12:23 24 April 2019
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    Umleitung der Weltwirtschaft: Droht dem Petrodollar ein Ende als führender Währung?

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    Der US-Dollar ist lange eine globale Reservewährung gewesen, doch seine Zukunft als solche scheint nun wackelig zu sein, schreibt Nikolaus Jilch, Kolumnist der österreichischen Zeitung „Die Presse“. In China und Saudi-Arabien sei bereits ein Umdenken im Gange, und sogar in den USA spreche man von der Aufgabe des Reservewährungsstatus des Dollars.

     

    Der sogenannte Atom-Deal zwischen dem Iran und anderen Ländern sei auch deshalb wichtig gewesen, damit der Dollar als Reservewährung der Welt nicht den Bach heruntergehe, wie im August 2015 der damalige US-Außenminister John Kerry mitgeteilt hatte. Seine Aussage sorgte für Überraschung, da es bei diesem Abkommen bis dahin immer um das iranische Atomprogramm gegangen war, und oft sogar von möglicher Terrorfinanzierung gesprochen wurde.

    Der aktuelle US-Präsident Donald Trump bezeichnete hingegen den Iran-Deal als den „schlechtesten aller Zeiten“ und versprach mehrmals, diesen nachträglich platzen zu lassen. Hieße das nun, wenn sich solch ein Szenario bewahrheite, dass dem Dollar das Ende drohe?

    Um das klarzustellen, greift der „Presse“-Kolumnist einmal zum Geschichtsbuch: 1971 hob der damalige US-Staatschef Richard Nixon die Goldbindung des Dollars auf. Gleichzeitig schloss Washington ein wichtiges Abkommen mit Saudi-Arabien.

    „Die Saudis haben eingewilligt, ihr Öl ausschließlich gegen US-Dollars zu verkaufen und die überschüssigen Dollars wieder in US-Staatsanleihen zu investieren. Im Gegenzug würden die USA Saudi-Arabien mit Waffen versorgen und eine Sicherheitsgarantie ausstellen für die Saudis. Die leben ja, das muss man zugeben, in einer ziemlich schwierigen Nachbarschaft. Dieser Deal hat das Petrodollar-System geboren“, erläuterte der ehemalige Banker Grant Williams in seinem jüngsten Finanz-Newsletter, den er seit 2009 unter dem Titel „Things that make you go hmmm“ schreibt.

    Demnach häuften die Zentralbanken auf der ganzen Welt enorme Dollar-Mengen für den Ölhandel an, wodurch der Petrodollar schnell zu einem internationalen Standard auswuchs, schreibt Jilch. Zurzeit sei aber alles nicht mehr so perfekt, wie es mal gewesen sei. Selbst der Iran-Deal könne die Situation nicht retten, denn Teheran wolle sein Öl auf keinen Fall für Dollars verkaufen. Dies habe der iranische Zentralbankchef im September vergangenen Jahres der „Presse“ bestätigt und dabei betont, dass der Euro Irans wichtigste Handelswährung sei. Die zweitwichtigste Währung für den Ölproduzenten sei der chinesische Renminbi.

    Apropos China: Peking ist aus diesem Grund auch nicht mehr so stark auf seine Dollarreserven angewiesen. Davon zeuge auch, dass das Land in den vergangenen Jahren aktiv seine Dollarreserven verkauft habe. Auch in Saudi-Arabien sehe die Lage ähnlich aus. Und sogar in den USA seien Stimmen laut geworden, dass es an der Zeit wäre, das System zu ändern.

    „Was früher ein Privileg war, ist heute eine Bürde, die das Jobwachstum untergräbt, die Budget- und Handelsdefizite aufbläst und Finanzblasen erzeugt. Um die US-Wirtschaft wieder auf den richtigen Pfad zu bringen, muss die Regierung ihr Ziel aufgeben, den Reservewährungsstatus des Dollars aufrecht zu erhalten“, sagte noch vor zwei Jahren Jared Bernstein, Wirtschaftsberater des Weißen Hauses bis 2011.

    Passend dazu verspricht Trump, Jobs ins Land zurückzuholen. Gleichzeitig will der neue Staatschef die Beziehungen mit Russland in Ordnung bringen. Laut dem „Presse“-Kolumnist bleibt nun die Frage, ob es dabei um die Wiederbelebung des Petrodollars oder um dessen Demontage gehen soll.

     

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    Tags:
    US-Dollar, Reservewährung, Öl, Donald Trump, John Kerry, Iran, Saudi-Arabien, USA, China