20:35 26 Juni 2019
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    Ölgewinnung in Iran

    Erdöl: Iran warnt vor Riads Alleinrecht auf Preisbildung

    © REUTERS / Raheb Homavandi
    Wirtschaft
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    Auch bei einem festgesetzten Ölpreis besteht der Iran auf einer Reformierung des Mechanismus der Beschlussfassungen in der OPEC und einer Einbeziehung aller Erdölproduzenten in die Prozesse der Preisbildung. Sputink hat hierzu einen Kommentar des führenden Experten des iranischen Erdölministeriums, Mohammad Sadeq Joukar, bekommen.

    „Meiner Meinung nach wird das Einfrieren der Erdölgewinnung für die OPEC-Länder sowie für die anderen Erdölproduzenten kaum die Preisbildung beeinflussen können. Was man wirklich braucht, ist eine Reduzierung der Öl-Förderquote, nicht das Einfrieren“, sagte Joukar zu Sputnik Persian.

    Einige Produzenten aus dem OPEC-Block sind dem Experten zufolge davon überzeugt, dass die Einfrierungsmaßname keine Veränderungen bei der Erdförderung selbst bedeutet, so dass Saudi-Arabien und einige andere arabische Staaten das Erdöl mit Hochleistung fördern können.

    „Wenn unter den gegebenen Umständen das Einfrierungsprojekt als langfristig mit einer Verlängerungsmöglichkeit beschlossen würde, was Saudi-Arabien eigentlich anstrebt, würde dies ein erheblicher Nachteil für den Iran sein, der sein Produktionsvolumen in den kommenden Jahren zu erhöhen beabsichtigt“, so Mohammad Sadeq Joukar weiter.

    In diesem Zusammenhang werde Teheran die Maßnahmen unterstützen, die auf eine Stabilisierung des Erdölmarktes abzielen. Das Einfrieren müsse kurzfristig sein, so dass die Erdölpreise auf 50-60 Dollar gebracht werden.

    „Mit Stabilisierung wird nicht unbedingt ein Einfrieren der Förderquote gemeint, sondern eine Rückgabe ihrer Anteile an der Förderung an die Staaten – den Iran, Irak, Libyen – die aus verschiedenen Gründen diese an Riad abtreten mussten“, erklärte der Experte.

    Das iranische Erdölministerium setzte sich außerdem dafür ein, dass nicht nur die OPEC-Länder ihr Förderniveau einschränken, hier müssten auch andere Produzenten, vor allem Russland und die USA mitwirken. Nur so kann Joukar zufolge eine Stabilität auf dem Erdölmarkt erreicht werden.

    Ein weiterer Punkt, der mit dem Ölpreis auf das Engste verbunden ist, sind die Klimaschutz-Zusagen (INDC) im Rahmen des Pariser Vertrags: Wenn die Erdölpreise bei 40 Dollar bleiben, werden viele Staaten ihren Verpflichtungen in dieser Frage nicht nachkommen können, erläuterte der iranische Experte und fügte hinzu: „Probleme der globalen Erwärmung, Klimaschutzverpflichtungen im Rahmen von INDC bedürfen hoher Preise für Energieträger“.

    Zuvor hatten Russland und OPEC-Mitgliedsstaaten bei Verhandlungen in Doha das Einfrieren der Erdölgewinnung auf dem Stand vom 11. Januar vereinbart. Wenige Tage später hatte der Iran laut einer Quelle im algerischen Erdölministerium dem Vorschlag Algeriens zugestimmt, die Ölpreise auf 50 bis 60 Dollar je Barrel festzulegen.

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    Tags:
    Preis-Stabilisierung, Erdölförderquoten, Erdöl, OPEC, Libyen, Irak, USA, Saudi-Arabien, Russland, Iran