachfrage nach US-Dollars – dadurch konnte die US-Wirtschaft sich über Wasser halten. Die BRICS-Zentralbanken kauften US-Anleihen, als diese unter ihren Nennwert abzuschrutschen drohten.“

    „Wenn die USA und die EU nun Schutzzölle gegen russischen und chinesischen Stahl verhängen, sollten sie sich an ihre eigenen Versprechen erinnern. Washington und seine europäischen Kollegen, die damals den WTO-Regeln Treue geschworen hatten, verstoßen nun dagegen. Damals beteuerten sie den misstrauischen BRICS-Ländern, dass die Krise als Brücke zu einer neuen Epoche des Dialogs gedient habe; dass sich ein erneutes Wachstum der Weltwirtschaft nur gemeinsam erreichen ließe. Nun sind all jene Appelle vergessen“, so Koltaschow. 

    Er bietet eine Erklärung dafür, dass die USA auf den Dialog verzichtet haben: „Die BRICS-Länder sind angesichts der Schwächung ihrer Wirtschaften nicht mehr in der Lage, auf dem Rohstoff- und Wertpapiermarkt mit dem einstigen Schwung zu spekulieren und die US-Wirtschaft wie einst zu unterstützen. Sie verbrauchen ihre Ressourcen, um ihren eigenen Währungen zu helfen, und nutzen jede Gelegenheit, um ihre Betriebe vor der Krise zumindest ein wenig zu schützen.“ 

    G20-Gipfel in Hangzhou: Aufmarsch der Mächtigen

    An Stelle des Dialogs setzen die USA laut Koltaschow nun auf Sanktionen und Vorwürfe: „Washington spinnt aus allen Kräften Intrigen, um eine äußere Lösung für seine inneren Probleme zu finden. Als Donald Trump von einer Seifenblase sprach, die in der US-Wirtschaft jeden Moment platzen könne, war das keine Übertreibung.“ 

    US-Flagge
    © REUTERS/ Stephen Lam

    „Doch mit der Suche nach äußeren Instrumenten für eine Rettung läuft alles nicht nach Plan. Die EU will nicht die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft mit den USA schließen, während die Transpazifische Partnerschaft wegen der Schwäche der US-Wirtschaft zerfallen kann. Um die Welt anzuführen, müssten die USA ein Wachstum an den Tag legen, doch das gelingt ihnen nicht. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die von ihnen selbst einst geschriebenen WTO-Regeln zu überschreiten und die unangenehme, aber gerechte Kritik deswegen einzustecken“, so der Experte weiter.

    Er zieht ein Fazit: „Die USA brauchen die G20-Gruppe nicht mehr, sind aber nicht fähig, sie aufzulösen (…) Wenn die USA aber Schritt für Schritt den Weg des Protektionismus einschlagen, sollten sie sich nicht wundern, wenn auch ihre internationalen Partner solche Schritte unternehmen.“

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    Wirtschaft, G20-Gipfel in Hangzhou, WTO, EU, BRICS, G20, Wassili Koltaschow, China, Russland, USA
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