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    Düstere Zahlen: Kinderarmut nicht nur in Asien und Afrika – auch in Deutschland

    © AP Photo / Thanassis Stavrakis
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    Die Kinderschutzorganisation Unicef hat düstere Zahlen vorgelegt: Etwa 385 Millionen Kinder weltweit leben in extremer Armut. Von Kinderarmut betroffen sind allerdings nicht nur die Entwicklungsländer, sondern auch Deutschland, wie aus einem früheren Bericht der Bertelsmann Stiftung hervorgeht.

    So lebt nach Unicef-Angaben in Entwicklungsländern fast ein Fünftel der Kinder in Familien, die mit rund 1,70 Euro pro Tag auskommen müssen. Allein in Nigeria droht etwa 400.000 Minderjährigen lebensbedrohliche Mangelernährung. Besonders stark seien Regionen südlich der Sahara sowie in Südasien betroffen, außerdem in Indien. Erwachsene seien nur halb so oft von extremer Armut betroffen, heißt es in dem Anfang Oktober veröffentlichten Bericht. Für die  Untersuchung hat Unicef Daten aus 89 Ländern ausgewertet.

    Bei Kindern ist extreme Armut und die damit verbundene Mangelernährung besonders gefährlich, da sich diese nachhaltig negativ auf Körper und Gehirn auswirken.

    Aber Kinderarmut ist nicht nur in der Ferne ein Problem, auch in Deutschland nimmt die Kinderarmut zu: Allein in Berlin ist einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge jedes dritte Kind von Sozialleistungen abhängig. Fast zwei Millionen Kinder seien bundesweit auf Hartz IV angewiesen. Den traurigen Rekord halte Bremerhaven: Dort seien 40,5 Prozent der Kinder von Armut betroffen — der höchste Wert bundesweit. In Bayern lebten dagegen die wenigsten armen Kinder. Das höchste Armutsrisiko bestehe bei Jungen und Mädchen in Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil oder mit mehr als zwei Kindern. 

    Im Westen des Landes stieg die Kinderarmut der Studie zufolge von 12,4 Prozent im Jahr 2011 auf 13,2 Prozent im Jahr 2015. In Ostdeutschland sei die Quote im gleichen Zeitraum zwar von 24 auf 21,6 Prozent gesunken, bleibe damit aber auf hohem Niveau.

    Auch der Bertelsmann-Bericht hebt die gravierenden Folgen von Kinderarmut hervor: Je länger ein Kind in Armut lebe, desto negativer wirke sich dies auf seine Entwicklung und Bildungschancen aus.

    „Verglichen mit Kindern in gesicherten Einkommensverhältnissen sind arme Kinder häufiger sozial isoliert, gesundheitlich beeinträchtigt und ihre gesamte Bildungsbiografie ist deutlich belasteter“, heißt es.

    Wenn in Deutschland von der sogenannten Armutsgrenze gesprochen wird, ist ein Einkommen von weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens (bundesweit oder regional, inkl. staatlicher Sozialleistungen wie Kinder- und Wohngeld) gemeint. Echte Armut wird mit einem Nettoeinkommen von 40 bis 50 Prozent des Durchschnitts definiert. Haushalte mit einer Person und einem Einkommen von weniger als 892 Euro pro Monat gelten als arm. Bei einer Familie mit zwei Kindern liegt die Grenze bei monatlich 1.872 Euro.

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    Tags:
    Armutsgrenze, Armut, Kinder, Unicef, Afrika, Nigeria, Deutschland