08:48 20 Januar 2017
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    Crash für 2017 vorprogrammiert? - Finanzexperte Wolff warnt vor „bösem Erwachen“

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    Wirtschaft
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    Die Weltwirtschaft wird 2017 weiter wachsen - so lauten zumindest die Prognosen. Der Finanzexperte Ernst Wolff warnt dagegen vor einem Crash. Das Hauptproblem ist das weltweite Finanzsystem, in das immer mehr Geld gepumpt wird. Auch die EU könnte ins Wanken geraten. Entscheidend für Russland und die USA ist dagegen der Ölpreis.

    Herr Wolff, die Prognosen für die Wirtschaft sind eigentlich für die wichtigsten Märkte der Welt recht gut. Sehen Sie das ähnlich?

    Das sehe ich anders. Ich denke, dass 2017 das Jahr des bösen Erwachens werden wird. Es gibt zu viele künstlich aufgeblähte Blasen an den Märkten. Die Zentralbanken pumpen unendlich viel Geld in die Märkte und halten sie so am Leben. Das ist nichts, was aus der Realwirtschaft entsteht oder durch normales Wachstum erzeugt wird.

    Die Wirtschaft denkt ja ganz gern mal, wir könnten prima wirtschaften, wenn da nicht die Politik wäre. Und da ist die Stimmung ja sehr unsicher: Terrorismus, Flüchtlinge, Populismus. Inwieweit kann das die Wirtschaft erschüttern?

    In großem Maße kann sie das. Die Zunahme von Terrorismus hängt ja unmittelbar mit Politik zusammen. Der Terrorismus im Nahen Osten ist ja vor allem durch die Politik der USA und ihrer Verbündeten in der Nato entstanden. Meine große Befürchtung ist, dass es im Nahen Osten in diesem Jahr zu einem ganz großen Krieg kommen wird. Der Ölpreis muss in die Höhe getrieben werden und das geht am besten, indem man Ölquellen im Nahen Osten zerstört. Donald Trump wird die amerikanische Politik in diese Richtung verändern. Er wird Russland aus dem Fadenkreuz nehmen und den Fokus Richtung Naher Osten verschieben.

    Aber Deutschland ist nach wie vor und trotz einer Millionen Flüchtlinge gut aufgestellt wirtschaftlich?

    Wir haben auch große Probleme, aber die kommen bei den meisten noch nicht zum Tragen. Erinnert sei an die Probleme bei der Deutschen Bank und bei VW. Und 25 Prozent der Menschen in Deutschland arbeiten im Niedriglohnsektor. Die soziale Schere weitet sich. Das sind schon Probleme, die spätestens bei den nächsten Wahlen zur Sprache kommen werden.

    Die Flüchtlingskrise ist ja auch nicht gelöst. Noch dient die Türkei als Bollwerk. Aber wenn es zu weiteren Kriegen im Nahen Osten kommt, kann auch die Türkei all diese Menschen nicht mehr aufhalten. Dann wird es eine weitere große Flüchtlingswelle geben. Es sei denn, diese Kriegspolitik wird beendet.

    Wird die EU 2017 ins Wanken geraten und wenn ja, an welchen Ästen dürfte besonders gesägt werden?

    Ins Wanken bringen wird die EU die schwierige Situation der Banken und der Staatshaushalte in Südeuropa. Ländern wie Griechenland, Portugal, Spanien und vor allem Italien werden künstlich am Leben erhalten. Die EZB druckt zurzeit 80 Milliarden Euro im Monat, also über eine Billion, die sie in den letzten anderthalb Jahren ins System gepumpt hat. Das Ergebnis eines solchen Vorgehens kann nur das Zerplatzen des gesamten Systems oder eine Hyperinflation sein.

    Der Brexit ist ja noch gar nicht richtig umgesetzt worden. Wird das 2017 kommen und Einfluss auf die EU haben?

