22:54 26 Juni 2017
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    Bekleidungsfabrik in Pskow

    Deutsche Modekette Tom Tailor strebt Produktion in Russland an

    © Sputnik/ Wladimir Astapkowitsch
    Wirtschaft
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    Der deutsche Modekonzern Tom Tailor verhandelt über die Produktion seiner Erzeugnisse in einem russischen Betrieb, berichtete das Webportal RBC unter Berufung auf die Chefin der Vertretung der Holding in Russland, Sofia Kofmann.

    Der Hamburger Modekonzern führe zurzeit Gespräche mit einer russischen Textilfabrik, sagte Kofmann. Die Produktion solle in diesem Jahr gestartet werden, und die ersten in Russland hergestellten Waren sollen schon in der nächsten Herbst- und Winter-Modekollektion vertreten sein.

    In der Perspektive könne der Anteil der in Russland produzierten Kleidung rund 20 Prozent des Sortiments der Modekette ausmachen. Die russische Leichtindustrie entwickle in den letzten Jahren sich rasch und könne den Forderungen der Holding gerecht werden, so Kofmann.

    Außerdem plane die Modefirma ab 2018 direkte Lieferungen aus Asien nach Russland zu starten, wodurch die Kollektionen schneller in die Läden zugestellt und die Vertriebspreise gesenkt werden könnten. Momentan werde ein Großteil des Modekette-Produktionsvolumens in Asien produziert und in die Läden über die Zentrale in Hamburg geliefert.

    Laut der Expertin Natalja Tschinenowa von der Beratungsfirma Fashion Consulting Group wird Tom Tailor in diesem Fall dank der vereinfachten Logistik einsparen können: Die Lieferung über Hamburg nehme 30 bis 40 Tage in Anspruch, während der Transport über Kasachstan die Lieferungsfrist auf bis zu zehn Tage verringern könnte. 

    In Russland vertreibt Tom Tailor seine Produktion zurzeit über 30 eigene Läden und 70 Franchise-Stores. 2016 betrug der Anteil der in Russland vertriebenen Waren 4,6 Prozent des gesamten Handelsumsatzes des Unternehmens. 2018 will der Modekonzern auf neun Prozent aufstocken.

    Zudem vertreibt die Modefirma seit Herbst 2016 einzelne Artikel, die speziell für russische Kunden unter Berücksichtigung des einheimischen Klimas und des Geschmacks der russischen Verbraucher genäht sind.

    Das russische Industrie und Handelsministerium bietet ausländischen Marken seit einigen Jahren an, ihre Produktion nach Russland zu verlegen. Zuvor in diesem Monat war bekannt worden, dass das Ministerium Anfragen über lokale Leichtindustrie-Betriebe in die russischen Regionen geschickt hatte. Behandelt werden unter anderem Produktionsstätten für solche Bekleidungsunternehmen wie Zara, Nike, Decathlon und Uniqlo.

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    Tags:
    MOdekonzern, Produktion, Deutschland, Russland