03:54 11 Dezember 2019
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    Peter Ramsauer (Archivbild)

    Deutsche Wirtschaft weiß, was sie an Russland hat – MdB Ramsauer

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    Wirtschaft
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    Der Widerstand gegen die geplante Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 ist laut Peter Ramsauer, dem Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie, wenigstens teilweise politisch motiviert. Darum muss er auch politisch überwunden werden.

    Der Politiker zeigte sich nicht überrascht über diese Widerstände. Soweit sie wirtschaftlich motiviert seien, so Ramsauer im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin, „müssen wir dem Rechnung tragen, wenn ein Land wie Polen Angst hat, dass es von Gaslieferungen aus Russland abgeschnitten werden könnte. Oder die Ukraine. Dann tragen wir dafür Sorge, dass im Falle des Falles Gaslieferungen für diese Länder sozusagen als Rücklieferung aus dem westeuropäischen Gasnetz erfolgen können“.

    Bau der Gasleitung Nord Stream
    © RIA Novosti . Mikhail Fomichev
    Der Bundestagsabgeordnete erinnert an die Zeit, als der erste Strang der Nord-Stream-Pipeline vorbereitet und gebaut wurde. „Damals gab es viel mehr institutionelle, strukturelle und strategische Gegner gegen dieses Projekt, als es heute bei Nord Stream 2 der Fall ist. Der Nord Stream 1 wurde erfolgreich gebaut und in Betrieb genommen. Wir haben jährlich eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Gas“, so der Experte.

    Ramsauer hat, wie er Sputnik erzählt, unlängst Russland besucht. Als besondere Highlights nannte er den Besuch eines Gasfeldes des deutsch-russischen Joint-Ventures Achimgaz in Nowy Urengoj am Polarkreis. Dort befinde sich das wichtigste Gasvorkommen. „Man muss sich solche Quellen einfach anschauen. Man kann nicht alles aus den Akten herauslesen“, so Ramsauer. „Man muss hinfahren und sehen, wie es dort aussieht, wie die klimatischen Bedingungen und wer die verantwortlichen Leute sind. Man bekommt ein völlig anderes Verhältnis zur eigenen Erdgasquelle, wenn man dort war.“

    Für verlässliche Energiequellen

    „Es gibt seit Jahren einen engen Gesprächsfaden zwischen den beiden Parlamentsausschüssen. 30 Prozent des gesamten Öl- und Gasbedarfs Deutschlands wird aus Russland gedeckt. So haben wir als deutsche Parlamentarier ein klares Bekenntnis für die neue Erdgasleitung Nord Stream 2 in der Nordsee abgegeben. Denn wir haben traditionell eine intensive Energiepartnerschaft“, betonte Ramsauer. Gleichzeitig wies er auf die Wechselwirkung hin: Aus historisch gewachsenen Gründen und weil sowohl Russland als auch die Region in Sibirien den verlässlichen Absatzpartner Deutschland brauche, brauche auch Deutschland diese Quelle.

    Immerhin 5300 deutsche Unternehmen sind in Russland tätig. Ramsauer freue es „immer wieder, wenn ich höre:,Deutschland und seine Unternehmen sind gefragt.‘ Russland weiß, dass deutsche Unternehmen Qualität bringen, dass sie pünktlich und verlässlich sind, dass sie nicht nur auf den kurzfristigen Gewinn aus sind, sondern auch im Land bleiben und weiter investieren, selbst wenn es einmal Krisen gibt und schwierig wird. Das ist es, was Russland an Deutschland schätzt. Und umgekehrt. Die deutsche Wirtschaft weiß genau, was sie an Russland hat.“

    Und noch eine gute Botschaft hat der ehemalige Bundesminister aus Russland mitgebracht: „Russland kommt aus der wirtschaftlichen Krise heraus. Das waren konjunkturellen Gründe, aber auch Wirtschaftssanktionen. Und auch ich arbeite dafür, dass die deutsche Politik und Wirtschaft ihren Beitrag dazu leisten, dass es in Russland wirtschaftlich wieder aufwärts geht.“ 

    Partnerschaft ist mehr als Energiepolitik

    Wenn Ramsauer Bundeskanzler würde – was er allerdings nie habe werden wollen —, dann hätte er „aus tiefster Überzeugung alle Anstrengungen darauf gerichtet, dass es zu keinen Sanktionen kommt, wie es Jahre vorher schon zu keinen Sanktionen den dem Iran gekommen wäre“, sagt er noch leicht schmunzelnd. „Denn Wirtschaftssanktionen sind erfahrungsgemäß auf Dauer und langfristig gesehen politisch wirkungslos.“

    Was bei den gegenseitigen Sanktionen herauskomme, sei nur, „dass beide Seiten schweren wirtschaftlichen Schaden nehmen, aber die politischen Ziele letztlich nicht erreicht werden“, ist sich der Politiker sicher.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Probleme, Gas-Pipeline, Gazprom, Peter Ramsauer, Russland, Deutschland