19:27 24 November 2017
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    Sind Trumps Wirtschaftspläne trotz US-Überschuldung machbar? – Diskussion in Moskau

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    Wirtschaft
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    Die gegenwärtige Überschuldung der USA lässt aus der Sicht des Wirtschaftsexperten Michail Chasin das Versprechen des designierten Präsidenten Donald Trump, die nationale Wirtschaft anzukurbeln, kaum verwirklichen. Aber er nennt auch einen Ausweg.

    „Bei einem Null-Prozent-Kredit wird das Kapital nicht reproduziert. Man müsste den Zinssatz anheben“, erläuterte Chasin auf einer Veranstaltung des Sinowjew-Klubs in Moskau. „Wegen der immensen Verschuldung des Landes kann man das aber nicht machen. Deshalb sollte man Körperschaften und Haushalte lieber ein Insolvenzverfahren passieren lassen und  ihnen die Schulden erlassen.“

    Wo ist eigentlich das Problem?

    Das Problem der weltweiten Wirtschaftskrise sei eigentlich eines der Nachfrage, die „durch emittiertes Geld gefördert wurde“, sagt der Präsident der Consultingfirma Neokon. In den bisherigen Äußerungen Trumps sieht er eine einfache wirtschaftliche Logik: Man hebt den Zinssatz und bewirkt dadurch eine massive Insolvenz. „Bei der Erhöhung des Zinssatzes stürzen aber auch übernationale Finanzinstitute ein, sie verschwinden und der Dollar hört auf, ein Anlageinstrument zu sein“, so Chasin. „Da bleibt die Einführung regionaler Investitions- und Emissionswährungen die einzige Ersatzmöglichkeit für alle Länder der Welt, da die Monetisierung bei allen regionalen Währungen äußerst gering ist, und der Dollar immer an ihrer Stelle Anwendung findet.“

    Chasin warnt weiter vor einem Zerfall der Welt in Währungszonen. Trump sehe darum sowohl in Russlands Präsidenten Wladimir Putin als auch in dem chinesischen Staatschef Xi Jinping oder auch anderen potentiellen regionalen Führungskräften einfach nur „Partner zur Herstellung der Ordnung“. „Wenn Russland in dieser Situation dieser Logik entspricht, gelingt uns eine Einigung mit Trump. Wenn nicht, dann eben nicht“, betont Chasin.

    Dollaremission als Grundstein der US-Wirtschaft

    Der Kern der Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft liege, so der Wirtschaftswissenschaftler darin, dass „diese seit Beginn der ‚Reaganomics‘ 1980 über die Dollaremission erfolgte und mit einem Schuldenanstieg einherging. Das gesamte Wachstum der Weltwirtschaft ist stets nur eine Umverteilung der amerikanischen Emission. Dieser Prozess wird von IWF, WTO und anderen Bretton-Woods-Institutionen kontrolliert. Jede Emission, deren Legalisierung auf dem Anwachsen der immer wieder refinanzierten Schuld basiert, kann nur fortbestehen, wenn der effektive Zinssatz sinkt.“

    Chasin erläutert das so: „1980 betrug der Zinssatz der Bank der Federal Reserve 19 Prozent, im Dezember 2008 fiel er auf null. Die Durchschnittsverschuldung eines amerikanischen Haushalts hatte sich zwischenzeitlich einmal sogar mehr als verdoppelt, von 60 auf 130 Prozent des Jahreseinkommens. Jetzt ist sie auf 120 Prozent zurückgegangen, was trotzdem extrem hoch ist. Und diese Schuld lässt sich bei erhöhten Zinsen überhaupt nicht mehr begleichen.“

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    Der Zinssatz dürfe also nicht angehoben werden, wenn man das ganze System nicht zerstören wolle, schlussfolgert der Experte.

    Der Rektor der Moskauer Handelshochschule, Sergei Baburin, gab diesbezüglich zu bedenken, dass die Lösung innerer Probleme Amerikas durchaus auch einen Krieg nach außen bedeuten könne. „Schon unter Obama hat es Versuche gegeben, die Lösung der eigenen Probleme anderen aufzubürden. Nun ist also wieder eine Ausdehnung der von den USA geführten Kriege möglich.“

    Beim Alexander-Sinowjew-Klub der Nachrichtenagentur „Rossiya segodnya“, der zu Ehren des bedeutendsten postsowjetischen Marxisten, Kritikers des globalen Kapitalismus und zu Sowjetzeiten bekannten Dissidenten gegründet wurde, handelt es sich um eine Plattform für Wirtschaftswissenschaftler, Soziologen, Politologen und Experten anderer Fachgebiete mit unterschiedlichen politischen Ansichten, die zusammenkommen, um aktuelle Gegenwartsprobleme zu erörtern.

    Von der jüngsten Sitzung des Klubs berichtete Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin.

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    Sinowjew-Klub, Donald Trump, USA
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