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    Finanzexperte Wolff: Wir erleben im Moment einen Kampf zwischen CIA und FBI

    © Foto: Jimmy D. Shea
    Wirtschaft
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    Die USA überziehen vor allem deutsche Firmen mit Milliarden-Klagen. Gleichzeitig gehen amerikanische Firmen aggressiv in Europa vor. Dies klingt nicht mehr nach TTIP-Glückseligkeit, sondern eher nach Handelskrieg. Wird sich dies unter Präsident Trump ändern? Und sollte Europa härter vorgehen gegen Google & Co?

    Mit diesen Fragen wandte sich Sputnik-Korrespondent Armin Siebert an den Wirtschafts- und Politik-Experten Ernst Wolff, Autor des frisch erschienenen Buches "Weltmacht IWF: Chronik eines Raubzugs".

    Herr Wolff, zurzeit erreichen uns bald wöchentlich Meldungen über Klagen aus den USA gegen deutsche Firmen und Banken. Ist es Zufall, dass das jetzt so geballt auftritt?

    Das ist kein Zufall. Man muss das im Kontext des Niedergangs der US-Wirtschaft sehen, die versucht, einem ihrer Hauptkonkurrenten, der EU und konkret dem stärksten Land innerhalb der EU zu schaden. Diese ganzen protektionistischen Maßnahmen haben ja bereits unter Obama begonnen und werden unter Trump verschärft werden.

    Besonders die Deutsche Bank und VW sind oft im Fokus von Milliardenklagen. Warum gerade diese beiden? Weil es besonders dicke Fische sind oder weil sie besonders viel Dreck am Stecken haben?

    Weil es besonders dicke Fische sind. VW steht ja auch in Konkurrenz zu den großen amerikanischen Autounternehmen. VW ist auch ein ideales Ziel. Das Unternehmen gehört zu fünfzig Prozent den Familien Pierch und Porsche, zu zwanzig Prozent dem Land Niedersachsen und zu dreißig Prozent Investoren. Bei so einem großen Anteil deutscher Investoren kann man also mit Angriffen gegen so eine Firma der deutschen Wirtschaft im Allgemeinen schaden.

    Bei der Deutschen Bank ist das komplizierter. Da sind die meisten Aktien in Streubesitz und der größte Investor ist die amerikanische Firma Blackrock. Da schneidet man sich auf den ersten Blick also ins eigene Fleisch. Trotzdem wird die Deutsche Bank benutzt als Manövriermasse gegen die deutsche Regierung, um Deutschland innerhalb der EU zu bestimmten Maßnahmen zu zwingen.

    In Europa regt sich langsam Unmut über die Allmacht großer US-Firmen, wie Amazon, facebook oder google, die auch noch extreme Steuervergünstigungen bekommen. Wird Europa hier durchgreifen oder traut man sich das nicht?

    Was kann denn die EU schon tun? Die ganze Welt steht seit siebzig Jahren unter der Herrschaft des US-Dollars. Allerdings verlieren die Amerikaner im Moment an Boden. Das erklärt auch ihr aggressives Auftreten.

    Also könnten die US-Klagen gegen deutsche Firmen auch als Warnung verstanden werden, dass Europa mal schön die Finger von den US-Firmen lassen soll?

    Auf jeden Fall. Die USA werden sich natürlich in den nächsten Jahren mit allen Mitteln gegen ihren Niedergang wehren. Sie haben in den letzten Jahren so unglaublich viel Geld gedruckt und haben so irrsinnige Schulden, es gibt riesige Blasen an den Aktien- und Immobilienmärkten und auch bei den Privathaushalten. 50 Millionen amerikanische Autos sind auf Kredit gekauft. So versucht man zumindest im Ausland noch Vorteile für amerikanische Firmen rauszuschlagen und seine alte Macht spielen zu lassen.

    Inwieweit unterscheiden sich Wirtschaftsgebaren und auch entsprechend die Gesetze in Bezug auf Wirtschaft in den USA und Europa?

    Die Gesetze in den USA sind noch wirtschafts- und finanzelitenfreundlicher als bei uns. Das Wichtige hierbei ist, dass die USA immer noch ihre Macht über den Dollar ausüben. Das weltweite Finanzsystem baut darauf auf. Der Dollar ist immer noch die Leitwährung und die wichtigste Reservewährung der Welt. Selbst die EZB hält siebzig Prozent ihrer Devisenreserven in Dollar. Deswegen können die USA immer noch Druck auf andere Länder ausüben.

    Präsident Obama hat in den letzten Wochen alles unternommen, es seinem Nachfolger so schwer wie möglich zu machen. Können die Klagen möglicherweise auch politisch gesteuert sein, um Trump die Beziehungen zu verhageln?

    Auf jeden Fall. Wobei es hier mehr um die Kräfte geht, die im Hintergrund agieren. In Amerika sind dies auf der einen Seite die Rüstungsindustrie, die Medien und der CIA. Und die haben Trump ins Visier genommen, weil sie dagegen waren, dass Trump an die Macht kommt. Trump wiederum hat die Wall Street, das FBI und große Teile des Militärs hinter sich. Zwischen diesen läuft gerade ein riesiger Machtkampf. Unter diesem Gesichtspunkt muss man die letzten Maßnahmen Obamas sehen. Dass er jetzt noch Panzer in die Ostblockstaaten schickt und weiter gegen Russland provoziert, geht darauf zurück, dass Trump ein besseres Verhältnis zu Russland will. Oder irgendwelche Enthüllungen über Trump, die den Russen untergeschoben werden, das ist völliger Blödsinn. Das hat nichts mit den Russen, sondern mit den amerikanischen Geheimdiensten zu tun. Wir erleben im Moment einen entfesselten Kampf zwischen der CIA und dem FBI.

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    Tags:
    Wirtschaft, VW-Konzern, Deutsche Bank, FBI, CIA, USA
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