06:25 11 Dezember 2019
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    Der Präsident der Russisch-Deutschen-Außenhandelskammer, Rainer Seele

    OMV-Chef Seele zu Nord Stream-2: Russland reicht uns symbolisch die Hand

    © REUTERS / Heinz-Peter Bader
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    Europa soll nach Ansicht des OMV-Chefs Rainer Seele das Projekt Nord Stream-2 unterstützen, denn Russland hat sich über Jahrzehnte hinweg als ein verlässlicher Partner bewiesen. Dies sagte Seele bei einer Veranstaltung der Österreich-Russischen Freundschaftsgesellschaft (ORFG) in Wien.

    „Der Energiepartner Russland war, ist und bleibt für mich ein verlässlicher vertrauenswürdiger Partner. Er hat mich in allen unseren Verträgen niemals enttäuscht, er reicht uns Europäern symbolisch die Hand. Symbolisch wird das in Stahl mit einem Pipelineprojekt Nord Stream sichtbar. Und ich sage: Wir sollten sie ergreifen, diese Hand“, meinte der Vorstandvorsitzende des österreichischen Öl- und Gasunternehmens OMV in seinem Beitrag „Energie Partner Russland?“

    Die Zusammenarbeit mit Russland sei keine „gegenseitige Abhängigkeit“, sondern eine „symbiotische Beziehung“, erklärte Seele mit einem Hinweis darauf, dass Österreich schon seit 50 Jahren mit Russland als Energiepartner zusammenarbeitet. Seit 1968, als der erste Vertrag geschlossen war, hat Österreich alle Mengen, Volumen und Qualitäten bekommen, unterstrich der OMV-Chef und fügte hinzu: „Die Russen haben sich durch absolute Vertragstreue gekennzeichnet“.

    Zwar wäre über die Preise schon gestritten, aber dies geschehe nicht nur mit Russland. „Das machen wir mit jedem. Das ist das Geschäft“.

    Österreich, das keine zwei Prozent von dem europäischen Erdgasmarkt ausmache, spiele auf diesem Markt doch eine Schlüsselposition, merkte Seele an. „Denn gerade hier in Österreich haben wir über viele Jahre ein System aufgebaut, dass wir zentral das Gas für Europa verteilen“.

    Auf europäischer Ebene sehe man, dass „etwa die Hälfte des Gases, jeder zweite Kubikmeter, noch aus eigener einheimischer Produktion stammt“, 25 Prozent vom europäischen Gas werde allerdings aus Russland importiert.

    „Wenn wir mal in die Glaskugel schauen, werden wir feststellen, dass Europa eine Schwachstelle hat – dass diese 50 Prozent eigener Anteil an Erdgas in der Zukunft nicht mehr bestehen bleibt“, warnte der Geschäftsmann.

    Laut verschiedenen Studien werde diese Menge in den kommenden 20 Jahren auf ein Drittel bis 25 Prozent zurückgehen. Deswegen könne man auf das russische Gas nicht verzichten. Es gebe nämlich noch keine andere zuverlässige Quelle.

    „Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, die Diversifizierung der Erdgasimporte von Europa ist eine richtige Strategie, soweit es uns gelingt, auch gleichwertige verlässliche Quellen zu erschließen“, erläuterte Seele seine Position. „Nur dann können wir als Energiewirtschaft für die Versorgungssicherheit auf dem gleichen Niveau garantieren. Wir sprechen aber über einen Partner, den wir seit 50 Jahren kennen und gegenüber dem wir als Lieferant bislang keinen Grund zur Kritik gehabt hatten“.

    Auch deswegen müsse das durch politische Krisen verloren gegangene Vertrauen zwischen Europa und Russland wiederhergestellt werden. „Diese 25 Prozent können wir nicht ersetzen, deswegen sollten wir uns dafür einsetzten, dass diese Vertrauensbasis wiederhergestellt wird“, forderte Seele. Man müsse den „Dialog aufrechterhalten, ihn nicht aussperren, wie es von G8 gemacht wurde“.

    Das Projekt Nord Stream-2 stand auch im Mittelpunkt der jüngsten Gespräche zwischen dem deutschen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und dem Minister für Wirtschaftsentwicklung Russlands, Alexej Uljukajew.

    Das Aktionärsabkommen über das Nord-Stream-2-Projekt, das eine Erweiterung der Gaspipeline Nord Stream (den Bau des dritten und des vierten Leitungsstranges) vorsieht, war Anfang September 2015 im Rahmen des Östlichen Wirtschaftsforums in Wladiwostok unterzeichnet worden. Das Konsortium umfasst Gazprom, E.ON, Shell, BASF/Wintershall, OMV und Engie. Die beiden zukünftigen Stränge mit einer Jahreskapazität von insgesamt 55 Milliarden Kubikmeter sollen — wie die bereits bestehenden auch – von Russland über den Grund der Ostsee nach Deutschland verlaufen. Die Inbetriebnahme der Rohrleitung ist für das vierte Quartal 2019 geplant.

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