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    Sieg für Gazprom? – Einigung mit EU in Sicht

    © Sputnik / Alexei Danichev
    Wirtschaft
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    Der russische Energiekonzern Gazprom macht Vorschläge, um die europäischen Kartellvorwürfe auszuräumen. Die EU-Kommission begrüßt diese Entscheidung. Damit könnte der Konzern nun laut Experten hohe Geldstrafen vermeiden und seine Investitionsprogramme schützen. Die russische Zeitschrift „Expert“ betrachtet die Situation.

    Die Zeitschrift zitiert in ihrer Onlineausgabe den Vizechef von Gazprom, Alexander Medwedew, mit den Worten, der Konzern plane demnächst Verhandlungen mit der EU-Kommission: „Wir haben unsere Angebote unterbreitet, um die offiziell gegen Gazprom erhobenen Vorwürfe zu regeln.“ 

    Wie die Zeitschrift erläutert, will der Konzern unter anderem den baltischen Ländern, Polen und Bulgarien ermöglichen, die Vertragspreise nachzuverhandeln. Bisher hatte Gazprom von diesen Ländern nach Auffassung der EU-Kommission überhöhte Preise verlangen können.

    Nun sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager: „Wir sind davon überzeugt, dass die Verpflichtungszusagen von Gazprom die uneingeschränkte Lieferung von Gas in Mittel- und Osteuropa zu wettbewerbsbestimmten Preisen ermöglichen.“

    Sergej Koroljow, Analyst von Alor Broker, sagte der Zeitschrift, die Aussicht scheine für Gazprom günstig zu sein. Dass die EU-Kommission zu einer Regelung bereit wäre, sei schon ein großer Sieg. Damit könne der Konzern große Geldstrafen vermeiden und seine Investitionsprogramme vor einem finanziellen Rückschlag schützen.

    Dmitri Lukaschow, Analyst von IFC Markets, kommentierte allerdings, eine Einigung zwischen Gazprom und der EU-Kommission sei noch nicht erzielt worden. Deshalb seien alle beteiligten Akteure am Markt und die Aktionäre des Konzerns nervös.

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    Niemand glaube daran, dass die mögliche Regelung ohne Politik auskomme. Es sei zu erwarten, dass Polen und Litauen versuchen würden, Politik in die Sache hineinzumischen. Zwar sei die EU-Kommission nicht verpflichtet, alle Meinungen zu berücksichtigen, doch die Stimmen von Polen und Litauen seien ein starker Faktor von Ungewissheit, hieß es.

    Lukaschow kommentierte weiter, wirtschaftlich sehe die mögliche Regelung tatsächlich positiv für Gazprom aus. Das Investitionsprogramm des Konzerns mit Projekten wie Power of Siberia, Turkish Stream und Nord Stream 2 sei umfangreich – es sei kein günstiger Zeitpunkt für eventuelle Strafen.

    Was mögliche Flüssigerdgas-Projekte in der Ostsee betrifft, wäre es für Gazprom nach Ansicht des Experten kaum sinnvoll, sich mit ihrer Umsetzung zu beeilen, denn solche Projekte seien nur bei relativ hohen Gaspreisen rentabel – und diese könnten demnächst zurückgehen, weil auch die Ölpreise etwas sinken.

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    Tags:
    Power of Siberia, Nord Stream 2, Türkischer Strom, EU, Gazprom, Dmitri Lukaschow, Sergej Koroljow, Alexander Medwedew, Russland