07:39 25 Oktober 2020
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    Der Verband der Automobilindustrie nimmt Trumps Drohungen zwar ernst, geht aber davon aus, dass es gegen die geplanten Importzölle auf deutsche Autos im US-Kongress erheblichen Widerstand geben wird. Tendenzen zum Protektionismus würden dem Handel weltweit Schaden zufügen.

    Während sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel von Trumps Drohungen, 35 Prozent Importzölle für deutsche Automobile zu verhängen, zu plakativen Parolen hinreißen lässt, sieht man den Vorstoß des designierten amerikanischen Präsidenten beim Verband der Automobilindustrie (VDA) eher gelassen.

    Eckehard Rotter, Sprecher des VDA, erklärt, man wolle erst einmal abwarten, ob Trump die notwendige Unterstützung für seine Pläne im US-Kongress bekommt. Investitionsentscheidungen in der Autobranche seien langfristig geplant und würden nicht von heute auf morgen über Bord geworfen.

    „Einschränkungen des NAFTA-Raumes würden der Wirtschaft einen deutlichen Dämpfer geben – das kann keiner wollen. Für die deutschen Hersteller sind die Vereinigten Staaten nicht nur der zweitgrößte Exportmarkt, sondern auch ein wichtiger Produktionsstandort, von dem aus der Weltmarkt beliefert wird.  In den vergangenen sieben Jahren haben wir unsere Light Vehicle Produktion in den USA vervierfacht auf 850 000 Einheiten. Wichtig: Mehr als die Hälfte der Fahrzeuge, die unsere Hersteller in den USA fertigen, werden exportiert, vor Allem nach Europa und nach Asien.“, so Rotter.

    Hierbei gehe es auch nicht um BMW, sondern um die grundsätzlichen Handelsbeziehungen:

    „Ich glaube, es geht jetzt nicht um einzelne Hersteller, sondern um die grundsätzliche Frage, welche Handels- und Freihandelspolitik die neue US-Regierung künftig verfolgen wird. Im Automobilbereich gibt es ja auf der einen Seite einen erheblichen Handelsbilanzüberschuss von Deutschland Richtung USA oder Europa Richtung USA. Es gibt aber andere Sektoren und Branchen, in denen die USA stark exportorientiert sind. Handel ist nie nur einseitig zu betrachten. Auch die US-Hersteller produzieren in Mexiko und haben damit einen Kostenmix.“

    Mit dem Aufbau von Zöllen würden sich die USA ins eigene Fleisch schneiden, so Rotter weiter. Man könne vor den weltweit grassierenden Tendenzen zum Protektionismus nur warnen. Trotz möglicher kurzfristiger Vorteile würden die beteiligten Länder Schaden daran nehmen.

    Sollten die Importzölle trotz aller Widerstände kommen, seien Gegenmaßnahmen nicht ausgeschlossen, sagte Rotter im Interview mit Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer.

    „Wenn also hier Zollschranken oder Hindernisse aufgebaut werden, dann ist es sicherlich nicht völlig unrealistisch, dass auf der anderen Seite auch Zollschranken aufgebaut werden. Das ist internationaler Handel, insofern klares Plädoyer für Freihandel. Wir sind auch für TTIP, weil das aus Sicht der US-Automobilindustrie einen großen Vorteil bietet, weil dann die Importzölle in Richtung EU, die derzeit zehn Prozent betragen, wegfallen würden. Bei den deutschen Herstellern ist es  rund eine Milliarde Euro, die man im Jahr gegenlaufen lassen kann.“

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    Tags:
    BMW, Donald Trump, USA, Deutschland