05:03 14 November 2019
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    Prognosen für Ölmarkt-Wandel: „Amerika hat profitiert“

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    Die Ölförderung in den USA nimmt zu, Rekorde werden prognostiziert. Die Rede ist von einer möglichen „Schiefer-Revolution“. Unterdessen erhöht auch der Iran seine Lieferungen. Welche Auswirkungen könnte all dies für den Ölmarkt haben? Russische Experten beschäftigen sich mit der Frage.

    Die russische Onlinezeitung gazeta.ru schreibt am Donnerstag, der Ölpreis sei am Vortag vorübergehend um mehr als fünf Prozent gefallen. Dies hänge mit der Situation in den USA zusammen. Die dortige Ölförderung nehme seit Wochen stabil zu. 

    Gazeta.ru bezieht sich auf die Prognose des für Energiestatistik zuständigen US-Amtes EIA, wonach die Vereinigten Staaten im Jahr 2018 einen historischen Höhepunkt in Sachen Ölproduktion erreichen könnten: 9,73 Millionen Barrel täglich. Auch die Internationale Energieagentur prognostiziert zunehmende Fördermengen in den USA und spricht von einer möglichen „neuen Runde der Schiefer-Revolution“.

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    Der russische Energieexperte Alexander Passetschnik schreibt in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“, auch der Iran strebe weiterhin eine Öl-Expansion an: „Er zählt nicht zu jenen Ländern, die die Förderung künstlich drosseln, und setzt Exportverträge erfolgreich durch. Der Iran hat im Januar seine Öllieferungen nach Asien gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahrs um knapp 70 Prozent erhöht. Die wichtigsten Käufer sind dabei China, Indien, Südkorea und Japan.“

    Synchron zum rasanten Anstieg der Schieferöl-Förderung in Amerika seien die Lieferungen aus dem Iran also in der Lage, ein erneutes Überangebot auf dem Markt zu verursachen. „Es wäre außerdem logisch, eine härtere Konkurrenz um Verbraucher zu erwarten“, so der Experte.

    Die meisten Opec-Länder sowie elf weitere Staaten einschließlich Russlands hatten zuvor ihre Fördermengen begrenzt, um einen Preisanstieg zu erwirken. Doch nach Ansicht von Passetschnik sind sich diese Länder vorerst nicht darüber im Klaren, wie sie mittelfristig weiter vorgehen sollen.

    Wie der Experte prognostiziert, bleibt die Vereinbarung dieser Ölproduzenten im laufenden Jahr wahrscheinlich bestehen, um einen Preisverfall zu verhindern: „Dies wird jedoch zeitgleich auch die Schiefer-Förderer stärker machen, was natürlich keineswegs im Interesse der Opec liegt. Die globale Energie-Landschaft wird bald also jedenfalls eine Revision erleben. Konservative Strategien für den Ölmarkt funktionieren inzwischen kaum.“

    In einem Kommentar der russischen Agentur Ria  Novosti wird festgestellt: „Amerika hat vom Öl-Preisanstieg profitiert: Bei Preisen von mehr als 50 Dollar pro Barrel werden die meisten Schieferöl-Projekte rentabel.“

    Die Schieferöl-Förderung hat aber auch ihre Nachteile – abgesehen von hohen Produktionskosten. Der russische Energie-Experte Nikolai Iwanow sagte Ria Novosti, nicht alle Ölraffinerien seien für solches Öl geeignet: „Technologisch sind viele Werke an bestimmten Öl-Sorten orientiert – es fällt ihnen ziemlich schwer, sich umzustellen.“

    Laut Analyst Dmitri Adamidow werden Schieferöl-Vorkommen außerdem ungefähr fünfmal so schnell ausgeschöpft wie die herkömmlichen. Adamidow weist auch darauf hin, dass es sich bei den Schieferöl-Produzenten meistens um kleinere Unternehmen handle, die den Verhältnissen des Ölmarktes weniger angepasst seien.

    Der russische Energieminister Alexander Nowak hatte im Dezember gesagt, ein Anstieg der Schieferöl-Produktion werde „nichts Außerordentliches“ zur Folge haben: „Wir verstehen, dass die Nachfrage mittel- und langfristig ständig zunehmen wird. Um diese Nachfrage abzudecken, ist die Förderung nicht nur an herkömmlichen Lagerstätten erforderlich, sondern auch an komplizierten Tiefsee- und an Schieferöl-Vorkommen. Vom Standpunkt der Nachfrage-Angebot-Balance her sehen wir deshalb nichts, was ein Problem wäre.“

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    Öl, OPEC, Dmitri Adamidow, Russland, USA