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15:02 21 Oktober 2019
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    Deutsche Unternehmen stehen zu Russlandgeschäft: Wirtschaft trotz Sanktionen wohlauf

    © Sputnik / Sergej Gunejew
    Wirtschaft
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    Die deutsche Wirtschaft rechnet mit einem besseren Russlandgeschäft, das trotz dem seit zwei Jahren andauernden Sanktionskrieg nun mit steigenden Umsätzen, Exporten und Investitionen wieder in Gang kommt. Dies zeigt eine Geschäftsklima-Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft.

     

    Positive Erwartungen

    Laut der am vergangenen Freitag in Berlin vorgestellten Studie haben sich das unternehmerische Umfeld und die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen im Russland-Geschäft trotz gegenseitiger Wirtschaftssanktionen zuletzt spürbar verbessert. Demnach erwarten mehr als zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) für das laufende Jahr eine positive Entwicklung der russischen Wirtschaft, sprich auch steigende Umsätze. In einer Vorjahresumfrage waren dies lediglich zwei Prozent.

    „Die deutschen Unternehmen in Russland sind deutlich optimistischer in das neue Jahr gestartet. Das Geschäftsklima im Land hat sich nach zwei Krisenjahren deutlich verbessert“, sagte dazu Matthias Schepp, der Vorstandsvorsitzende der AHK Russland bei einer Pressekonferenz in Berlin.

    Außerdem planen 40 Prozent der befragten Firmen der Studie zufolge künftig mehr Mitarbeiter in Russland zu beschäftigen, ein Drittel will schon in den nächsten zwölf Monaten in das Land investieren.

    „Nachdem deutsche Unternehmen 2016 fast zwei Milliarden Euro investiert haben, sind auch für dieses Jahr weitere Investitionsprojekte geplant. Die Bereitschaft der deutschen Unternehmen, in Russland zu produzieren, ist nach wie vor hoch“, so Schepp.

     

    Erholung der russischen Wirtschaft

    Steigende Umsätze, Exporte und Investitionen zeugen der Studie zufolge von einer wirtschaftlichen Erholung. So hatten deutsche Unternehmen beispielweise mit 1,95 Milliarden Euro 2016 um 170 Millionen Euro mehr in Russland investiert als 2015. Man rechne damit, dass diese positive Tendenz erhalten bleibe.

    „Eine mehr als zweijährige konjunkturelle Durststrecke steht vor dem Ende, die russische Wirtschaft lässt das Tal der Tränen hinter sich“, kommentierte der stellvertretende Ost-Ausschuss-Vorsitzende Klaus Schäfer. „Es wird sich nun auszahlen, dass die große Mehrheit der deutschen Unternehmen im Land überwintert und auf eine Erholung des Marktes vertraut hat.“

    Nun seien positive Impulse auch im bilateralen Handel zu verzeichnen. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen teilte mit, für 2017 stabile Lieferungen nach Russland zu erwarten, weitere 40 Prozent rechnen sogar mit steigendem Export. Tatsächlich ist nach massiven Einbrüchen in 2014 und 2015 seit Sommer 2016 eine Aufwärtsbewegung bei Ausfuhren nach Russland registriert worden.  So lagen diese im Gesamtjahr  2016 mit 21,6 Milliarden Euro nur 0,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

    „Die wirtschaftliche Belebung in Russland gibt dem deutschen Export Auftrieb“, betont Schäfer. Insgesamt rechne man nun für 2017 mit einem Anstieg der deutschen Exporte nach Russland von mindestens fünf Prozent.

     

    Sanktionen als Impuls 

    Laut dem DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier ist Russland aufgrund der Sanktionen in den vergangenen drei Jahren als Handelspartner fast abhandengekommen und der Export hat sich seit 2013 fast halbiert. Doch die Phase rückläufiger Ausfuhren sei jetzt durchschritten.

    „Es trägt wirtschaftlich erste Früchte, dass Politik und Wirtschaft trotz Sanktionsregimes die Gesprächskanäle immer offen gehalten haben“, so Treier.

    Die befragten  Unternehmen wünschen sich nun mit überwältigender Mehrheit (91 Prozent) einen Abbau der Sanktionen, 49 Prozent der Befragten plädieren dabei für ihre sofortige Aufhebung.

    Trotz der Sanktionen rechnen viele Institute (ifo Institut, IfW Kiel, DIW Berlin, IWH Halle) und Experten für  2017 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 bis zwei Prozent in Russland, wobei Moskau zunehmend seine Auslandsschulen abbaut und durch Importstopps die Selbstversorgung des Landes gesteigert hat.  „Die Sanktionen haben Russland ermuntert, viele Dinge wieder bei sich selbst zu produzieren, statt sie zu importieren“, konstatiert Treier.

    Laut dem  AHK-Vorstandsvorsitzenden Schepp werden die deutschen Unternehmen, die der Umfrage zufolge nach wie vor die Land- und Ernährungswirtschaft für die wachstumsstärkste Branche in Russland halten,  wegen der Importsubstitution nun dazu gedrängt, die Fertigungstiefe im Land zu erhöhen. Doch man walte Nachsicht: „Es ist verständlich, dass ein Land mit enormen Potenzial, wie Russland, Teile seiner Wirtschaft entwickeln will.“

    Allerdings sollten Moskaus Gegensanktionen dabei nicht über protektionistische Maßnahmen erfolgen: „Deutschen Unternehmen müssen faire Chancen gewährt werden, dann profitieren auch die russischen Partner von deutschen Investitionen und Technologien“, so Schepp.

     

    Die Geschäftsklima-Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft wurde vom DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier, dem Vorstandsvorsitzenden der AHK Matthias Schepp und dem stellvertretende Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Klaus Schäfer am vergangenen Freitag in Berlin vorgestellt. An der Umfrage nahmen 190 Unternehmen teil, die in Russland insgesamt 122.000 Mitarbeiter beschäftigen und rund 29 Milliarden Euro umsetzen. Bei der Vorstellung der Studie unterstrichen Schäfer und Schepp das Ziel eines gemeinsamen Europäischen Wirtschaftsraums unter Einbeziehung Russlands und mahnten zu einer Kooperation von EU und Eurasischer Union an.

     

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    Tags:
    Wirtschaft, AHK, Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Deutschland, Russland