11:03 26 Februar 2017
Radio
    Deutsche Börse in Frankfurt

    Finanzexperte: Trump wird gegenüber Deutschland radikal reagieren

    © REUTERS/ Kai Pfaffenbach
    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    Donald Trump wird US-Präsident (182)
    57245123446

    Nach der Erdrutsch-Wahl in den USA warnen Medien und Politiker vor einem Siegeszug des Populismus. Der ehemalige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Professor Heiner Flassbeck hält das für eine faule Ausrede und sieht den Grund für Trumps Erfolg im Frust der ärmeren Menschen über die Politiker und das Establishment.

    Herr Flassbeck, wie erklären Sie sich, dass ein Showman, politisch unerfahren, zum Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt gewählt werden konnte?

    Die Menschen wollen überall auf der Welt, nicht nur in den USA, weg vom Establishment, weil sie vom Establishment der Politik — und das reicht von links bis rechts — extrem enttäuscht sind.

    Also war das eine reine Protestwahl?

    Ja, das unterstelle ich jetzt mal. Die Menschen sind es leid. Man kann einfach dieses Geschwätz der Politiker nicht mehr hören, dass man den Gürtel enger schnallen muss und trotzdem werden einige reich, während andere zurückbleiben.

    Jetzt warnen alle vor Populismus. Das heißt, es ist falsch, als Politiker auf das einfache Volk zu hören?

    Nein, überhaupt nicht. Ich glaube zwar nicht, dass Herr Trump am Ende tun wird, was er dem Volk versprochen hat. Aber im Prinzip ist es völlig richtig, auf das Volk zu hören. Dieser Populismus-Vorwurf ist einfach dumm. Die Misere der westlichen Volkswirtschaften liegt ja gerade an der Nichtteilhabe der normalen Bürger. Das ist das größte soziale und wirtschaftliche Problem.

    Es scheint wirklich immer mehr eine Zweiklassengesellschaft zu geben: hier die Multikulti-Großstädter mit ihren Bio-Läden und Transgender-Freunden und dort die Arbeiter und Bauern. Da fühlt man sich unwillkürlich wieder an Karl Marx erinnert.

    Das ist richtig. Es gibt eine große Kluft bei der Einkommens- und Vermögensentwicklung. Das sind die meisten Politiker und Medien aus ideologischen Gründen nicht bereit zur Kenntnis zu nehmen, weil sie selbst dreißig Jahre lang den Standpunkt vertreten haben, dass wir aufgrund der Globalisierung anders wirtschaften müssen, das die Ungleichheit zunehmen und der Staat kleiner werden muss. Jetzt sehen wir die Folgen, dass Menschen mit geringerem Einkommen und sogar die Mittelschicht, falls sie überhaupt noch existiert, total frustriert sind — und das nennt man jetzt Populismus.

    Welche Auswirkungen könnte die Wahl Trumps auf die Wirtschaft haben?

    Das kann man noch schwer sagen, weil man nicht weiß, was von seinen Wahlversprechen er wahrmachen wird und wie er vor allem mit dem zentralen Problem der staatlichen Schulden umgehen wird. Immerhin hat er jetzt in seiner ersten offiziellen Ansprache von einem Infrastrukturprogramm gesprochen. Wenn er das wirklich ernst meint, kann das für die amerikanische Wirtschaft sehr positiv sein.

    Nur, auch Obama hat als erstes ein Infrastrukturprogramm versprochen und herausgekommen ist fast nichts.

    Wird TTIP nun kommen oder eher nicht?

    Nein, das glaub ich nicht. Er hat ja den Freihandel abgelehnt und davon wird er jetzt nicht völlig abweichen. Das ist aber eigentlich gar nicht so problematisch. Dieser ganze Freihandel mit seinen angeblichen Vorteilen ist doch auch so eine neoliberale Fiktion, die es im wirklichen Leben nicht gibt.

    Ich könnte mir schon vorstellen, dass Trump gegenüber Deutschland ähnlich radikal reagiert, wie viele seiner republikanischen Vorgänger wie Ronald Reagan oder Bush Senior, die gesagt haben, wenn ihr eure Überschüsse nicht abbaut, dann ist das mit dem Freihandel zu Ende. Damit haben sie ja auch Recht.

    Wird es zu mehr Protektionismus kommen?

    Trump wird sich sicher mit Deutschland auseinandersetzen. Er wird sich bestimmt eine Liste der Länder mit dem größten Außenhandelsüberschuss vorlegen lassen und da steht Deutschland ganz oben.

