20:35 30 März 2017
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    Neue Studie: Milliardenschaden für deutsche Wirtschaft durch Russland-Sanktionen

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    Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass durch die von der EU verhängten Russland-Sanktionen allein in Deutschland ein Schaden von Milliarden Euro entstanden, Firmen insolvent und Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Einer der Autoren der Studie, Professor Udo Ludwig von der Universität Leipzig, sieht vor allem den Maschinenbau betroffen.

    Herr Prof. Ludwig, wie hoch ist geschätzt der Schaden durch die Russland-Sanktionen für Deutschland?

    Allein in den Jahren 2014 und 2015 kam es zu einem Exportverlust nach Russland von etwa 7,5 Milliarden Euro. Das ist der Verlust, der allein auf die Sanktionen zurückzuführen ist.

    Welche Bereiche und Warengruppen sind besonders betroffen?

    Es wurden ja von beiden Seiten Sanktionen ausgesprochen. Von europäischer und damit auch von deutscher Seite betreffen sie insbesondere militärische und sogenannte Dual-Use-Güter, die sowohl militärisch, als auch zivil genutzt werden können. Außerdem sind eine ganze Reihe von Maschinen und Anlagen betroffen, die in einer Beziehung stehen zur Öl- und Gasförderung. Von russischer Seite wurde als Sanktion ein Import von Nahrungsgütern aus der EU ausgesprochen.

    In einer Rangfolge der betroffenen Bereiche würden ganz oben die Maschinenbauer stehen und eher am unteren Ende die Hersteller von Nahrungsgütern.

    Also schaden die EU-Sanktionen gegen Russland der EU mehr als die Sanktionen von russischer Seite?

    Das ist genau so. Der Grund dafür ist, dass die Herstellung von Maschinen und übrigens auch von Kraftwagen oder Autos, die indirekt mitbetroffen sind, über die Zulieferindustrie viel stärker verflochten ist innerhalb der deutschen Wirtschaft. Über diese indirekten Effekte sind die Schäden  für die Maschinenbauer bedeutend höher als bei Nahrungsgütern, die in erster Linie aus der Landwirtschaft kommen.

    Und regional, gibt es Bundesländer, die besonders betroffen sind?

    Das steht zwar nicht in der Studie, aber das habe ich auch separat untersucht. Es hat sich herausgestellt, dass die sächsischen Maschinenbauer überdurchschnittlich stark betroffen sind.

    Sind ganz konkret Arbeitsplätze weggefallen durch die Sanktionen? 

    Es gab einige Insolvenzen aufgrund der Sanktionen. Da sind natürlich Arbeitsplätze weggefallen. Den meisten Firmen ist es allerdings vorläufig gelungen, Alternativen zu finden, indem sie auf andere Märkte gegangen sind. Sie waren gezwungen, sich neu zu orientieren. Es ist ja eh so, dass die Firmen ihre Kunden diversifizieren, um nicht nur von einem Markt abzuhängen.

    Hoffen die betroffenen Firmen weiter auf eine Aufhebung der Sanktionen?

    Man wartet und hofft. Die russische Wirtschaft kommt ja auch langsam wieder aus der Rezession. Die Nachfrage, auch in den Bereichen, wo Deutschland stark ist, wie dem Maschinenbau oder dem Automobilbau, wird wieder steigen. Und was die Sanktionen betrifft: das, was weg ist, kann ja nicht nochmal wegfallen. Die sanktionierten Güter wurden ja nicht mehr hergestellt. In dem Bereich müsste also die Talsohle erreicht sein. Die Sanktionen werden ja sicher irgendwann wieder aufgehoben werden. Und dann ist die Chance da, wieder auf dem russischen Markt aktiv zu werden. Allerdings dürfte das dann schwieriger werden, weil auch die Russen inzwischen Importsubstitution betrieben haben. Allerdings hat Deutschland hochspezialisierte Maschinen im Angebot, mit denen wir immer gute Chancen auf dem Weltmarkt haben.

    Meinen Sie, die Sanktionen haben die russisch-deutschen Handelsbeziehungen nachhaltig geschädigt?

    Sie waren sicher in den letzten drei Jahren eine Belastung und können durchaus auch nachhaltig für Schaden für die deutschen Hersteller gesorgt haben, weil sich die Marktlücken für sie in Russland geschlossen haben und von anderen Herstellern aus Russland oder aus Ländern, die keine Sanktionen ausgesprochen haben, gefüllt wurden. Insofern kann man schon von nachhaltigem Schaden reden.

    Sanktionen dienen ja eigentlich dazu, einem anderen Land zu schaden. Schneiden sich die EU und Deutschland nicht mit diesen Sanktionen ins eigene Fleisch?

    Rein wirtschaftlich gesehen, ja. Aber die Sanktionen wurden ja aus politischen Gründen verhängt. Es ist natürlich dabei die Frage, ob politische Ziele mit wirtschaftlichen Sanktionen erreichbar sind.