    Ich glaube nicht, dass der Brexit umgesetzt werden wird. Da kann man sehen, dass der Wille des Volkes in den angeblichen Demokratien nicht mehr entscheidet. Den Leuten wird immer wieder Sand in die Augen gestreut und gesagt, demnächst werden Maßnahmen ergriffen. Bisher ist nichts geschehen. Ich glaube, es wird alles getan werden, um den Brexit nicht durchzuführen. Wenn jedoch nun auch in Italien oder Frankreich Regierungen an die Macht kommen werden, die ihre Länder auch aus dem Euro herausholen wollen, wird es zu einer Implosion der EU kommen.

    Wir schauen hier ja meist nur auf die EU oder auf die USA. Dabei scheint China immer mächtiger zu werden und auch Russland hat sich wieder gefangen.

    Russland hat einen guten, niedrigen Schuldenstand, verglichen mit den westlichen Ländern. Aber Russland leidet natürlich auch unter dem niedrigen Ölpreis. Ich glaube, auch die Begeisterung, die im Moment noch in Russland für Trump besteht, hängt damit zusammen, dass Trump alles für einen höheren Ölpreis tun wird.

    Hillary Clinton war ja diejenige, die den Krieg gegen Russland provozieren wollte. Trump ist da mehr auf der Linie eines "new realignement with Russia", eines neuen Auskommens mit Russland. Es ist sicher positiv für Russland, dass sie nicht mehr Hauptkriegsziel der Amerikaner sind. Und wenn die USA Krieg führen im Nahen Osten, würde ja auch Russland profitieren vom ansteigenden Ölpreis.

    Und China ist der lachende Dritte?

    Noch haben sie atemberaubende Wachstumsraten, aber auch das funktioniert nur noch durch ein arg manipuliertes Bankensystem. Da gibt es einen riesigen Schattenbankensektor und eine manipulierte Börse. Mit normalem Marktgeschehen hat das in China auch nichts zu tun.

    Das gesamte weltweite Finanzsystem steht auf sehr tönernen Füßen. Ob es schon 2017 zusammenbricht, lässt sich aber noch nicht sagen.

    Interview: Armin Siebert

     

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    Tags:
    Zusammenbruch, Weltwirtschaft, Prognose, Ernst Wolff
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    Alle Kommentare

    • Germane
      Ein kompletter Crash könnte vieles bereinigen !
    • boroser1502
      Viele Menschen sind keine Finanzexperten.

      Dennoch spüren viele, dass der Finanzcrash nur eine

      Frage der Zeit sein kann. Grund:

      Der Mix aus nicht eingehaltenen Versprechungen, Gier,

      Schuldenbergen, Manipulation und Täuschung kann

      niemals ein gutes Resultat bringen. Alle wissen das!
    • Niko Bellic
      Zum Jahresbeginn werden traditionsgemäß mal wieder Ängste geschürt. Das kurbelt die "angeschlagene" Wirtschaft an. Da die meisten Menschen mehr an ihrem Geld als an Jesus Christus hängen - werden sie jetzt aus Angst vor dem Crash ihr erspartes auf den Kopf hauen. Stupide Geschäftsidee wenn man wie in meinem Fall - ohnehin nicht dem Geld hinterher rennt und auf die Arbeitgeber nicht angewiesen ist. Um von Jesus Christus angenommen zu werden - brauche ich nicht viel Geld zu verdienen. Die Arbeitgeber können ihr wertloses Papiergeld behalten. Ewiges Leben gibt es bei Jesus Christus und dieses bekomme ich genauso wenn ich ein kleines Einkommen habe. Zumal man auf der neuen Erde ohnehin kein materielles Papiergeld mehr benötigt, da man dort alles geschenkt bekommt. So asozial wie auf dieser Erde - geht es bei Jesus Christus auf der neuen Erde nämlich nicht zu.
    • boroser1502
      Der Finanz- Crash wäre vielleicht auch eine grosse

      Chance für die Menschen.