    In welchem Zustand befindet sich eigentlich die amerikanische Wirtschaft? Die USA gelten ja als das reichste Land der Welt.

    Reich schon. Die wirtschaftliche Entwicklung war auch in den letzten Jahren besser als in Europa, aber das ist ja keine Kunst, weil Europa ja selbst eine Katastrophe angerichtet hat in Sachen Wirtschaftspolitik. Die Entwicklung in den USA war allerdings auch nicht berauschend und kann verbessert werden. Wenn Trump sich wirklich trauen sollte, Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen für Infrastrukturprojekte, was ja sinnvoll ist bei null Prozent Zinsen, dann könnte er gewaltig was erreichen.

    Ganz ehrlich — kann ein einzelner Mann überhaupt so viel ändern am System? Werden nicht die Regeln ganz woanders gemacht, zum Beispiel an der Wall Street?

    Ja, das stimmt schon. Die Wall Street wollte ja Hillary Clinton, aber hat sich nicht durchsetzen können. Aber natürlich steht ein gewählter amerikanischer Präsident unter unglaublichem Druck von ganz vielen verschiedenen Seiten. Er wird da Mitstreiter brauchen. Er kann ja nicht alles alleine machen. Insofern sieht alles anders aus, wenn man erst mal im Amt ist. Viele seiner Sprüche vorher darf man nicht so ernst nehmen. Aber der Präsident kann schon eine andere Richtung vorgeben.

    Interview: Armin Siebert

    Themen:
    Donald Trump wird US-Präsident (182)

    Zum Thema:

    Weder Trump, noch Clinton: Die US-Politik wird von der Wall Street entschieden
    Trump stempelt US-Wirtschaft als „Fälschung“ ab
    Obama: Trump nutzt wegen der Wirtschaftstalfahrt frustrierte Amerikaner aus
    Mehr Russland, weniger Berlin-Brüssel – Was Deutsche von Trump erwarten
    Tags:
    US-Präsidentschaftswahl 2016, Donald Trump, USA, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    • avatar
      joergAntwort anmelanie_s(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      melanie_s, nun Trump hat mit Spekulationen Geld gemacht.Also nichts mit eingenen Händen oder so. Er kommt also genau aus dem Establishment das die Menschen nicht wollen.
    • avatar
      At_Tiffany
      Die Deutschen wollten die Agenda 2010 mit Hartz IV und Niedrigstlohnsektor nicht, belommen habe Sie es trotzdem

      Die Deutschen wollten den EURO nicht, belommen habe Sie ihn trotzdem.

      Die Deutschen wollten die Banlerbonirettung nicht, belommen habe Sie sie trotzdem.

      Die Deutschen wollten Griechenlandrettung nicht, belommen habe Sie sie trotzdem.

      Die Deutschen wollten Flüchtlingsrettung nicht, belommen habe Sie sie trotzdem.

      Die Deutschen wollten Russlandsanktionen nicht, belommen habe Sie sie trotzdem.

      ...und wenn die Deutschen nicht endlich was anderes als Blockparteien wählen, geht es munter so weiter.
    • EardwulfAntwort anAt_Tiffany(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      At_Tiffany, so sieht's aus. Die Liste kann man beliebig erweitern.
    • avatar
      meissner-hilden
      Die Deutschen wollten Altersarmut nicht, bekommen werden sie diese aber trotzdem.

      Die Deutshen wollten etwas ansparen für die Altersruhe, daraus wird wohl auh nix.

      Die Deutschen wollen Abrüstung und Frieden, bekommen werden sie das auch nicht.

      Die Deutschen wollen Volksentscheide (wie die Schweiz, ein souveränes Land) aber...
    • avatar
      richard.gerhardAntwort anAt_Tiffany(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      At_Tiffany, die Deutschen wollen auch keinen Krieg, bekamen ihn aber mit Jugoslawien.
    • sieben.worteAntwort anewdw(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      ewdw, so ist es. Viel hat sich seitdem nicht geaendert, nur dass die noch gieriger geworden sind.
    • avatar
      studAntwort anjoerg(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      joerg, Ich glaube du mußt an diesem Beitrag etwas ändern, oder setzt einfach die pillen ab. Mann ist das cool, ich habe die Lösung gefunden.
    • meshu
      --> BREXIT --> Trump als US Präsident -->

      Es wird Zeit dass der Wandel in Deutschland und der EU weitergeführt wird.

      Die deutschen Politiker mit US Affinität zu Clinton und Obama wollen die deutsche Propagandaindustrie weiter nutzen und die Kontrolle der Einwohner in Deutschland und der EU weiter ausbauen.

