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08:04 22 Oktober 2019
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    FT: Nord Stream 2 wird Russland und Deutschland annähern und die Ukraine bestrafen

    © Foto: Gazprom
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    Die Pläne Gazproms für eine selbstständige Umsetzung des Nord-Stream-2-Projekts hängen nicht mit kommerziellen, sondern mit geopolitischen Gründen zusammen, wie „Financial Times“ schreibt.

    Gazprom sei gezwungen, nach dem Beschluss des polnischen Kartellamtes, die Schaffung eines Gemeinschaftsunternehmens zwischen Gazprom und fünf großen europäischen Unternehmen zu verhindern, mit eigenen Kräften das Nord-Stream-2-Projekt zu stemmen.

    Gazprom beschloss daraufhin, das Projekt nicht zu schließen und es im Alleingang umzusetzen. Der russische Energieriese ist der Ansicht, dass die europäischen Partner Wege finden werden, ihren Beitrag zu leisten.

    Auf dieser Seite des Projekts stehen wohl auch deutsche Politiker mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Spitze. Ihnen zufolge wird die neue Gaspipeline Transitrisiken ausschließen — anders als 2006 und 2009, als Europa für einige Zeit ohne russische Gaslieferungen wegen des Gasstreits zwischen Moskau und Kiew auskommen musste.

    Der ehemalige bulgarische Botschafter in Russland, Ilijan Wassilew, äußerte die Meinung, dass die Idee der selbstständigen Finanzierung des neuen Pipeline-Projektes an „übergroßen Optimismus“ angesichts der derzeitigen Lage Gazproms grenzt.

    Diese Situation zeige neben dem Turkish-Stream-Projekt, dass die Exportpolitik des russischen Unternehmens eher mit geopolitischen, als mit kommerziellen Gründen verbunden sei, heißt es im Artikel. Die Initiativen Gazproms seien vor allem darauf gerichtet, dass die Ukraine bis 2019 ihren Status als Transitland verliert, wenn das Abkommen mit Kiew abläuft.

    Dieser Meinung ist ebenfalls EU-Energiekommissar Maros Sefcovic, der den Bau der Gaspipeline als „eine Art Strafe“ für die Ukraine bezeichnete. Ihm zufolge widerspricht Nord Stream 2 den Plänen der EU angesichts der Schaffung der neuen Energieunion.

    Wassilew zufolge hat Russland auch größere Motive: die Bildung eines neuen strategischen Bündnisses mit Deutschland, das in der Zukunft ein Transitknoten für russische Gaslieferungen nach Europa sein kann.

    Das Nord-Stream-2-Projekt sieht den Bau von zwei Strängen mit einer Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr von der russischen Küste über die Ostsee bis nach Deutschland vor. Gazprom wird 50 Prozent am Projekt halten, die europäischen Unternehmen OMV, BASF, Engie, Shell, Uniper jeweils zehn Prozent. Die neue Pipeline soll neben der bereits existierenden Nord-Stream-Leitung gebaut werden.

    Zuvor hatten die Partner von Gazprom die deutschen und polnischen Kartellbehörden darüber benachrichtigt, ein entsprechendes Gemeinschaftsunternehmen gründen zu wollen. Deutschland billigte das Projekt, Polen erhob Ende Juli Einwände. Anfang August gaben die Projektteilnehmer bekannt, dass sie ihren Antrag bei den polnischen Kartellwächtern zurückgezogen haben.

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    Turkish Stream, Nord Stream 2, Gazprom, Angela Merkel, Ukraine, Deutschland, Russland