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09:40 19 August 2019
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    USA out, China in: Bei Trumps „America first“ will Peking die Lücke füllen - Experte

    © REUTERS / Bobby Yip
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    Genauso wie der Rest der Welt, ist auch Asien verunsichert, woran man mit Donald Trump ist, sagt der Chinaexperte Frank Sieren. Die Nabelschau der USA könnte aber für China neue Chancen bringen.

    „Die Angriffe von US-Präsident Trump in Richtung China wurden im Wahlkampf von den Chinesen noch ziemlich gelassen aufgenommen. Man ging davon aus, dass das nicht alles so heißt gegessen wird, wie es gekocht wird“, so Journalist und Buchautor Sieren im Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke.  „Man hat sich gesagt, naja gut, dass ist ein Geschäftsmann und der ist es gewohnt Deals — also Kompromisse —  zu machen und dann wird man sich schon irgendwie mit ihm einigen können. Damals hat man gesagt: Clinton bedeutet Ärger mit dem Militär; Trump bedeutet Ärger mit dem Handel, und da kommen wir schon irgendwie klar.“

    Inzwischen sei das allerdings ein wenig anders, weil man im Grunde gar nicht mehr  wisse, wo oben und unten sei, führte der Experte weiter aus. Ob Donald Trump aus Trotz handelt oder ob er einen Plan habe, sei vorerst unklar. Die Formulierung des Währungsmanipulators habe Trump zwar in letzter Zeit nicht benutzt, andererseits habe er ganz klar gesagt, dass China beim Handel Kompromisse machen müsse. Das werde noch sehr spannend, so Sieren.

    Unter Obama sei das Verhältnis  mit China auch angespannt gewesen. Obama habe „Pivot to Asia“ ins Leben gerufen hat- also einen neuen amerikanischen Schwerpunkt in Asien gesetzt. Das habe die Chinesen natürlich geärgert. Der Chinaexperte stellt fest:

    „Man war aber zumindest in "Talking Terms". Es gab zumindest Gespräche und man kam miteinander aus. Es ging aber am Ende doch um die Frage, wer sich an welche Spielregeln halten soll. Die Chinesen haben gesagt, das ist ja schön und gut mit euren Spielregeln, aber das sind westliche Spielregeln — wir wollen andere haben. Die Amerikaner haben gesagt, nein, das sind die Spielregeln, die universell gelten — und in diesem Punkt kam man relativ wenig zusammen, auch in der Amtszeit von Obama.“

    Sollten die USA nun tatsächlich eine Lücke in der internationalen Politik hinterlassen, weil man sich mehr auf das eigene Land konzentriert, wären die Chinesen durchaus bereit, diese zu füllen. Dass habe der chinesische Präsident Xi Jinping schon vor zwei Wochen in Davos gezeigt, als er diese für seine Verhältnisse sehr emphatische Rede zur Globalisierung und zur Handelskooperation gehalten habe. Sieren meint dazu:

    „Auf jeden Fall gibt es jetzt sogar auf deutscher Seite die eine oder andere Stimme im Auswärtigen Amt und im Bundeskanzleramt, die sagen, naja, wenn es um das Thema Iran geht, da arbeiten wir dann eben mit den Chinesen und mit den Russen zusammen. Wenn es um das Thema offene Handelswege geht, haben wir momentan auch eine größere Schnittmenge zwischen Berlin und Peking, als zwischen Berlin und Washington. Also da können sich die Machtverhältnisse ein wenig verschieben und die westliche Wertebindung — das transatlantische Bündnis — kann dadurch geschwächt werden, so dass man wegkommt von einer unantastbaren Wertegemeinschaft zu Interessenskoalitionen bei bestimmten Themen.“

    Das große Problem sieht Frank Sieren darin, dass noch sehr viel  offen sei und  nicht klar sei,  in welche Richtung sich das entwickeln werde. Das führe zu einer großen Unsicherheit in Asien, und eben inzwischen auch mehr und mehr in Peking, die eigentlich bisher relativ gelassen gewesen sind.

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    Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat US-Präsident Trump ein Dekret zum Ausstieg aus dem pazifischen Freihandelsabkommen TPP unterzeichnet. Auch hier könnte China der Nutznießer werden. Sieren kommentiert:

    „Erstmal war es falsch, eine pazifische Handelsvereinbarung ohne China zu treffen. Das hatte natürlich geostrategische und politische Gründe. Das war sicherlich ein Konstruktionsfehler. Natürlich ist das jetzt für China interessant. Die Chinesen haben da  ja eine ganz einfache Devise: Sie wollen so viele Handelsabkommen mit so vielen Weltregionen wie möglich schaffen, um den Handel so einfach wie möglich zu gestalten. Aber da muss man auch auf dem Boden der Tatsachen bleiben: Natürlich schützt nicht nur Donald Trump seine Märkte verstärkt, sondern die Chinesen schützen ihre Märkte auch. Im Übrigen macht Brüssel das gleiche mit Zöllen auf Stahlprodukte und bei anderen Themen. Es ist jetzt nicht so, als ob Donald Trump jetzt der einzige ist, der den freien Handel blockiert und alle anderen sind weiße Schäfchen.“

    Das Mantra des US-Präsidenten „America first“  („Amerika zuerst“) könne man heimlich ein bisschen in China nachvollziehen: Man könne verstehen, dass die absteigende Weltmacht Amerika nun mit allen möglichen Mitteln versucht, ihren Status zu halten. Der China-Korrespondent beim Handelsblatt Frank Sieren betont allerdings:

    „Auch wenn Peking selbst in einer anderen Entwicklungsphase ist, in der es für das Land gut ist, sich zu internationalisieren, sich international zu vernetzen — weil China dadurch eine stärkere Position in der Welt bekommt. Die Amerikaner sind eben in der genau gegenteiligen Situation, dass sie das Gefühl haben, sie müssen sich abschotten, um zu retten, was man noch retten kann, aber das wird nicht funktionieren.“

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    Tags:
    Transpazifische Partnerschaft (TPP), Xi Jinping, Barack Obama, Donald Trump, China, USA