11:41 09 Dezember 2019
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    Ein Traktor von Case IH

    Ackerbau 2.0: Das Feld per Tablet bestellen

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    Wirtschaft
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    Beim autonomen Traktor von Case IH gibt es keinen Fahrer. Stattdessen kann man das Fahrzeug bequem von zuhause vom Tablet aus lenken. Wie die Technologie aussieht und welche Risiken berücksichtigt werden – darüber hat Dr. Rob Zemenchik in einem Sputnik-Interview berichtet.

    Die Frage, ob man beim autonomen Traktor von Case IH die Hände am Lenkrad behält oder dieses loslässt, stellt sich nicht, weil das neue Fahrzeug über keine Fahrerkabine verfügt und aus Entfernung gesteuert wird. Entsprechend muss das Fahrzeug auf seine Umgebung reagieren können. Dr. Rob Zemenchik, Marketing Manager von Case IH erklärt Valentin Raskatov in einem Sputnik-Interview, wie das funktioniert: „Wegen der Entfernung des Fahrers mussten wir eine Reihe Sensoren in den Traktor integrieren. Hier gibt es das LiDAR, das ist ein Lasersystem, hinzu kommt eine Anordnung von Radarsensoren wie auch Sichtsensoren, die im sichtbaren Farbspektrum operieren. Zusammen mit Backup-Systemen ermöglichen diese Sensoren die Überwachung des Fahrzeugs aus der Distanz heraus, während es seine Aufgaben erfüllt.“

    Auf die Frage, was passiert, wenn Menschen und Tiere in den Weg kommen, antwortet er wie folgt: „Die LiDAR-Technologie erzeugt ein Lasermuster eines jeden Objekts, das sich in den Weg des Traktors und seiner Werkzeuge stellt. Wenn wir also eine zehn Meter weite Pflanzmaschine haben, scannt dieses System immer den Weg in einer Breite von zehn Metern nach möglichen Hindernissen ab. Hinzu kommt, dass wir auch nach negativen Hindernissen wie Bodenlöchern Ausschau halten, die der Traktor auch erkennt.“

    Sollte das Lebewesen mal zum Beispiel von Heu verdeckt sein, so erkennt der Traktor es dennoch und fährt nicht etwa drüber: „Die Kombination von Radar, LiDAR und Kameras für das sichtbare Lichtspektrum ist genau für dieses Szenario gedacht. Der Radar kann sowohl Metalle als auch Wasser entdecken. Wie wir wissen besteht der Mensch zu knapp 90 Prozent aus Wasser. Deswegen sieht man an der Stelle dann einen Wasserkörper. Das zu erkennen, stellt also auch bei Verdeckung kein Problem dar. Sollte das Fahrzeug je seine vorgeschriebene Route verlassen — aus welchem Grund auch immer —, wird die Aufsichtsperson von dieser Abweichung sofort in Kenntnis gesetzt und kann das Fahrzeug nötigenfalls sofort abstellen. Dieses würde erst nach einem Neustart wieder funktionieren“, so Zemenchik.

    Über die Steuerung des Traktors sagt der Marketing Manager: „Indem wir das Internet nutzen, sind wir dazu imstande, ein mobiles Gerät wie zum Beispiel ein Tablet zu nehmen und über dieses das Feld und die vorgeschriebenen Wege zu betrachten, die dem Traktor über dasselbe Gerät zugewiesen werden. Der Traktor geht seiner Aufgabe nach, handle es sich nun um Bepflanzung, Aussaat oder Düngung. Und der Beobachter kann dabei die Prozesse auf der Karte verfolgen. Alles das vollzieht sich in einem durch Geofencing begrenzten Feld, sodass alle Parameter für das Fahrzeug bestimmt sind und der Traktor seiner Aufgabe nachgehen kann.“

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    Zur Leistungssteigerung äußert er sich wie folgt: „Die Überwachung aus der Ferne umfasst die agronomische Ausbeute und technische Fahrzeugparameter, die mit dem Motor, der Übertragung, Radführung oder mit Sonstigem dieser Art zusammenhängen. Hinzu kommt, dass der Ackerbauer nun seinen Arbeitstag von einem traditionellen Arbeitstag mit 10-12 Stunden auf einen 24/7-Einsatz verlängern kann. Das erlaubt es dem Produzenten kritische Zeitpunkte effektiver zu nutzen, in denen am besten eingepflanzt, gedüngt oder gespritzt wird. Zudem kann die Arbeit genau dann erfolgen, wenn die Wetterlage für diese Arbeiten optimal ist. Auf diese Weise werden natürlich auch Arbeitskräfte wieder frei, die anderen Aufgabengebieten zugewiesen werden, zum Beispielen der Qualitätssicherung der Aussaat oder Wartungsarbeiten an den Maschinen.“

    Aber ob das System auch gegen Hacks geschützt ist? Zemenchik antwortet darauf: „Wir haben hier den Vorteil, dass wir dieses Konzept in Zusammenarbeit mit Autonomous Solutions Incorporated entwickelt haben. Die kommen aus dem US-Staat Utah und verfügen über nahezu zwei Jahrzehnte Erfahrung im Bergbau und bei militärischen Anwendungen, wo Sicherheit, Verschlüsselung und andere Technologien, die die Verbindung zwischen dem Aufsichtshabenden und der Maschine gewährleisten, ganz oben stehen. Wir sind also zuversichtlich, dass durch diese bewährten Technologien auch unsere Maschine sehr sicher ist.“

    Auf den Traktoren sollen weitere autonome Maschinen für die Landwirtschaft folgen: „Wir haben den Traktor als eine erste Einführung in dieses Konzept ausgewählt, aber die Technologie lässt sich auf beliebige Feldmaschinen übertragen. Wir haben uns für den Traktor entschieden, weil es für den Farmer so eine zeitintensive Arbeit ist, dass die Vorteile für die Bauern hier besonders offenbar zutage treten. An einem gewissen Punkt in naher Zukunft haben wir vor, die Kosten, die ein gewöhnlicher Traktor mit sich bringt, bei weitem mit unserem Traktor zu unterbieten.“

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    Tags:
    Traktor, Landwirtschaft, Agrarindustrie, LiDAR, Case IH, Rob Zemenchik