03:08 18 Oktober 2018
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    Hansjürgen Overstolz, Präsident und Generaldirektor von „Robert Bosch“ in Russland

    Präsident von Bosch in Russland: „Wir haben uns in dem Umfeld gut geschlagen“

    © Foto : Bosch
    Wirtschaft
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    Hansjürgen Overstolz, Präsident und CEO von Bosch in Russland, hat im Gespräch mit Sputnik seine Eindrücke über das erste Jahr seines Aufenthalts in Russland zusammengefasst. Als eigenes Empfinden hob Overstolz den aggressiven Verkehr in Moskau, die Begeisterungsfähigkeit der Menschen, die große Kraft und Lebendigkeit der Gesellschaft hervor.

    Obwohl die wirtschaftliche Situation in Russland noch angespannt sei, sehen die Aussichten für das Jahr 2017 schon besser aus, betonte Overstolz. „Wir haben uns in dem Umfeld eben gut geschlagen. Trotz der negativen Rahmenbedingungen konnten wir den Euro-Umsatz halten. Es ist uns gelungen, auch in diesem Jahr unser Geschäft in Rubel auszubauen und Marktanteile dazuzugewinnen.“

    Unerwartet und neu sei der Lebensrhythmus gewesen, der höher sei, als er das ursprünglich eingeschätzt habe. Die große Kraft und Lebendigkeit in der Gesellschaft habe ihn positiv überrascht, insbesondere die hohe Emotionalität in verschiedenen Diskussionsveranstaltungen.

    Was die Einwirkung der internationalen Politik auf die Weltwirtschaft betreffe, so gebe es eine große Unruhe in der Gesellschaft — nicht in Europa, sondern weltweit, betonte Overstolz.  Den Menschen mangele es an Sicherheit. „Politische und gesellschaftliche Verunsicherung ist schädlich für die Wirtschaft, das führt zu einer Belastung der Weltwirtschaft und zu geringeren Wachstumsraten.“

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    Die Wirtschaft sei heute von den Sanktionen betroffen, aber direkt betroffen sei Bosch weniger. „Vor allem, weil wir im Land produzieren, in unseren Werken. Deshalb sind wir nur punktuell berührt worden. Der indirekte Einfluss ist schon da. Die Finanzierungsmöglichkeiten haben sich für unsere Kunden erschwert, und das spüren wir. Trotzdem haben wir es geschafft, die Beschäftigung von etwa 3 600 Mitarbeitern in Russland zu halten.“

    Bosch bietet hochtechnologische Produkte aus der eigenen Firma an, was laut Overstolz der entscheidende Wettbewerbsvorteil ist. Sieben Werke wurden in Russland bereits von Bosch eröffnet. Die ersten Boschprodukte gab es in Russland übrigens schon 1904. „Und auch heutzutage glauben wir wie seinerzeit an das Land, an das riesige Potenzial. Wir wollen profitabel wachsen, unsere Marktanteile ausbauen und, was ganz wichtig ist, wir wollen den Lokalisierungsanteil ausbauen.“

    Overstolz lebt in Moskau und verbringt gerne seine freie Zeit in Museen und Konzerten. Er besucht den Kremlpalast, das Konservatorium und  die Stiftung von Rostropowitsch.  „Das vergleiche ich mit einem guten Wein, den Sie dort trinken müssen, wo er hergestellt wird. So ist es auch mit der russischen Musik. Tschaikowski muss man hier in Russland hören. Dann erst entfaltet sich die ganze unglaubliche Kraft dieser Musik. Das ist das, was ich sehr schätze und was mich mit diesem Land ganz persönlich verbindet.“

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    Tags:
    Robert Bosch GmbH, Hansjürgen Overstolz, Deutschland, Russland