21:32 24 Juni 2019
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    Obdachloser in Dortmund

    Arm-Reich-Schere auch in Deutschland: „Soziale Ungleichheit ist keine Naturgewalt“

    © AFP 2019 / Jan-Philipp Strobel / DPA
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    Exakt zum Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos hat die unabhängige Entwicklungshilfeorganisation Oxfam ihren Ungleichheitsbericht veröffentlicht: Die acht reichsten Männer der Welt besitzen demnach zusammen ein Vermögen von 426 Milliarden US-Dollar – mehr, als die ärmere Hälfte der Welt, das sind 3,6 Milliarden Menschen (409 Milliarden USD).

    Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatten die 62 reichsten  Menschen  so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Oxfam bezieht sich bei der Statistik auf Zahlen des US-Magazins „Forbes“ und der Schweizer Bank Credit Suisse.

    „Die soziale Ungleichheit ist dramatischer als wir dachten“, erklärt Oxfam-Sprecher Steffen Küßner gegenüber Sputnik. So fehle es 3,6 Milliarden Menschen teilweise am Nötigsten.  Viele von ihnen könnten nicht zur Schule gehen und sich keinen Arztbesuch leisten. Zudem fehle ihnen eine Perspektive aus dieser Situation herauszukommen. 

    Auf der anderen Seite profitierten vor allem Vermögende am aktuellen Wirtschaftssystem: „Das ist das Ergebnis einer Politik im Interesse einer Minderheit.“ So könnten Konzerne im globalen Maßstab häufig Gewinne um jeden Preis machen, ihre Steuern kleinrechnen und die Gewinne ganz legal in Steueroasen ins Ausland verschieben. Dieses Geld fehle den Regierungen dann an allen Ecken und Enden: „Etwa um Schulen zu bauen und um öffentliche Gesundheitsversorgung zu garantieren, wovon vor allem arme Menschen profitieren“, sagt Küßner. Zudem drückten Konzerne die Löhne von Mitarbeitern und die Preise von Lieferanten.

    Als Beispiel nennt er Amancio Ortega, den laut „Forbes“ zweitreichsten  Mann der Welt. Dieser hat mit seinem Modeunternehmen Zara ein Vermögen gemacht. Gleichzeitig müssen Textilarbeiterinnen vielerorts zu Hungerlöhnen arbeiten. Zara habe zuletzt durch Steuervermeidung im großen Stil für Schlagzeilen gesorgt.

    „Das Problem ist generell, dass die Regeln im Sinne der Reichen gestrickt sind. Es müssen grundsätzliche politische Weichenstellungen vorgenommen werden“, fordert der Oxfam-Sprecher. Erste Erfolge haben sich bereits eingestellt. Inzwischen sei das Thema „Soziale Ungleichheit“ auch auf dem Weltwirtschaftsforum ein Thema.

    Deutschland müsse das Thema auch beim G20-Gipfel auf die Agenda stellen.  „Da wäre es wichtig, zu konkreten Maßnahmen zu kommen und nicht nur Sonntagsreden zu halten. Denn: Soziale Ungleichheit ist keine Naturgewalt, sie ist von Menschen gemacht und kann von Menschen verändert werden.“

    Sputnik will wissen, welche Hoffnungen Küßner in den künftigen US-Präsidenten Trump setzt, um die soziale Ungleichheit zu bekämpfen. „Gut, die Hoffnung stirbt zuletzt“, seufzt er. „Was Trump zuletzt äußerte, stimmt höchst bedenklich. Er hat sich damit gebrüstet, über Jahrzehnte keine Steuern gezahlt zu haben, weil intelligente Leute das nicht tun würden.“ Der Oxfam-Sprecher hofft, dass der künftige US-Präsident künftig ein offenes Ohr haben wird. So müssten Steueroasen geschlossen, die Steuerbefreiung für Konzerne beendet und ein  Mindeststeuersatz für alle beschlossen werden.

    Zum Schluss geht es noch um die Situation bei uns im Land:

    „Deutschland ist keine Insel der Glückseligen“, stellt Küßner fest. „In kaum einem anderen Land in der Euro-Zone sind die Vermögen so ungleich verteilt.“ So besäßen 36 Milliardäre genauso viel wie die ärmere Hälfte der Deutschen. Auch würden Männer und Frauen für die gleiche Arbeit in fast keinem anderen europäischen Land so unterschiedlich bezahlt.

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Tags:
    Armut, Reichtum, Oxfam, Deutschland