17:44 29 April 2017
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    „Die letzte Sause“: Finanzexperte Wolff: Trump übernimmt einen Jet, dem Sprit ausgeht

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    Wirtschaft
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    Während Donald Trumps politische Entscheidungen oft scharf kritisiert werden, wurden seine Wirtschaftsbeschlüsse bisher meist mit Euphorie aufgenommen. Der Finanzexperte Ernst Wolff sieht darin eher Hysterie und hält die meisten Wahlversprechen Trumps für nicht realisierbar. Die Wall Street könnte unter Trump allerdings eine letzte Sause feiern.

    Herr Wolff, mal von den politischen Ankündigungen abgesehen, wie ist Ihr Eindruck von den ersten Wirtschaftsentscheidungen, die Donald Trump getroffen hat?

    Die Wirtschaftsentscheidungen sind für mich ein Anzeichen dafür, dass in Amerika im Moment absolute Hysterie herrscht. Man muss sehen, dass Donald Trump als Pilot ein Flugzeug übernommen hat, dem der Sprit ausgeht. Die USA sind wirtschaftlich in der Sackgasse und Trumps Maßnahmen werden das Land auch nicht retten können.

    Die umstrittenste Entscheidung Trumps bisher ist sein Einreisedekret für Muslime. Dagegen regt sich auch Protest großer amerikanischer Firmen. Hat Trump den Bogen überspannt?

    Ganz sicher. Das große Problem ist, dass Trump im Wahlkampf ein paar Versprechungen gemacht hat, um die amerikanische Unterschicht für sich zu mobilisieren. Und an diesen Versprechen muss er jetzt festhalten. Wie heuchlerisch das Ganze ist, sieht man daran, dass so und so viele Länder von diesem Einreisestopp für Muslime ausgenommen sind. In erster Linie denke ich da an Saudi-Arabien, die schlimmste fundamentalistische Diktatur der Erde. Die dürfen weiter einreisen, weil sie den amerikanischen Großkonzernen und dem Finanzkapital nützen.

    Auch wenn viele die eigentliche Bombe im Verhältnis zu China erwarten, ist erst einmal Mexiko im Fokus. Wieso?

    Trump hat ja seiner Bewegung versprochen, die Mauer nach Mexiko zu bauen. Da muss er jetzt liefern. Auf der anderen Seite werden viele Waren, die in den USA verkauft werden, in Mexiko hergestellt. Und ein großer Teil der amerikanischen Betriebe hat Produktionsstätten dort. Da schießt er sich selbst mit ins Bein.

    Trump will Importe in die USA hoch besteuern. Kann er das durchziehen und macht das Sinn?

    Das wird schwierig, da ja auch viele amerikanische Firmen im Ausland, in China, in Asien produzieren und somit auch ihre Importe besteuert werden müssten. Und dann ist es ja so, dass das gesamte Kapital heutzutage international durchsetzt ist. Es gibt ja kaum noch rein amerikanische Großkonzerne. Trump hat das den Leuten mit so ganz einfachen Parolen versprochen, aber jetzt ist er in einem Netz von Versprechungen gefangen, die er einfach nicht erfüllen kann. Jede Entscheidung zieht eine andere nach sich, die wieder Schwierigkeiten bringt.

    Trump stoppt das Freihandelsabkommen TPP und kündigt die Neuverhandlung von Nafta an. Kann sich die US-Wirtschaft so einen Protektionismus in Zeiten der Globalisierung leisten?

    Auf keinen Fall. Die US-Wirtschaft ist mit nahezu allen Wirtschaften der Welt vernetzt. Heute kann sich ein Land nicht mehr aus diesem Geflecht herausnehmen. Trump versucht, die alten Vorteile, die die Amerikaner über Jahrzehnte genossen haben, wieder herbeizuzaubern. Er versucht, einen Kapitalismus wie in den Fünfziger Jahren wieder einzuführen, als jeder amerikanische Arbeiter ein eigenes Auto und ein Haus hatte. Die Zeiten sind ein für allemal vorbei. Die soziale Lage in den USA ist ein absolutes Desaster.

    Trump will diverse Regulierungen für die US-Wirtschaft abbauen. Führt das zum Abbau von Bürokratie oder zu enthemmtem Kapitalismus?

    Das führt zu enthemmtem Kapitalismus. Das haben wir ja schon seit den Siebziger Jahren gesehen, als begonnen wurde zu deregulieren. Die größten Deregulierer waren Margaret Thatcher und Ronald Reagan. Und deren Deregulierungsmaßnahmen haben letztendlich zu den Finanzkrisen 1998 und 2008 geführt. Der hemmungslose Finanzkapitalismus, den wir jetzt schon erleben, ist darauf zurückzuführen. Trump will das noch weiter führen. Er tut den Leuten gegenüber natürlich so, dass er nur Bürokratie abbauen will, aber in Wirklichkeit versucht er, sämtliche Einschränkungen für die Großkonzerne beim hemmungslosen Geldverdienen abzuschaffen.

    Kommen wir zum Schluss noch einmal auf Ihr Lieblingsthema – die Finanzwelt. Wie steht es aktuell um die Liebesbeziehung zwischen Trump und der Wall Street?

    Sehr gut. Da braucht man sich nur sein Kabinett ansehen. Ein Goldman-Sachs-Manager ist Finanzminister. Herr Bannon kommt auch aus der Goldman-Sachs-Ecke. Die werden also im Moment jubeln. Das Problem ist, dass die am Ende eines Weges angekommen sind. Es ist nicht möglich, noch mehr Dollar zu drucken, ohne den Dollar vollkommen zu entwerten. Die Leitzinsen kann man auch nicht weiter senken. Sie stehen also mit dem Rücken zur Wand. Mit Donald Trump könnten sie aber vielleicht noch ein letztes Mal absahnen.

    Das amerikanische Finanzkapital hatte ja eigentlich die ganze Zeit auf Hillary Clinton gesetzt. Aber irgendwann haben sie gemerkt, dass Trump gewinnt und dass das das Ende des Parlamentarismus in den USA bedeutet. Trump wird die Presse weiter ins Visier nehmen. Er wird weiter versuchen, mit Dekreten zu arbeiten. Er wird jede Form von Demokratie, von der ja eh nicht mehr viel übrig ist in den USA, versuchen zu beseitigen und sich selbst dabei zu bereichern. Das erinnert schwer an die Sonnenkönige am Ausgang des Mittelalters.

    Und wegen des starken Dollars schimpft Trump auch auf den Euro?

    Ja, natürlich. Die EU ist der größte Konkurrent der USA neben China. Entsprechend wird sich Trump auf die EU und China einschießen. Was Deutschland betrifft, muss man Trump sogar tatsächlich mal Recht geben. Deutschland hat ja am meisten vom Euro profitiert. Deutschland wird ins Visier der USA geraten wegen seiner Exportüberschüsse. Ich glaube, da kommen schwierige Zeiten auf uns zu.

    Interview: Armin Siebert

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    Tags:
    Einreisestopp, Mauer, Wirtschaft, Donald Trump, USA
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