      Kanada soll mit Hilfe von CETA zur Ausbeutung, Versklavung und weiteren Ausbau der Rechtlosigkeit genutzt werden.

      Cui bono?
      Wem nutzt es?
    • avatar
      stephan.achner
      "Trump wird gegenüber Deutschland radikal reagieren": Sehr schön. Ich freue mich darauf, wenn Trump gegenüber dem Berliner Polit-Pack im Regierungs-Hochbunker so richtig radikal wird. Etwas anderes haben Merkel und Gabriel auch nicht "verdient".
    • avatar
      Oh Mann
      Nixon, etc, aber vor allen Reagan der SchauspielerPräsident und ´die Bush Sippe haben den Karren in den Dreck gefahren.
      Zeit für einen der sich in der Wirtschaft tatsächlich auskennt.
      Und das ist definitiv Trump.
      Schaut euch doch die Vollversagen in der BRD Politsatireebene an.
      Gabriel hat von gar nichts eine Ahnung, und davon ganz viel.
      So ein Dumpfkopf will Kanzler werden? Ich Kotze gleivh.
      Dann Steinmeier. genau der gleich Nullahnung Faktor.
      Und der Depp will/soll Bundespräsident werden?
      Ganz zu schweigen von den anderen, die ebenfalls völlig Ahnungslos ind.
      Dazu aber noch erschwerend Speichellecker.
      Aber jetzt haben die den falschen Stiefel geleckt.
      Und genau darum geht solchen Dummschwätzern jetzt der Arsch auf Grundeis.
      Ich geh erst wieder wählen, wenn ich auch so eine möglichkeit hebe.
      Dieses vorgesetzte Dummbatzenpack das sich Elite schimpft kann gar nicht gewählt werden. Es wird im nachinein legitimiert.
      Das sagt auch schon der Begriff Mandat aus.
      Gruss@all
    • Denk mit!
      Die Blase ist in der EU spezial in Deutschland sehr ausgeprägt, 80% der Bundesbürger sind absolut von den Medien Propagandisten, durch dauernde verdeckte Hirnwäsche
      verblödet, b.z.w. einseitig wie in der damaligen DDR, geschult worden. Wir haben Medienfreiheit, wir können uns, wenn wir es wollen, überall informieren.!
      Aber wer macht das? Lieber die Flimmerkiste einschalten, ist ja auch einfacher, und läßt sich von diesen Medien Propagandisten belehren! TOLL !!!!

      Ich weise darauf hin, das eigentlich die angrenzende Oststaaten die eigentlichen Kriegstreiber sind, weil sie immer wider betonen, der böse Russe greife diese Staaten an!
      Hier muss eigentlich Aufklärungsarbeiten geleistet werden, sonst bekommen wir einen III.WK !!!!
    • avatar
      joergAntwort anstud(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      stud, tut mir leid wenn ihnen die Weitsicht fehlt, da kann ich ihnen auch nicht helfen. Warten Sie mal die ersten Verhandlungen mit China ab und dann können Sie ihre Einwände einbringen.
    • avatar
      joergAntwort anstephan.achner(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      stephan.achner, ich glaube nicht das Sie verstandn haben was Trump eigentlich will. Aber mal ganz simpel für Sie: alle Importe nach Amerika will er soweit wie möglich einschränken und diese durch heimische Produkte ersetzen. Importe die er nicht vermeden kann, nun hierfür will er durch neue Handelsverträge Geld für den Schuldenabbau erhalten. Die Nato stellt er deswegen nur in Frage, weil er das Geld nicht zahlen will. Er will sich dies Geld von den anderen holen, damit er auch in Zukunft das gleiche machen kann, wie bisher. Was meinen Sie denn was das heisst wenn er sagt er würde Amerika wieder gross machen?
    • avatar
      joergAntwort anOh Mann(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Oh Mann, ein Beitrag der vor Beleidigungen und Unterstellungen nur so trotzt. Trump kennt sich mit der Wirtschaft aus, schon mal darüber nachgedacht wie Trump sein Geld verdient? Wachen Sie mal auf, durch Spekulationen , d.h. nicht an der Werkbank stehen und arbeiten.
    • avatar
      Eva
      Wünschenswert wäre, wenn Herr Trump sich zukünftig tatsächlich mit Präs. Putin ins Einvernehmen setzte. Vielleicht gelingt es dann auch, derartige Existenzen - siehe link- in Bausch und Bogen aus dem Amt zu fegen.
      z.B. www.civilpetition.de/kampagne/maas-ruecktritt/startseite/aktion/226832Z11837/? Eine Petition dauert m.E. zu lange und das Ergebnis ist ungewiss.
    • avatar
      At_TiffanyAntwort anjoerg(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      joerg,