    Interview: Armin Siebert

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    Russland-Sanktionen (476)

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    Tags:
    Sanktionen, EU, Udo Ludwig, Russland, Deutschland
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    Alle Kommentare

    • R. Lee Ermey
      Da muss man den Russen ja wirklich dankbar sein, dass sie uns zu dieser selbstzerstörerischen Aktion genötigt haben sie zu sanktionieren.
      Nicht auszudenken wenn wir zu dem ohnehin schon überragenden wirtschaftlichen Erfolg der letzten 2 Jahre noch die Milliarden aus nicht erhängten Sanktionen erwirtschaftet hätten. Wir wären ja förmlich abgehoben!
      Deswegen: Danke Russland!
    • Гражданин
      Dann hat die Mutti es noch vor der Wahl geschafft, Deutschland an den Abgrund zu führen.
      Nächstes Jahr um die Zeit ist Germany einen Schritt weiter ;-)
      Die Deutsche Wirtschaft muss mal getrumpt werden :))
    • EardwulfAntwort anR. Lee Ermey(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      R. Lee Ermey, hehe, witzig, du sprichst von "Wir" und überragenden wirtschaftlichen Erfolg. Da Frage ich mich doch, wie Wahlergebnisse, wie jüngst in den USA zustanden kommen, wenn es "uns" so wahhhnnnsiinniiigggg gut geht.
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      palmakunkel
      So sieht Merkels Politik, Deutschland zu dienen, im Bereich Wirtschaft aus. Außenpolitisch exekutiert sie mit der NATO-Bundeswehr an Russlands Grenzen keine friedenserhaltende Maßnahmen. Sie steht nun mal für Gesockse!
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      bluegreen
      Das macht doch nichts.
      Da für haben die USA ihren Export nach Russland um ca 12% erhöht.
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      billyvor
      Wenn eines Berlin nicht interessiert, dann sind es solche Studien.
      Da wird durchregiert.
      Nur nicht von Tatsachen verwirren lassen, wenn man geschworen hat dem "deutschen Volk zu dienen"..... . Basta! :-[
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      private125
      Diese Frau Dr. Merkel ist eben der personifizierte Schaden. Schon ihre bloße Anwesenheit ahnt nirgendwo etwas Gutes. Nur die USA freuen sich jetzt über so viel inkompetenz und Ignoranz.
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      hans-martin-knapp
      das Thema Schaden für die deutsche Industrie hatte Frau Merkel bereits vor einigen Jahren brilliant gelöst: auf die Frage eines EU-Parlamentariers in Sachen Zukunft erklärte Frau Merkel folgende: Gleich ob die Arbeitslosenrate stark ansteigen würde (sie hatte damals eine sehr hohe Ziffer genannt, habe diese aber vergessen), ober ob 25% derdeutschen unternehmen insolvent würden, wirwerden uns unseren Traum von Europa nicht nehmen lassen. Dieser Traum scheint ja ein Alptraum geworden zu sein, falls nicht eine Wende eintritt. Könnte es sein, dass man einfach jetzt die Augen schließt und sagt:weiter so wie vor den Sanktionen? Es wäre von Vorteil, zumal ja viele Exporte nach England wegfallen werden nach dem angekündigten Brexit! Was bei Frau Merkel zählt ist der Wind nach dem sie sich ausrichtet und biegt und kriecht. Das nennt man Realpolitik wenn es einem in den Kram passt oder passen muß.
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      nva fallschirmjäger
      Bei uns haben grosse Hersteller von landwirtschaftlichen Maschinen ihre Produktion nach China verlegt und hier massiv Personal entlassen oder nach China entsand.Dort werden jetzt die gleichen Produkte hergestellt und nach Russland geliefert wie vorher aus Deutschland.Eine ganz hervorragende Politik unserer Volksverbrecher in Berlin!
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      Thomas
      Wird dann alles am Sozialstaatsgarantiegebot weggeschliffen. Für Bankenrettung und Waffen zur Ausrüstung deutscher Krieger mit globaler Marschrichtung hat der Bundesfinanzminister immer ausreichend Geld.
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      ThomasAntwort annva fallschirmjäger(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      nva fallschirmjäger, weil die sich hier nicht an chinesische Löhne gewöhnen können. Die CDU/SPD/CSU ist aber auf dem besten weg dahin.
      Wem die dann noch hier etwas verkaufen können wissen die noch nicht. Aber der Weg zur Zerschlagung des Gleichgewichtes von Produktion und Verkaufbarkeit der Produkte, ist äußerst profitabel. Es gehen auch Schuldscheine mit Zinsen zur Bezahlung, deren Gewinnerwartung bei Banken dann auch im Keller als Vermögen verbucht werden.
      Sorgen sollte sich Russland zum Beispiel gerade deswegen auch um die teilhabe der Allgemeinheit am Wirtschaftserfolg der Realwirtschaft machen, der sichtbar ist.
    • Germane
      Der Schaden für den "Werte-Westen" kann gar nicht hoch genug sein.
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