22:53 24 Februar 2020
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    Zentralbanken vieler Länder reduzieren Medienberichten zufolge ihre Euro-Aktiva. Gibt es wirklich Risiken für die europäische Gemeinschaftswährung? Die Meinungen russischer Experten gehen auseinander.

    „Die monetären Behörden vieler (besonders Entwicklungs-) Länder reduzieren ihre Euro-Aktiva. Die Zentralbanken befürchten eine politische und wirtschaftliche Instabilität in Europa, aber auch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Aufrechterhaltung von Negativzinsen“, schreibt die russische Zeitschrift „Profil“ in ihrer Onlineausgabe.

    Sie bezieht sich dabei auf einen Bericht der „Financial Times“. Demnach wurden Mitarbeiter von Nationalbanken aus 80 Ländern zu dem Thema befragt.

    Wie die russische Zeitschrift schreibt, befürchten die Befragten mehrere Faktoren, darunter die politische Instabilität in Europa im Hinblick auf die Wahlchancen von Marine Le Pen und den Brexit; Besorgnisse gibt es auch in Bezug auf ein unzureichendes Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone und die Politik der EZB, die seit 2014 an einem negativen Einlagesatz und seit Marz 2016 an einem Null-Hauptrefinanzierungssatz festhält.

    Juri Skorkin, Experte der russischen Finanzgruppe BCS, sagte gegenüber „Profil“: „Tatsächlich ist der Trend zu einer Euro-Schwächung offensichtlich. Alle Marktakteure versuchen natürlich, den Euro schneller loszuwerden.“

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    Wadim Bit-Awragim, Fachmann des russischen Kapitalverwaltungsgesellschaft Kapital, sagte der russischen Zeitschrift, für die Zentralbanken sei vor allem die Stabilität ihrer Reserven wichtig. Angesichts des britischen EU-Ausstiegs und der Wahlen in mehreren Ländern, wo EU-Skeptiker Siegeschancen hätten, seien „neue spezifische Risiken“ nicht auszuschließen.

    Bit-Awragim kommentierte weiter, er persönlich teile diese Bedenken kaum, doch für Investoren seien sie von Bedeutung: „Das ist am Euro-Dollar-Verhältnis zu sehen – im vergangenen Jahr wurde fast eine Parität erreicht. Auch weitere Argumente, die in den Zentralbanken erwähnt wurden, sind gerechtfertigt. All dies beeinflusst die Währung.“

    „Allerdings ist der Höhepunkt solcher Ängste wohl schon vorbei. Wir werden sehen, dass Großbritanniens Ausstieg aus der EU keine drastischen Veränderungen verursacht. Das war eher ein Schritt, der mit dem Versuch zusammenhing, die britische Wirtschaft anzukurbeln und den dortigen Exporteuren durch eine Abwertung zusätzliche Vorteile zu ermöglichen. Er wird kaum den Euro irgendwie beeinflussen, denn die Handelsunion als solche bleibt bestehen“, prognostiziert Bit-Awragim.

    „Ich würde sagen, die Wirtschaft der Euro-Zone befindet sich derzeit sogar in einer besseren Lage im Vergleich zur britischen Wirtschaft. Denn ihre wichtigste Lokomotive Deutschland weist ein höheres Wachstumstempo auf. Ich würde das britische Pfund nur zwecks einer Diversifikation in Betracht ziehen, den Euro aber nicht abstoßen“, so der Experte.

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    Euro, Europäische Zentralbank (EZB)