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08:35 22 Juli 2019
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    Anti-TTIP-Demo in Brüssel

    TTIP streichen? Finanzexperte: „Ich glaube, Trump zieht das durch“

    © REUTERS / Francois Lenoir
    Wirtschaft
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    Donald Trump wird US-Präsident (182)
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    Im Gegensatz zu den meisten Politikern und Medien hierzulande war der Sieg Donald Trumps für Folker Hellmeyer keine Überraschung. Gegenüber Sputnik erklärt der Chefanalytiker der Bremer Landesbank, dass er in Trump einen Hoffnungsträger für Frieden und den Erfolg der Weltwirtschaft sieht.

    „Wir waren nicht überrascht, wir haben den Wahlsieg erwartet“, sagt Hellmeyer. Als Gründe nennt der Banker die dramatischen Probleme der USA. Diese hätten sich in den letzten 25 Jahren aufgetan. „Der Mittelstand in den USA ist geschrumpft. Die Verzweiflung, die bei den Amerikanern vorherrscht, ist größer, als es das Medienbild dargestellt hat.“ So hingen etwa 44 Millionen der insgesamt 330 Millionen Einwohner Amerikas von Lebensmittelmarken ab.

    Außerdem gebe es immer weniger gute Jobs, die allein für den Lebensunterhalt reichten. Insofern zeichne der Arbeitslosenstand auch nicht das wahre Problem auf. Von Trump erwartet der Experte, dass die US-Politik weniger ideologisch, sondern wesentlich pragmatischer werde. „Ein Businessman ist Pragmatiker: Er erkennt die Möglichkeiten, die Chancen und die Risiken“, definiert Hellmeyer.

    Gerade in Bezug auf die Außenpolitik sei Trump auf Lösungen bedacht und nicht an Eskalationen interessiert. „So wie man ihn lesen kann, steht Trump für eine Politik, die sich mehr auf die Bedürfnisse der USA und weniger auf den Status einer Hegemonialmacht beziehen.“ Das sei eine riesige Chance in Richtung Friedfertigkeit in der Welt und in Richtung Lösung von geopolitischen Problemen. Das seien positive Vorzeichen, die noch mit Taten gefüllt werden müssen.

    Von der Trumpschen Politik könne auch Europa stark profitieren: „Indem die Eskalation mit Russland zurückgefahren wird, indem Sanktionspolitik zurückgefahren wird. Und indem eine Teilnahme an dem Projekt „One road, one belt“ durch europäische Unternehmen stärker gewährleistet ist.“ Dadurch könnten Wachstumsimpulse gesetzt werden, für Hellmeyer ist eine verflochtene Wirtschaft zwischen vielen Staaten auch immer Friedenspolitik.

    Das Projekt „Von Lissabon bis Wladiwostok“ sei die Zukunft Europas. Mit der Wahl in den USA hätten sich die Chancen dafür ein Stück weit erhöht, meint er.

    Für die Freihandelsabkommen sieht dafür Hellmeyer schwarz: „Ich glaube, dass Trump das durchzieht.“ Das bedeutet, der künftige US-Präsident werde TTIP beerdigen. Das ist für den Ökonom auch richtig, denn das Freihandelsabkommen sei ein irreführender Begriff: „Was draufsteht, steckt nicht drin.“

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Tags:
    EU, TTIP, Folker Hellmeyer, Donald Trump, USA