14:12 22 Juni 2017
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    Eine Gas-Pipeline des russischen Gaskonzerns Gazprom

    Russisches Gas für Europa: „Widerstandsherde gegen sogenannte Hegemonie“

    © Foto: Gazprom
    Wirtschaft
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    Die sich erholende EU-Wirtschaft braucht künftig offenbar mehr Erdgas. Dies macht Russland in Sachen Gasexport optimistisch, schreibt der russische Energie-Experte Alexander Passetschnik. In diesem Zusammenhang betrachtet er die geplanten Projekte des Lieferanten Gazprom – und mögliche Hürden dafür in Europa.

    In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ stellt Passetschnik fest, Russland setze sich weiter aktiv für neue Gas-Transportwege nach Europa ein. Die geplanten Projekte Turkish Stream und Nord Stream 2 seien voraussichtlich in der Lage, Gas unter Umgehung der Ukraine zu liefern, um politische und technische Transit-Risiken in diesem Land zu vermeiden.

    Der Experte verwies auf die Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der Bau der Turkish-Stream-Pipeline durch das Schwarze Meer beginne im laufenden Jahr, wobei zwei Stränge geplant seien, um Erdgas an die Türkei und womöglich auch weiter nach Europa zu liefern.

    Gazprom: Polen ist ein Risiko für russische Gaslieferungen nach Europa

    Laut Passetschnik sieht es auch danach aus, dass die Europäer doch ein passendes Modell für die gemeinsame Finanzierung der neuen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 finden werden: „Daran wird zumindest intensiv gearbeitet. Eine Lösung könnte bereits im ersten Halbjahr gefunden werden. Die russische Seite schließt unterdessen nicht aus, dass ein Ko-Finanzierungs-Modell bereits im März präsentiert wird.“

    „Trotzdem gibt es in Europa nach wie vor eine Widerstandsherde gegen die sogenannte Hegemonie von russischem Gas. Insbesondere hat Russland wegen Polen erneut Probleme auf der nördlichen Route: Der Europäische Gerichtshof hat bis zum Frühjahr 2018 die Auktionen für zusätzliche Kapazitäten der Opal-Pipeline blockiert, bei der es sich um eine der beiden Nord-Stream-Fortsetzungen an Land handelt“, schreibt Passetschnik.

    Er betont: „Es sei bemerkt, dass Russland konzeptuell keine totale Kontrolle über den EU-Gasmarkt hat. Dieser ist jetzt ungefähr zu einem Drittel von Gaslieferungen aus Russland abhängig. Der Anteil ist zwar substanziell, lässt sich aber nicht als beherrschend einstufen.“

    Am Gasmarkt beginne derzeit die „Nachsaison“, die traditionell von aktiveren Anti-Gazprom-Initiativen mancher europäischer Länder begleitet werde. Im Winter seien solche Stimmungen weniger ausgeprägt: „Bei Frost wagen die europäischen Behörden nicht, die Arbeit des russischen Konzerns ernsthaft zu stören, die letztendlich die Energie-Sicherheit europäischer Staaten stärkt.“

    „Das Ziel Moskaus ist absolut transparent und besteht darin, die europäischen Verbraucher mit Erdgas zu versorgen. Dabei wird der Gas-Bedarf steigen: Die EU-Wirtschaft beginnt, sich allmählich zu erholen; die Phase der langen Rezession wird durch eine Bergfahrt abgelöst. Dies ermöglicht Russland, in Bezug auf ein nachhaltiges Gasexport-Wachstum optimistisch zu bleiben“, schreibt Passetschnik zum Schluss.

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    Tags:
    Turkish Stream, Nord Stream 2, Erdgas, Gazprom, Europäische Union, Russland
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