      Der Egoismus und der Materialismus gibt vielen

      Menschen ohnehin keinerlei Zufriedenheit!
    • joerg
      nun ja wieder mal düstere Prognosen, das war klar und wenn es geht alles gut gemischt. Nicht erwähnt wird, das sich der Euro trotz aller Versuche von diversen Leuten nicht so schnell "kaputt" machen lässt. Er schwächelt zwar, doch das ist auch kein Wunder. Andere Währungen sind bei wesentlich weniger viel mehr ins Schwanken geraten, schauen wir mal in die Türkei, England und Russland. Gewiss wird sich dort auch die Währung wieder erholen, doch das dauert .
    • Ullrich Heinrich
      Was qualifiziert diesen Typen eigentlich zum "Experten"? Seine Vita jedenfalls gibt keinen Aufschluss.
    • rex2zwei
      Ein Crash nehmen wir als plötzlich fallende Preise auf Börsen oder anderen Märkten, sinkenden Wechselkurs oder Geldentwertung wahr. Setzt man den Markt außer Kraft, dann erkennen wir keine plötzlich fallenden Preise. Ich bin mir sicher, dass die kapitalistischen Zauberlehrlinge den Crash weitgehend beherrschen. Damit meine ich nicht, dass sie die Realwirtschaft beherrschen.
    • moessingen
      Das Problem ist seit langer Zeit bekannt und hat sich über Jahrzehnte entwickelt: Entkopplung des Dollars vom Gold durch Nixon und liquidierung des Trennbankensystems unter Clinton 1999. Lösung: Zurück zu dem was einstmals über Jahrzehnte gur funktionierte und nur durch die Räuberbande aus Wallstreet und City zerstört wurde. Der US-Kongreß wird bald handeln, Trump hat die Restaurierung des alten Trennbankensystems zu seinem Wahlkampf gemacht.
    • hvatzigen
      Gratulation kompetente Ausführungen.
      Letztlich entscheidend ist die Summe der
      Faktoren positiev und negatiev im Abgleich.
      Dummerweise haben die Negatiev-Faktoren
      ein erhebliches Übergewicht.
      Ei ei da ist denn mal ein sehr unappetitlicher
      Kuchen zusammengepappt, Mahlzeit oder was?
    • hvatzigenAntwort anGermane(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Germane,
      Da würde ich mich nicht zu früh freuen.
      Ohne happige Blessuren geht so etwas nicht
      über die Bühne.
      So einfach mal Resetten geht nicht,
      das sehen leider zu viele rechlich naiv.
    • hvatzigenAntwort anboroser1502(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      boroser1502,
      Ja sicher man kann die Sache auch Mystisch,
      Schamanistisch angehen.
      Obs hilft??? Glaube macht bekanntlich selig.
    • Thomas
      Warum machen die sich immer von irgend welchen speziellen Rostoffpreisen so sehr abhängig?

      Viele Länder haben nicht unter der Erdkruste solche Guthaben und können trotz dem wirtschaften, wenn das Geld und die Produkte im Land dank Bevölkerungseinkommen wechseln (akkumulieren). Das Kapital gehört zur Befreiung der Menschen in der Gesellschaft gefesselt, damit gesellschaftlicher Erfolg nicht ohne sozialverplichtende Steuern auf dem Globus zur betrügerischen Spekulation Gassi geführt wird.
      Mit etwas mehr Wirtschaftsgerechtigkeit kann man doch Akkumulation aufrechterhalten. Schluß mit Stuß.
      Wenn jedes Land mehr exportiert, als es importiert, müßten öfters Schiffe versenkt werden das das funktioniert.
      Wenn Waren hergestellt werden, muß auch für das Einkommen zum Erwerb gesorgt werden, damit das alles akkumuliert.
    • reiner tiroch
      das Märchen vom Wachstum hören wir bei genauer Betrachtung schon seit vielen Jahren! was vehement verschwiegen wird ist die Tatsache, dass jedes Jahr die ach so guten Prognosen und Zahlen bis auf 0,1% berichtigt werden müssen. wir haben Deflation was der Elite furchtbar stinkt. und Draghi haben wir es zu verdanken, dass die erzwunge Inflation sich massiv auf den Bürger auswirkt. ich sage nur, jedes Jahr Strompreise um 25% anheben, Krankenkassen wollen 50.-€ mtl. mehr, Renten versteuern ohne Ende, Pflegevers, trotz zusatzversicherung immer teurer, Altenheime nebst aller Leistungen mußt du schon über 100.-€ mtl. privat dazuzahlen, usw. danebst werden wir artig in den großen Krieg gelogen, gell?
    • Ralf
      das sagt Lyndon LaRouche schon seit 1994...
      toller Experte der das nun auch schon langsam mitbekommt
      (vielleicht hat er es von den Spatzen gehört)

