22:17 10 Dezember 2019
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    Investoren auf Rekord-Flucht: „Unannehmlichkeiten für die EU“

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    Wirtschaft
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    Analysten von JPMorgan haben einen rekordverdächtigen Kapitalabzug aus Europa festgestellt. Sie sprechen von politischen Risiken im Hinblick auf die kommenden Wahlen. Das russische Magazin „Expert“ befasst sich mit dem Thema.

    „Einen dermaßen energischen Asset-Abzug von europäischen Wertpapiermärkten hat die Finanzgeschichte noch nie erlebt. Wie Analysten von JPMorgan in einem Erläuterungsschreiben an ihre Kunden mitteilen, haben die Investoren allein in der vergangenen Woche 1,04 Milliarden Euro aus europäischen Kredit-Investment-Fonds abgezogen. Nach Angaben des ‚Business Insider‘ handelt es sich dabei um den größten Kapitalabzug innerhalb einer Woche in der Geschichte des Planeten“, schreibt die russische Zeitschrift in ihrer Onlineausgabe.

    Sie zitiert JPMorgan-Analyst Matthew Bailey und sein Team mit den Worten: „Aus unserer Sicht bedeutet dies, dass die ausländischen ‚Touristen‘ der Anlageklasse wegen politischer Risiken Kapital aus Europa abziehen.“

    „Expert“ kommentiert: „Dieses Jahr darf in Europa durchaus als ‚Wahljahr‘ bezeichnet werden. Die Wahlen sollen im März in Holland beginnen und bis zum Jahresende dauern. Sie sind nicht nur zahlreich, sondern bergen auch das Risiko eines politischen Landschaftswandels in sich. Davon hängt auch die Wirtschaft ab.“

    Die Autorität von Nationalisten und Populisten nehme rasant zu und ermögliche ihnen Erfolgschancen bei den Wahlen: „Es ist nicht auszuschließen, dass Populisten irgendwo auf dem Kontinent sogar an die Macht kommen könnten. Die Positionen der Nationalpopulisten sind bei den kommenden Wahlen besonders in den Niederlanden stark, wo die PVV-Partei mit Geert Wilders an der Spitze laut allen Umfragen vorne liegt, aber auch in Frankreich, wo die Chefin des ultrarechten Front National, Marine Le Pen, laut allen Umfragen siegen soll – vorerst allerdings nur im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl.“

    Wilders und Le Pen seien strikt gegen die Vertiefung der europäischen Integration. Wenn jemand von ihnen bei den Wahlen erfolgreich abschneide, werde dies „ernsthafte Unannehmlichkeiten für die EU“ zur Folge haben, schreibt die russische Zeitschrift in ihrem Kommentar.

    Zombie in Essen
    © AP Photo / Martin Meissner
    Sie stellt fest: „Analysten von Barclays warnen ebenfalls, dass die in drei Wochen beginnenden Wahlen in Europa in der Lage wären, die Einheit Europas noch mehr zu untergraben, aber auch die Wirtschaft und Finanzen im Allgemeinen und das Investitionsklima im Besondern stark zu beeinflussen. Besonders bedrohlich wären die Wahlen für jene Euroländer, deren Regierungen in den jeweiligen Parlamenten nur eine geringe Mehrheit besitzen.“

    Wie „Expert“ weiter schreibt, betrachten die Wirtschaftsexperten von BNP Paribas nicht nur die Wahlen, sondern auch die Lage in Italien als Gefahr für Europa und den Euroraum, denn die Investoren verfolgen mit Besorgnis die große italienische Staatsverschuldung sowie die Probleme des Landes im Banksektor.

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    Tags:
    Investoren, Barclays, Business Insider (BI), EU, Frankreich