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    Ölgewinnung in Libyen

    Libyen und Nigeria bauen Ölförderung aus und stellen damit OPEC-Pläne in Frage

    © AFP 2019 / Abdullah Doma
    Wirtschaft
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    Libyen und Nigeria, die laut OPEC-Abkommen die Ölförderung ausbauen dürfen, bedrohen die Wiener Abkommen. Allein Libyens National Oil Company (NOC) erhöhte die Förderung um mehr als das Dreifache innerhalb eines halben Jahres. Das berichtet die russische Zeitung „Wedomosti” unter Berufung auf das „Wall Street Journal”.

    Libyen, das von inneren Konflikten zerrissen wird und dessen Ölproduktion seit 2011 deutlich zurückgegangen war, wurde von den Verpflichtungen zur Senkung der Fördermenge im Rahmen des OPEC-Abkommens befreit.

    Allerdings änderten die bewaffneten Gruppierungen, die um den Einfluss in Libyen nach dem Sturz Muammar Gaddafis 2011 kämpfen und wichtige Ölinfrastrukturobjekte blockierten, in der letzten Zeit ihre Position.

    Der Leiter der National Oil Company, Mustafa Sanalla, führte in den vergangenen sieben Monaten Verhandlungen mit verschiedenen politischen Kräften und betonte, dass das Unternehmen nicht für die Deblockierung der Ölinfrastruktur zahlen wird. Er versuchte sie davon zu überzeugen, dass alle verlieren werden, falls die Öleinnahmen in der nächsten Zeit nicht erhöht werden.

    Im Ergebnis einigten sich die Extremistenführer mit dem staatlichen Ölunternehmen auf die Deblockierung der Vorkommen und Häfen, von denen aus Öl exportiert wird. Sie verließen die Objekte und ließen die Ausstattung unbeschädigt zurück. In anderen Gebieten des Landes kämpfen sie jedoch weiter.

    Im Ergebnis stieg die Ölförderung in Libyen in dieser Woche auf 708.000 Barrel pro Tag, was die höchste Zahl seit drei Jahren ist.

    Wie es bei NOC hieß, kann die Ölförderung 2017 bis zu 900.000 Barrel ausmachen. Falls es dazu kommt, wird Libyen komplett die Ölmenge ersetzen, die Russland vom Markt abziehen soll. Saudi-Arabien soll die Ölförderung noch stärker senken, um die Einhaltung der OPEC-Quoten zu gewährleisten (allerdings betonten die Vertreter Riads, sie seien zu diesem Schritt bereit).

    Andere Länder bedrohen ebenfalls das OPEC-Abkommen, schreibt das „Wall Street Journal”. Nigeria, das ebenfalls von der Senkung der Ölförderung befreit wurde, erhöhte die Ölproduktion im Dezember um 200.000 Barrel pro Tag.

    Darüber hinaus stellen einige Experten die Bereitschaft Iraks, die Ölförderung zu senken, in Frage. Nach Zeitungsangaben will der Irak den Ölexport im Januar erhöhen. Allerdings halten Experten den Ausbau der Ölförderung durch Libyen für die größte Bedrohung für die OPEC-Pläne. Zugleich wird betont, dass die politische Instabilität im Lande die Tendenz zur Erhöhung der Ölförderung stoppen kann.

    Die OPEC-Länder vereinbarten am 30. November die Senkung der Ölförderung um 1,2 Million Barrel auf 33,6 Millionen Barrel pro Tag. Seit dieser Zeit stieg der Ölpreis um 19 Prozent auf über 55 US-Dollar.

    Später, nach den Verhandlungen am 10. Dezember in Wien, vereinbarten elf Nicht-OPEC-Länder die Senkung der Ölförderung ab Januar um 558.000 Barrel pro Tag zur Stabilisierung des Marktes. Russland verpflichtete sich, die Ölförderung um 300.000 Barrel pro Tag in der ersten Jahreshälfte 2017 zu kürzen.

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