      Man sollte sich aber auf diesen Crash nicht so sehr freuen,
      nach dem letzen Zusammenbruch (von Venedig) im Jahre 1342
      kamen 100 Jahre, die man später als tiefstes Mittelalter bezeichnet hat.
      (Überlebensrate 35%)
    • Thomas
      China?: ... arg manipuliertes Bankensystem. Da gibt es einen riesigen Schattenbankensektor und eine manipulierte Börse. Mit normalem Marktgeschehen hat das in China auch nichts zu tun.
      Die Erfindung von Werten mit Gelddruck und Schuldverschreibung zur Vorteuschung von Werten mit eingeredeten Werten, trifft ja wohl jede Bank.
      An welcher Börse werden Werte nicht manipuliert?
      Das ist das wichtigste an der Börse, der Manipulationsanstalt.
      Was ist normales Marktgeschehen?
      China hat große Potentiale in der Produktion, und dem Export für zu geringe Preise.
      Der eigene Markt ist gestört, weil Einkommenszahlungen für die Bedarfssteigerungen am eigenem Markt fehlen.
      Wo der Bedarf groß ist fehlt es am Einkommen, sich produkte zu erwerben und so zu produktionssteigerungen zu gelangen.
      Mit Rückgang der Einkommen in der breiten Fläche werden für Exporteure die Absatzorte gefährdet.
      Und genau da ist das Problem der Krise festgefahren.
      Mit mehr Einkommen in der Masse wird die Realwerterschaffung angekurbelt.
      Aber genau an dem Punkt wollen mächtige Türme das Sahnehäubchen nicht in die Fundamente ihrer Türme drücken.
      Wenn Reichtum Macht bekommt, wird es schwierig, jemanden davon zu überzeugen es für die Rettung vor dem Einsturz Kapitalmasse dahin zu stopfen, wo die es bis zur Gefährdung der Wirtschaftsstatik herausgerissen haben.
      Also soll das Prinzip Gewinne Privatisieren und Schulden sozialisieren dafür herhalten, was den Realmarkt weiter zerschlägt.
      Glaube, dass es schon vor eingen Jahren zu spät war, in dem Bereich wirksam umzulenken.

      Gerade jetzt wird das gemacht, was die Wirtschaft, die ökonomische Akkumulation zwischen den Menschen, noch weiter zerschlägt.

      Das führt zur absoluten gesellschaftlichen Krise. Nicht nur zur Krise im Bereich der politischen Ökonomie.
    • BUO
      Diesen Crash sagt Herr Wolff schon seit Jahren voraus. Für mich ist das kein Experte.
    • boroser1502
      Man redet immer von Wachstum der Wirtschaft.

      Erstens gibt es kein oder kaum Wachstum mehr

      (ausser den Schulden) und zum anderen würde

      Wirtschaftswachstum auch nicht mehr helfen, denn

      zu wenige werden am Erfolg beteiligt (Billiglohn- Jobs).

      Nun kommt die Angst vor dem Ergebnis der eigenen

      Fehler und der eigenen Gier. Die Rechnung zahlen wir

      dann ungerechterweise alle zusammen.

      Früher oder später kommt der Finanz- Crash mit dem

      Run zu den Supermarkt- Regalen - vermutlich eher

      früher als später!
    • irrenhaus _
      Bim Wort "Hyperinflation" habe ich aufgehört zu lesen. Absoluter Quatsch, dafür müssten ja die Löhne nach oben schießen. Das ist aber nicht gerade das Problem, unter dem viele Menschen Europas leiden.
    • moessingenAntwort anBUO(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      BUO,
      die Vorherrsage ist korrekt aber echte Lösungsansätze fehlen. Und Sie haben erst recht keine!
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