      Du widersprichst Dir. Wenn Trump die Sanktionen aufhebt und dafür den Export nach USA aus Deutschland einschränkt, wird ein Schuh daraus, hebt sich gegen macht sich. Das ist nälich verdammt gefährlich für Russland, Russland kann seine Importe aus dem Öl und Gas bezahlen, nur wenn Russland mur Öl und Gas exportiert und alles an Konsumgütern importiert, gibt das eine Riesenarbeitslosigkeit in Russland, alle Länder, die von Öl und Gas leben gehen sonst wirtschaftlich am Stock: Norwegen, Grossbritannien und die Öl-Länder des nahen Ostens sowieso. Das mit den Rohstoffen ist ein vergiftetes Geschenk der Natur.
    • avatar
      joergAntwort anAt_Tiffany(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      At_Tiffany, nein das stimmt schon wie ich sage, Trump will durch neue "bessere" Handelsabkommen für Amerika den Handelsüberschuss nach Amerika verringer oder sich den zumindest in barer Münze bezahlen lassen. Mit diesem Geld will er dann die Amerikanischen Schulden bezahlen. Aber ein gutes wird die Sache haben, die Sanktionen nach Russland werden dann gewiss aufgehoben, oder meinen Sie wirklich man sucht sich keine Alternative für Amerika? Denken Sie mal in China mit dem riesigen Handelsüberschuss , die haben soviiel Dollar liegen, das glaubt man nicht. Meinen Sie wirklich wenn ein Mister Trump da herkommt und sagt ; also so geht das nicht ihr baut eure Ware in Amerika oder ihr lasst uns am Überschuss teilhaben, meinen Siedie werden jubeln? Trump meint er könne Regierungen "erpressen" warten wir mal ab, wielange das geht. Vermutlich wird Trump irgendwann ganz allein mit Amerika dastehen. Wenn im nächsten Jahr all die billigen Arbeitskräfte verschwinden, die es den Amerikaner leicht gemacht haben, dann sehen wir mal weiter. Dann muss die Frau oder der Herr des Hauses auch mal wieder selber Hand anlegen und ganz schlimm: man muss seine Einkäufe selber einpacken und einladen
    • avatar
      rikasulke
      Trumps Erfolg ist der Reaktions-Auswurf der Armen, der Vergessenen, der
      Arbeitssuchenden, der Hilfsbedürftigen, der Andersdenkenden, der politisch
      Ausgegrenzten! Auch wenn er nur dreissig Prozent verwirklicht und jenes
      verzementiert, reicht es aus, um dieses korrupte System ins Wanken und in
      Zukunft zum Einsturz zu bringen! Es geht nicht an, dass 50 Familien über
      80 % des USA-Kapitals verfügen! Die absolut gleichen Zustände sind in der
      BRD zu beobachten und zu registrieren und zwar präzise analog! Die Verarmung
      der Alten, die Verarmung der Kinder, die Verlodderung und Demoralisierung
      der Gesellschaft hat krankhafte Formen angenommen, die es gilt zu stoppen
      und zu verändern, noch bevor das Alte für immer gegangen ist! Die Antwort
      nur heissen, andere Parteien zu wählen, als der bisher bekannte Schrott, der
      sich nur periodisch vermischt, aber immer niemals ändert! Weg mit diesen
      Parteien! Die Partei, die nicht per Gesetz bereit ist, das Volk in wichtigen Dingen,
      in verständlicher Art und Weise zu befragen, diese Partei sollte nicht mehr
      gewählt werden.
    • isaac
      Den haben sich die globalen Geldsäcke redlich verdient. Es wird ZEIT darüber nachzudenken, wo ich besser aufgehoben bin. Dreimal darf man raten.
    • isaacAntwort anmeissner-hilden(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      meissner-hilden, ... und das alles nur, weil Conny Cadenabbio sagte, von diesem Boden wird niemals wieder ein Krieg beginnen. Gut, der heutigen Lesart wg. muß umgedacht werden. Es muß heißen: keine "Angriffskriege" mehr ausgehen. Es sind halt nur Defensivkriege, die andern haben Schuld, also muß sich Deutschland doch verteidigen wollen. Das darf man doch wohl noch sagen dürfen. Frei dem Motto, liberal, ganz egal und den Rest sollten dieselben auch auslöffeln dürfen. Wohl bekomm's. Bon Apétite.
    neue Kommentare anzeigen (0)